Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Gutachten soll Glaubwürdigkeit klären

Gericht Gutachten soll Glaubwürdigkeit klären

Im Missbrauchsprozess gegen einen 56-Jährigen aus dem Südkreis, der sich an seiner 12-jährigen Tochter vergangen haben soll, hat eine Polizistin von weiteren Vorwürfen berichtet. Ein Großteil ist verjährt.

Voriger Artikel
Tourstopp in der Campingklause
Nächster Artikel
Im Juli ziehen 14 Flüchtlinge ein

Vor dem Landgericht in Marburg muss sich ein 56-Jähriger aus dem Südkreis verantworten. Ihm wird der Missbrauch einer damals Zwölfjährigen vorgeworfen.

Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter

Marburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem auch Exhibitionismus gegenüber seiner Stiefschwester sowie Besitz von Kinderpornografie und Munition vor. Am vorherigen Verhandlungstag hatte die heute 23-Jährige ausgesagt, dass ihr Vater sie bei einem gemeinsamen Bad im Jahr 2004 missbraucht habe. Das hatte sie bereits gegenüber der Beamtin erklärt, wie diese bestätigte. Die Polizistin berichtete, dass die Frau von ihrer Mutter und einem Bruder dazu gedrängt worden sei, die Anzeige zurückzunehmen.

Sie habe keinerlei Belastungstendenzen erkannt, sprich, dass die Zeugin mehr erzähle, als gewesen ist, sagte die Beamtin. Allerdings habe die Tochter durchaus ein Bestrafungsinteresse gezeigt. Im Ganzen habe sie auf sie einen glaubwürdigen Eindruck gemacht.

Schweigepflicht bleibt bestehen

Die Verteidigung hatte jedoch die Glaubwürdigkeit der jungen Frau angezweifelt, weil sie möglicherweise einen Vorfall schildere, von dem sie nur glaube, dass er passiert ist (die OP berichtete). Die Anwälte des Mannes wollen die behandelnde Psychologin der Frau als Zeugin hören. Eine Schweigepflichtentbindung hatte das mutmaßliche Opfer aber abgelehnt.

„Das ist das letzte Private, das ich noch habe“, so ihre Begründung, nachdem sie auf Ausschluss der Öffentlichkeit zum Schutz ihrer Intimsphäre bei ihrer Aussage verzichtet hatte.

Gutachten wird während der Verhandlung erstellt

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Wolf teilt die Ansicht der Verteidiger, dass ein Glaubwürdigkeitsgutachten notwendig ist, um die Zeugenaussagen sicher bewerten zu können. Das Gutachten soll während der laufenden Verhandlung erstellt werden.

Gestern berichtete die im Fall an erster Stelle ermittelnde Polizistin von zahlreichen Vernehmungen, die sie durchgeführt hat. Die Stiefschwester des Angeklagten habe von drei Vorfällen berichtet, bei denen der Mann 2012 vor ihr onaniert habe. Eine Vielzahl an Fällen, im Prinzip sei es die Regel gewesen, habe sie nicht mehr konkret benennen können.

Zeugen bestätigen Exhibitionismus

Wie die Beamtin berichtete, habe er in der Familie sogar den Spitznamen „Treppenwichser“ gehabt, da er sich öfter im Haus dort derart präsentiert habe. Weitere Zeuginnen hätten berichtet, dass er sich auch vor ihnen entblößt habe.

Einem anderen Beamten hat die Stiefschwester in einer früheren Vernehmung auch von schwerem Missbrauch durch den Angeklagten in ihrer Kindheit berichtet. Sie hatte Ende 2013 zusammen mit der Tochter des Mannes, einer weiteren Verwandten und dem Sohn Strafanzeige gestellt. Hintergrund war wohl, so war an den vergangenen Verhandlungstagen klar geworden, die Angst, der 56-Jährige könne sich unter anderem an der kleinen Tochter einer der Frauen vergehen.

Normale Verhältnisse verwundern die Verteidigung

Der Stiefbruder des Angeklagten, so die Beamtin, habe ausgesagt, der Sohn habe als etwa Fünfjähriger berichtet, „mit Papas Pipi zu spielen.“ Eine Verwandte habe gesagt, im Alter von fünf und zehn Jahren mehrfach missbraucht worden zu sein, auch zum Geschlechtsverkehr sei es gekommen.

Die Verteidigung wunderte sich, dass praktisch alle Familienangehörigen bis zur Anzeige ein normales Verhältnis zu ihrem Mandanten gehabt hätten. Das sei doch ungewöhnlich. Die erfahrene Polizistin sagte dazu, sie finde es nicht außergewöhnlich. Denn oft gebe es in solchen Fällen Bande, die nicht nur negativ belastet seien.

Der Prozess wird am heutigen Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr