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Heimatliebe eröffnet Perspektiven

Biedenkopf im Fensehen Heimatliebe eröffnet Perspektiven

Von der Weltstadt Berlin zurück in die Provinz:Autor Andreas Steinhöfel kehrte nach 17 Jahren in seine Heimatstadt Biedenkopf zurück und genießt die Ruhe.

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Kinder- und Jugendbuchautor Andres Steinhöfel kehrte zurück in die Provinz. In seinem Heimatort Biedenkopf genießt er die Ruhe und spürt eine tiefe Verbundenheit.

Quelle: Hessen Fernsehen

Biedenkopf. Mit der Frage, warum ein Bestsellerautor aus Berlin ins hessische Hinterland zurückkehrt, oder warum ein international erfolgreicher Bildhauer mit seinen Skulpturen wieder da heimisch wird, wo er geboren wurde – nämlich in Biedenkopf –, beschäftigt sich die Sendung „Expedition Heimat“, die das hr-Fernsehen am morgigen Dienstag, 16. Dezember, um 21.45 Uhr ausstrahlt.

Seit vier Jahren lebt der vielfach ausgezeichnete Autor Andreas Steinhöfel wieder in seiner Heimatstadt Biedenkopf. Eigentlich habe er immer Heimweh gehabt, all die Jahre, sagt er. Früher wollte er einfach nur weg. Biedenkopf war für den jungen Andreas Steinhöfel lange Zeit einfach zu eng, zu sehr ­Provinz. Er erweiterte seinen Horizont und seine Stationen waren Marburg, Frankfurt und Berlin.

Nach 17 Jahren kehrt er – mittlerweile als Kinder- und Jugendbuchautor erfolgreich – der Hauptstadt wieder den Rücken, und zieht zurück in die hessische Provinz mit 14 000 Einwohner,  viel Wald drumherum, Fachwerk und einem Schloss. Jetzt lebt er in einem alten Forsthaus, nahe am Wald seiner Kindheit. Eigentlich habe er immer Heimweh gehabt, all die Jahre, sagt er.   

Ruhe und Abstand gewinnen in der Heimat

Seit 2010 ist Steinhöfel wieder zurück und fühlt sich so frei wie nie zuvor. In Biedenkopf wohnen seine zwei Brüder mit Familie, seine Mutter. Im Wald kennt er jeden versteckten Weg und die meisten Leute im Ort kennen ihn und seine Brüder schon von Kindheit an. Nicht alles hier sei perfekt, sagt er. Die Enge, die Kleinbürgerlichkeit vieler Bürger – das nerve ihn noch immer. Aber jetzt könne er besser damit umgehen, habe gelernt, den Mund aufzumachen, sich zu behaupten.

Auf der einen Seite hat er den Status des „Promis“ in Biedenkopf, auf der anderen Seite ist er noch immer der Sohn vom „Taxi-Steinhöfel“. Einer von dreien. Dass er in Biedenkopf etwas Bleibendes hat, die Familie, das sei ihm wichtig. In Berlin waren die Beziehungen oft nicht beständig, kompliziert, manchmal oberflächlich. Alles zu groß, zu stressig. Nach dem Tod seines Lebensgefährten war für Andreas Steinhöfel die Großstadt Berlin „emotional vermint“, er wollte nur noch zurück nach Biedenkopf, Ruhe finden, Abstand gewinnen. Schreiben könne er ja überall und am Ort seiner Kindheit sind ihm manche Geschichten wieder ganz nah.

Auch der Bildhauer Ubbo Enninga entdeckt seine Heimatliebe: Seine Skulpturen wollen zurück in meine Heimatstadt, sagt er – damit sich ein Lebenskreis schließen kann.

Einblick in traditionelle Bräuche des Hinterlands

Was ist das Besondere an Biedenkopf, das so abgeschieden liegt? Diese Frage versucht die Expedition in die Heimat im Gespräch mit Rückkehrern, Dagebliebenen und Neubürgern herauszufinden.  

Im hessischen Hinterland haben sich über die Jahrhunderte spezielle Traditionen und Bräuche entwickelt. Der traditionelle „Brott“, das herbstliche Kartoffelbraten auf Waldplätzen, gehört ebenso dazu wie der alle sieben Jahre stattfindende Grenzgang.

Eine neue Besonderheit, die zur Tradition in Biedenkopf werden kann, rief Regisseurin Birgit Simmler ins Leben. Sie brachte vor zwei Jahren zum ersten Mal ein Musical mit regionalem Geschichtsbezug auf die Schlossbühne des Landgrafenschlosses. Das Ensemble bestand aus professionellen Schauspielern und Laiendarstellern aus Biedenkopf. Die Uraufführung wurde zum Erfolg,  auch jenseits der Stadtgrenze, eine zweite Auflage folgte in diesem Jahr mit Gastterminen auf anderen Bühnen. Für das kommende Jahr plant Simmler den Erfolg mit einem neuen Musical fortzuführen. Sie wählte wieder den historischen Bezug: den Postraub in der Subach. Von außen betrachtet könnte man sagen: Die Biedenköpfer bleiben ihrer Stadt treu. Die Arbeitslosenquote in der „Hauptstadt des Hinterlands“ liegt bei unter 4 Prozent, die Firmen vor Ort suchen händeringend Arbeitskräfte. Die Werkzeugbau-Firma Meissner etwa exportiert weltweit und arbeitet mit allen bekannten Autobauern zusammen.

In der hr-Sendung sind außerdem der Grenzgang Thema, das Brott, die Firma Meissner und Kulturreferentin und Regisseurin Birgit Simmler, die es vom Broadway nach Biedenkopf verschlagen hat.

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