Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Haftdauer für Frauenschläger noch offen

Aus dem Landgericht Haftdauer für Frauenschläger noch offen

Wegen Misshandlung seiner Ehefrau muss ein 28-jähriger Biedenkopfer ins Gefängnis. Vor dem Marburger Landgericht nahm er die Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts zurück.

Voriger Artikel
Haus des Gastes gleicht einem Hangar
Nächster Artikel
Baumfällungen führen auf falsche Fährte

Vor dem Landgericht zog ein wegen Nötigung und Körperverletzung verurteilter 28-jähriger Biedenkopfer seine Berufung zurück.

Quelle: Bernd Weißbrod / dpa

Marburg. Die erste Instanz hatte es als erwiesen angesehen, dass der erheblich betrunkene Mann im September 2013 mit der ebenfalls alkoholisierten Frau einen Streit hatte, der sich in die Wohnung einer Nachbarin verlagerte. Dort drückte er ihren Kopf in Richtung einer heißen Herdplatte.

Ein Zeuge verhinderte Schlimmeres, es kam zu keinen Verletzungen. Bei anderer Gelegenheit, so das Amtsgericht, schlug er die 44-Jährige ins Gesicht und in den Bauch. Eine blutende Lippe war die Folge. Verurteilt wurde er letztlich wegen Nötigung und Körperverletzung zu sechs Monaten. Wegen zahlreicher Vorstrafen wurde keine Bewährung mehr gegeben, zudem erst zwei Monate vorher eine Haftstrafe verbüßt worden war.

Wie der Vorsitzende der Berufungskammer, Hans-Werner Lange, berichtete, sitzt der Angeklagte derzeit in Sicherungshaft. Grund ist der drohende Widerruf einer laufenden Bewährung. Trotz der Verurteilung, die zur Berufung geführt hatte, wurde sie dem Mann in einem späteren Verfahren noch einmal gewährt mit der Auflage, eine Alkoholtherapie zu machen.

Richter: „Das Problem ist ihre Frau“

Laut Lange war er danach erneut stark alkoholisiert von der Polizei angetroffen worden, weshalb er diese sechsmonatige Strafe wohl absitzen müsse. Nicht folgen wollte Staatsanwältin Sarah Otto dem Vorschlag von Verteidiger Sascha Marks, das jetzige Verfahren einzustellen. Marks betonte, die zu verbüßende Strafe sei genug, um anschließend eine erneute Therapie beginnen zu können.

Lange betonte, dass bei einer Rücknahme der Berufung eine Gesamtstrafe ausgesprochen werden könne. Diese werde vermutlich höchstens elf Monate betragen. Die Alternative, so betonte der Richter, sei eine lange Verhandlung, die von vorne beginnen müsse. Wegen der inzwischen im Raum stehenden Strafe müsse das Gericht zunächst ein Gutachten einholen, ob im Falle einer Verurteilung auch eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet werden könne.

„Und das ist dann nicht freiwillig, wie eine Therapie.“ In der Haft könne der Angeklagte sein weiteres Leben am besten in Vorbereitung einer Paartherapie schnell planen. „Das Problem ist ihre Frau“, so Lange. Denn auch die sei stark alkoholabhängig und so könne der Angeklagte zu Hause kaum abstinent bleiben.

Der Angeklagte hat laut eigener Auskunft bereits früher eine Therapie erfolglos beendet. Die letzte habe er mit seiner Ehefrau zusammen absolviert. Nach Beratung mit seinen Verteidigern stimmte der Biedenkopfer dem Vorschlag Langes letztlich zu und nahm seine Berufung zurück. Das Amtsgericht Biedenkopf muss nun endgültig entscheiden, wie lange der 28-Jährige tatsächlich in Haft muss.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr