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Gute Prognose mildert Haftstrafe

Drogenhandel Gute Prognose mildert Haftstrafe

Eine lange Drogenkarriere und Straftaten zur Finanzierung des Konsums könnten ein Ende haben: Der Verurteilte 33-Jährige will erstmals eine Entzugs-Therapie angehen.

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Bei der Übergabe von zwei Kilogramm Amphetaminen im Biedenkopfer Stadtteil Wallau endete Anfang Mai dieses Jahres vermutlich die Drogenkarriere eines 33-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen. Der Festnahme folgte jetzt die Gerichtsverhandlung.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Marburg. Wegen Drogenhandels verurteilte das Marburger Landgericht gestern einen 33-Jährigen aus Wesseling in Nordrhein-Westfalen zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis. Der Mann wurde in Wallau bei der Übergabe von mehr als zwei Kilogramm Amphetamin festgenommen.

Wie ein Kriminalpolizist aussagte, geriet ein Biedenkopfer Anfang des Jahres in den Verdacht, in größerem Stil mit Drogen zu handeln. Mittels Telefonüberwachung habe die Polizei von der geplanten Übergabe an den Biedenkopfer durch den Angeklagten erfahren und am Morgen des 7. Mai zugegriffen. Der Biedenkopfer habe die Drogen noch unter das Fahrzeug des 33-Jährigen geschoben. Bei diesem wurden 4300 Euro, die wohl aus dem Geschäft stammten, sichergestellt. In dem Wagen hätten sich noch zwei weitere Männer befunden.

Diese hätten nichts mit der Tat zu tun, seien nur aus Langeweile mitgekommen, so der 33-Jährige, der über seinen Verteidiger Peter Thiel ein Geständnis ablegte: „Der Anklagevorwurf ist insgesamt richtig“. Er sei am Vorabend losgefahren, habe dann jedoch das falsche Wallau in Südhessen angefahren „und aus Wut unterwegs das Navi entsorgt“. Nach mehreren Telefonaten habe er sein Ziel dann doch erreicht.

Die Drogen habe sein Mandant verkauft, um seinen eigenen Konsum zu finanzieren, so Thiel. Seit seinem 16. Lebensjahr konsumiere er, seit dem 22. auch Amphetamine. Eine Therapie habe er nie begonnen, so der Angeklagte. Im Gefängnis, insgesamt hat er bereits 38 Monate abgesessen, habe er zwar keine Drogen genommen, sei in Freiheit aber nach längstens einem halben Jahr wieder rückfällig geworden.

Es bleiben noch sechs Monate Haft übrig

Inzwischen habe er sich, soweit möglich, in der Untersuchungshaft aber um Hilfe gekümmert. Er wolle auch umziehen, um aus seinem Bekanntenkreis, in dem alle Drogen nehmen würden, herauszukommen, beteuerte der Angeklagte.

Wie der psychiatrische Sachverständige betonte, habe die lange Vorstrafenliste seit 2001 in allen Fällen mit Drogen zu tun. Er sei der Überzeugung, der Angeklagte habe trotz der langen Drogenkarriere bei entsprechender Motivation eine gute Chance eine Therapie erfolgreich abzuschließen, „wenn der richtige Hebel im Kopf umgelegt ist“, so der Gutachter.

Die Kammer unter dem Vorsitz von Landgerichtsvizepräsident Dr. Carsten Paul folgte letztlich dieser Ansicht und befürwortete, dass der Angeklagte bei zweijähriger Reststrafe eine stationäre Drogentherapie beginnt, wofür diese ausgesetzt wird.

Die ausgesprochene Strafe sei tat- und schuldangemessen. Verteidiger Thiel hatte 2,5 Jahre gefordert, Staatsanwalt Sebastian Brieden 3 Jahre und 4 Monate. Letzteres wäre zu lange, so Paul. Vor Antritt der Therapie dürfe der Mann nicht zu lange im Vollzug verbüßen. „Das hält die Kammer für wichtig, weil sonst die Therapiewilligkeit zerstört werden könnte.

Hintergrund: Bei einer mehr als zweijährigen Freiheitsstrafe muss der Rest vor der Therapie verbüßt werden. Angerechnet wird die Untersuchungshaft, in der sich der Angeklagte seit mehr als vier Monaten befand. So verbleiben ihm noch etwa sechs Monate. Weil alle Beteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil gültig. Wann die Verhandlung gegen den Biedenkopfer eröffnet wird, steht noch nicht fest.

von Heiko Krause

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