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Günter Raab ist verliebt in die Natur

Imkern aus Leidenschaft Günter Raab ist verliebt in die Natur

Der gebürtige Frankfurter, in Holzhausen aufgewachsene, später in Günterod lebende, heutige Wahl-Marburger Günter Raab ist mit Leib und Seele Imker.

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Günter Raab ist Imker mit Leib und Seele. Der Vorsitzender des Imker-Kreisvereins Biedenkopf wird am Samstag 75 Jahre. Die Bilder zeigen ihn an seinem Bienenstand in Ronhausen und im feinen Zwirn auf einer Imker-Veranstaltung.Archivfotos

Quelle: Archivfoto

Gladenbach. Ob es um Bienen, Hornissen oder Ameisen geht, um Wanderführungen oder Naturschutz, Lokalpolitik, Schulelternbeiratsarbeit oder andere ehrenamtliche Tätigkeiten, der Name Günter Raab ist damit eng verbunden, im Altkreis Biedenkopf und weit über dessen Grenzen hinaus.

1938 wurde Günter Raab in Frankfurt am Main geboren, wuchs von 1939 an in Holzhausen am Hünstein auf und lernte dort bei Förster Willi Harras das Jagen und schon im Alter von neun Jahren die Grundzüge der Bienenhaltung. Später ging die Familie nach Günterod. 1996 zog Günter Raab nach Marburg. Schon früh wurde der heute 75-Jährige von seinem Vater Karl, einem Lehrer, an die Faszination der Natur herangeführt. „Mein Vater kannte jeden Strauch, jede Blume, jeden Käfer und jedes Vogellied. Er hat uns Kinder immer mit hinaus in die Natur genommen und sein Wissen an uns weitergegeben“, erinnert sich Raab. Von 1973 an war er lange Zeit Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Hartenrod und Umgebung. 1985 übernahm er zudem den Vorsitz des Imker-Kreisvereins Biedenkopf.

Auch seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die hessische Landesregierung vor elf Jahren das Naturschutzgesetz zu Gunsten eines besseren Belegstellenschutzes novellierte. Dass Raab sich selbst im Urlaub unermüdlich für seine Ideale einsetzt, zeigt die seit 19 Jahren bestehende und von ihm initiierte Partnerschaft der Hartenroder Imker mit dem Südtiroler Bienenzuchtverein Meransen, der auch seine eigene Gründung Raabs Unterstützung verdankt.

„Die Meransener Imker glaubten damals, sie seien zu wenige, um einen selbständigen Verein zu gründen. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Patenschaft, die er für den Verein übernommen hatte, organisierte er den ersten ökumenischen Gottesdienst in dem rein katholischen Ort. „Zehn Jahre lang haben sich hessische und südtiroler Imker gegenseitig besucht, und alle sind immer wieder gesund zurück nach Hause gekommen. Da das nicht selbstverständlich ist, wollte ich dafür mit einem gemeinsamen Gottesdienst danken“, erinnert Raab.

Neben den Bienen gilt sein Interesse auch den unter Naturschutz stehenden Hornissen und den Ameisen. Als ausgebildeter Hornissen-Schützer und Gründungsmitglied der Deutschen Ameisenschutzwarte bietet Raab seit vielen Jahren in den Schulen des Landkreises projektorientierte Arbeitsgruppen an. Gemeinsam mit Kindern baut er unter anderem Behausungen für Hornissen und informiert Schüler auf spannenden Waldexkursionen über das Leben der roten Waldameise.

Ihm ist es wichtig, schon den Kleinsten deutlich zu machen, dass Naturverständnis ein Denken in großen Zusammenhängen erfordert. „Wenn man sich mit Insekten befasst und sieht die verschiedenen Abhängigkeiten und Verknüpfungen von Lebensgemeinschaften, dann ist das, als wenn man in einem Buch voller Geheimnisse blättert. Dann erkennt man auch bald die großen ökologischen Zusammenhänge“, erläutert Raab. Am liebsten hätte er seine Neigung zum Beruf gemacht.

Durch den Vater wurde auch sein Interesse am Bergbau geweckt. „Ich bin damals durch manche Schiefer- und Erzgrube gestolpert“, erinnert er sich. Zudem hatte der Vater eine große Steine-Sammlung. Ich wollte deshalb nach der Schule in den Erzbergbau. Da die Berufsaussichten in dem Bereich damals nicht erfolgversprechend waren, studierte er statt dessen in Aachen Bergbau. „Geologie, Kohle, Fossilien - all das ist ja auch naturnah“, erklärt der Bergbauingenieur. Nach dem Examen war er als Führungskraft des Eschweiler Bergwerks-Verein - einem Konzern der Montan-Union - in mehreren Betriebszweigen tätig und wurde 1972 zum Reviersteiger (Abteilungsleiter) befördert.

1972 wechselte er ins Verteidigungsministerium, war dort für Untertagebau und später - bis zu seiner Pensionierung - als Dezernent für technischen Umweltschutz tätig. Während der Ausbildung und Tätigkeit für den Bergwerksverein war Günter Raab auch ehrenamtlich aktiv, war in Settrich Mitbegründer eines SPD-Ortsverbandes und gehörte von 1964 bis 1972 der dortigen Gemeindevertretung an.

Seiner Liebe zu allem, was wächst, kreucht und fleucht, blieb Raab bis heute treu. So gehörte er 1996 zu den Gründungsmitgliedern der Bad Endbacher Landschaftsführervereinigung „Natur pur“. Als ausgebildeter Landschaftsführer führte er in Spitzenzeiten bis zu zwölf Wanderungen pro Jahr für die Bad Endbacher Kurverwaltung. „Bei meinen Wanderungen geht es nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Kilometer zurückzulegen, sondern darum, Natur und Landschaft mit allen Sinnen zu erfahren“, verdeutlicht Raab den Unterschied zwischen einem herkömmlichen Wanderführer und einem „Natur pur“-Landschaftsführer. Neben all diesem Engagement für die Natur, war Raab bis zu seinem Umzug nach Marburg Fraktionsvorsitzender der Bad Endbacher Freien Wählergemeinschaft, stellvertretender Vorsitzender der Bad Endbacher Gemeindevertretung, Mitglied des Ortsbeirates Günterod, Ortsgerichtsschöffe und Schiedsmann. Zudem war er Schulelternbeiratsvorsitzender an der Weidenhausener Adolf-Diesterweg-Schule. Für seinen außergewöhnlichen ehrenamtlichen Einsatz erhielt Raab zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2001 auf dem Hessischen Imkertag den Ehrenbrief des Landes Hessen.

von Hartmut Berge

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