Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Gute Pflege geht kräftig ins Geld

Kunstrasenplätze Gute Pflege geht kräftig ins Geld

Vergangenes Jahr entstanden in Gladenbach und Hartenrod Kunstrasenplätze für die örtlichen Fußballvereine. Die Clubs wissen: Das künstliche Grün braucht genauso viel Pflege wie echter Rasen.

Voriger Artikel
Strom auf schlechten Böden ernten
Nächster Artikel
Im Kirchgarten entsteht ein neuer Treffpunkt

Seit Oktober rollt auch auf dem Hartenroder Kunstrasen der Ball. Das künstliche Grün braucht ähnlich viel Pflege wie gewöhnlicher Rasen.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Gladenbach. Intensiv haben sich im Januar die Gladenbacher Parlamentarier in ihren Fachausschüssen mit dem Haushaltsplan beschäftigt (die OP berichtete). In dem als Sparhaushalt deklarierten Zahlenwerk gab es nicht viele Auffälligkeiten. Gespart wurde an vielen Stellen: So verzichten Bürgermeister (bisher 1800 Euro) und Stadtverordnetenvorsteher (800 Euro) auf ihre Verfügungsmittel, nur noch alle zwei Jahre will die Stadt ihre erfolgreichen Sportler ehren. Und doch erregte der Anstieg einer Haushaltsstelle die Aufmerksamkeit der Opposition: Auf Seite 56 des Plans ist die Pflege- beziehungsweise Unterhaltungspauschale für die Fußballvereine im Stadtgebiet auf 36000 Euro festgesetzt, 4000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. In der Begründung heißt es, die Unterhaltungspauschale erhöhe sich wegen des neuen Kunstrasenfeldes.

Rainer Bastian (SPD) wollte mehr dazu wissen. Bei der Haushaltsdebatte im Parlament berichtete er, dass sein Heimatverein, der VfL Weidenhausen, jährlich 5700 Euro für die Unterhaltung seiner beiden Rasenplätze erhalte. Ihm erschließe sich nicht, warum nun für einen pflegeleichten Kunstrasenplatz 4 000 Euro nötig seien. Und er vermisste die von der Gesamtpauschale des vergangenen Jahres abzuziehende Summe für die Unterhaltung des Hartplatzes am Blankenstein, denn auf diesem Gelände sollten ja nun Bauplätze entstehen.

Bürgermeister Klaus Dieter-Knierim (CDU) antwortete, es stehe noch nicht fest, wie hoch der Mehraufwand für die Pflege des Kunstrasenplatzes ausfalle. Der Gladenbacher Sportclub müsse dafür aber Spezialmaschinen anschaffen. Neue Verträge über die Pflegepauschale seien mit dem Verein noch nicht abgeschlossen, sagte das Stadtoberhaupt. Nach seinen Worten hat der Sportclub bisher etwa 800 Euro für die Pflege des Hartplatzes erhalten.

Keine Pflegepauschale für Gladenbacher Turnverein

Keine Antwort erhielt Rainer Bastian auf den zweiten Teil seiner Frage: ob auch der Turnverein Gladenbach (TV) eine Pauschale für die Pflege der neuen Leichtathletikanlage erhalte.

Auf Anfrage der OP berichtete TV-Vorsitzender Michaelo Walter, dass mit der Stadt diesbezüglich noch keine Gespräche geführt worden seien. Endgültig fertiggestellt wird die Leichtathletikanlage, sobald es die Witterung zulässt. Über die dann anstehende regelmäßige Pflege hat sich der Turnverein längst Gedanken gemacht und auch Preise ermittelt. Ab 10- bis 12 000 Euro bekomme man eine gute Kehr-Saug-Maschine,die gewährleiste, dass jeglicher Schmutz von dem porösen Kunststoffbelag entfernt werde, weiß Walter.

„Macht man das nicht, dann sieht die Oberfläche nicht nur schmutzig aus, sie verliert auch erheblich an Elastizität“, erklärt er. Ob ein Neukauf zu schultern sei, oder der Verein ein entsprechendes Gerät miete, werde noch geprüft, kündigt Walter an und erinnert, dass dem Verein angesichts des ab 2013 an die Stadt zurückzuzahlenden Fünf-Jahres-Kredites in Höhe von 36000 Euro finanziell die Hände gebunden seien. Auch in Hartenrod wartet der Turnverein noch auf das Aufbringen der obersten Kunstoffstoff-Schichten, dann ist auch dort der Bau der Leichtathletikanlage abgeschlossen. Turnverein und Sportclub sind in dem Bad Endbacher Ortsteil in einem Boot und haben das Projekt Mehrzwecksportanlage gemeinsam gemeistert.

Hartenroder Vereine arbeiten zusammen

Auch an die nötige Pflege und deren Finanzierung wurde gedacht. Markus Pitzer vom Präsidium des SV Rot-Weiß Hartenrod berichtet, dass bereits ein kleiner Kommunaltraktor mit allen nötigen Pflegegeräten für Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlage anschafft wurde, dazu ein professionelles Laubgebläse. Etwa 30000 Euro müssen die Vereine dafür hinlegen. Sie gehen den für solche Anschaffungen üblichen Weg, haben Zuschussanträge gestellt und erhoffen sich zehn Prozent vom Landkreis und 15 Prozent von der Gemeinde. Darüber hinaus wurden fleißig Spenden gesammelt.

Mit der Meinung, Kunstrasenfelder seien leichter zu pflegen als herkömmliche Rasenplätze, räumt Markus Pitzer auf.

Hartenroder Vereinsvertreter waren einer Einladung des Hessischer Fußballverbandes gefolgt und hatten sich in Grünberg über Kunstrasenplätze informiert. Darüber hinaus habe man sich bei Fachfirmen schlau gemacht, sagt Pitzer. Neben der regelmäßigen Pflege durch den Verein - etwa einmal die Woche wird der Platz abgefahren - werde die Firma Polytan mindestens im zweijährigen Rhythmus eine Grundreinigung vornehmen. Sand und Granulat werden aufgesaugt, gereinigt und wieder aufgetragen, fehlende Mengen ersetzt. Die erste Pflege durch die Fachfirma sei umsonst, berichtet Pitzer, jeder weitere Einsatz koste 2000 Euro. „Wir werden wohl einen Pflegevertrag abschließen, kündigt er an. Das Pflegegerät des Vereins für den Kunstrasen besteht im Wesentlichen aus Besen und Rechen. Damit werde das Granulat gelockert und gleichmäßig verteilt, sagt Markus Pitzer und erklärt weiter: „Die Kunstrasen-Halme dürfen nicht zu weit herausragen, sonst brechen sie ab.“ Bei einem gut gepflegten Platz halte der Kunstrasen-Belag 15 bis 20 Jahre, weiß das Präsidiumsmitglied. Bei einem normal genutzten Platz sei keine zusätzliche Bewässerung - etwa vor den Spielen - nötig. Deshalb habe man sich den Bau einer Zisterne sparen können. Und wie wird ein Kunstrasenplatz vom Schnee befreit? „Nicht mit schwerem Gerät, allenfalls mit Schneeschiebern aus Holz oder einer leichten, per Hand geführten Schneefräse, sagt Markus Pitzer.

von Hartmut Berge

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr