Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Haft für das Speichern von pornografischen Bildern

Amtsgericht Biedenkopf Haft für das Speichern von pornografischen Bildern

Weil ein Bad Endbacher zweifacher Familienvater jugendpornografische Bilder aus dem Internet auf seinen PC runtergeladen hat, muss er zwei Monate in Haft.

Biedenkopf . Während der Urteilsbegründung und der Erläuterung, warum die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann, erlitt der Angeklagte einen Schwächeanfall. Richter Mirko Schulte unterbrach die Sitzung und veranlasste, einen Notarzt zu rufen. Der Angeklagte war offenbar nicht darauf gefasst, dass er wegen des Besitzes von pornografischen Bildern ins Gefängnis muss. Gegen einen Strafbefehl hatte der Mann Einspruch eingelegt und sah sich nun nicht wie gehofft und von seinem Pflichtverteidiger gefordert, von den Vorwürfen freigesprochen. Vielmehr sah Richter Schulte die Anklagepunkte als erwiesen an.

Auf dem Computer des Angeklagten fanden Ermittler mehrere Fotos von Jugendlichen in pornografischen Posen und so genannte Mangas (japanische Comics), auf denen zum Beispiel sexuelle Handlungen zwischen einem Opa und seinem Enkel mit Sprechblasen als gesellschaftsfähig dargestellt waren. Der Ex-Mann seiner Ehefrau soll diese Bilder während einer Feier ohne Wissen des Angeklagten auf dem PC abgespeichert haben. Plausibel erschien diese Aussage weder der Staatsanwältin Kathrin Ortmüller noch Richter Schulte.

Auf den restlichen Fotos sollen laut dem Angeklagten nur Mädchen zu sehen sein, die älter als 20 Jahre alt sind. Doch Richter Schulte erklärte, dass auf den Fotos eindeutig Mädchen zu sehen sind, die jünger als 18 Jahre sind. Er schenkte dem Angeklagten keinen Glauben, der bereits wegen Kindesmissbrauchs 1998 zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. Er hatte zusammen mit seiner vierten Ehefrau ein Mädchen aus der Türkei adoptiert und es mehrfach zu sexuellen Handlungen genötigt. Damals hatte er ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

In der gestrigen Verhandlung bestritt der Mann aber die Tat. Das Abstreiten der Tat decke sich mit der Persönlichkeitsstörung des Mannes, erklärte die Sachverständige, Psychiaterin Petra Bauer. Pädophilie konnte sie bei dem Angeklagten nicht diagnostizieren. Viel mehr habe er die Erweiterung seiner Sexualität auf Kinder projiziert. Ein entsprechendes Interesse an Kindern sei vorhanden, sexuelle Fantasien mit Kindern habe der Angeklagte früher zugegeben, aktuell bestreite er, solche zu haben. Die Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sowie einen Mangel an Empathie und eine erhebliche Selbstüberschätzung.

Dass er Stimmen hört, sagte er auch gestern vor Gericht. Bauer hält aber eine Schizophrenie bei ihm für ausgeschlossen. Vielmehr zeige der Angeklagte ein manipulatives Verhalten, und er hatte in der Vergangenheit ein Alkoholproblem. Auch wurde er mehrfach - außer wegen Kindesmissbrauchs - verurteilt: wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Handeln mit Arzneimitteln.

Das Strafmaß von zwei Monaten Haft, das nicht zur Bewährung ausgesetzt ist, liegt an der Untergrenze. Die Obergrenze liegt bei einem Jahr. Allerdings müsste dann auf den Bildern Gravierendes, wie eine Vergewaltigung, zu sehen sein, erklärte Schulte gegenüber der OP. Dass eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht kam, liege an einer hervorgehobenen Gefährlichkeit des Täters. „Und ich bin überzeugt, dass Sie der Täter sind“, sagte Schulte zum Angeklagten. Schließlich kenne er sich als Kommunikationstechniker außerordentlich gut mit einem Computer aus.

Schulte schickt den Mann ins Gefängnis, weil keine Hoffnung besteht, dass der Angeklagte das Urteil als Warnung versteht. Das Urteil der Sachverständigen über den Angeklagten bezeichnete Schulte als verheerend. Sie hatte nicht ausschließen können, dass der Angeklagte, der Vater zweier kleiner Kinder ist, nicht irgendwann wieder übergriffig wird und es zu einem erneuten Missbrauch kommt.

„Hinter jeder Kinder- oder Jugendpornografie verbirgt sich eine Straftat“, sagte Schulte, der eindeutig zu verstehen gab, dass derartige Bilder nicht freiwillig gemacht werden. Jugendliche, die sich so ablichten lassen, stünden in einem Abhängigkeitsverhältnis.

Dem Angeklagten sprach er eine deutliche Bereitschaft zum Regelbruch zu und verwies auf die unterschiedlichen Vorstrafen. Er schloss daraus, dass der Angeklagte wieder Kinder- und Jugendpornografische Bilder aus dem Internet runterladen wird.

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel