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Grünes Grinsegesicht für Spätzle mit Gemüse

Neues Mensa-System Grünes Grinsegesicht für Spätzle mit Gemüse

Die kreiseigene Firma Integral versorgt Schüler in Gladenbach und Niederwalgern seit August mit kleineren, wieder selbst zubereiteten Gerichten. Das vor einigen Jahren eingeführte „Cook and Chill“-Konzept kam schlecht an.

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Zweimal in der Woche isst der 13 Jahre alte Matteo Düppers (vorn) aus Weidenhausen in der Schulmensa. Mary Töpper reicht ihm sein Mittags-Menü über den Tresen.

Quelle: Carina Becker-Werner

Gladenbach. Schulmensen, die zeitweise leer bleiben und nur einige wenige Menüs am Tag verkaufen. So hatten die Schulen in Niederwalgern und Gladenbach, deren Mensen der Landkreis als Schulträger zur Erprobung moderner Verpflegungskonzepte nutzt, sich das nicht vorgestellt. Deshalb gibt es seit Schuljahresbeginn im Sommer ein neues Konzept. Es wurde nun einige Monate lang getestet und von beiden Schulen und dem Kreis als tragfähig befunden.

Der Versorgungsvertrag für insgesamt zwei Schuljahre, den die Firma Integral bekommen hat, wurde am Montag in der Europaschule Gladenbach vom Schuldezernenten Marian Zachow und dem Integral-Geschäftsführer Helge Micklitz im Beisein des stellvertretenden Leiters der Europaschule, Günter Zell, unterzeichnet.

Für das neue Verpflegungssystem gilt: Gekocht wird wieder von Integral selbst und zwar vor Ort. Es gibt kleinere und günstigere Speisen mit oder wahlweise ohne Salat und Dessert. 15 Prozent der Zutaten kommen aus ökologischer Erzeugung, 35 Prozent aus regionaler. Möglichst nur zweimal pro Woche gibt es Fleisch, täglich mindestens ein fleischfreies Menü und die Gerichte werden nach ihrer Vollwertigkeit abstufend mit einem Ampelsystem gekennzeichnet. Die Spätzlepfanne mit frischem Gemüse und Salat bekommt ein grünes Grinsegesicht als Symbol, die Currywurst mit Kartoffelpüree ein gelbes. „Mit Fritten dazu gäbe es ein glattes Rot für die Currywurst, mit dem Püree wird es etwas gesünder“, erläutert Schuldezernent Zachow. Wunsch des Kreises sei, dass nur einmal pro Woche ein mit Rot zu kennzeichnendes Gericht auf die Menükarte kommt.

Derzeit 50 Cent pro Menü als Zuschuss

Das neue Angebot werde von den Schülern wieder deutlich besser angenommen, sagt Günter Zell und spricht von bis zu 90 verkauften Essen pro Tag, bis zu 1000 seien es inzwischen pro Monat. „Vor allem gehen die Oberstufenschüler wieder in der Mensa essen“, freut sich Zell und berichtet, dass die Schul-Cafeteria „im Vergleich zum Mittagsangebot in der Stadt“ nun wieder konkurrenzfähig sei bei einem Preis von 3 Euro fürs sogenannte Mini-Menü. Es besteht aus einem kleinen Hauptgericht mit Salat und Dessert.

Der Preis kommt dabei nur zustande, weil Kreis und Schulen je zur Hälfte 50 Cent pro Menü tragen, was der Kreis bis zum Schuljahresende so beibehalten will, wie Zachow zusicherte. Wie sich die Situation entwickelt, wenn der Salat nicht mehr „subventioniert“ wird, ist dabei offen. Die Alternative sei, dass die Schüler sich günstiger, aber auch wesentlich ungesünder, in der Stadt selbst versorgen, verdeutlichte Zell. „Von ihrer Pause haben sie dann auch nichts, weil sie unterwegs essen müssen“, berichtet der stellvertretende Schulleiter und spricht vom selbstzusammengestellten „Menü“ aus „Fleischkäsebrötchen für einen Euro, Schokoriegeln und Cola“. „Damit kann man natürlich nicht vernünftig lernen und sich konzentrierten, mit diesem Essen im Bauch warten die Schüler eigentlich nur noch auf den Schulschluss.“

Dass die Schulmensen die Schnittmengen zwischen „Essen, dass die Schüler wollen“ und „gesundem Essen“ suchen müssen, verdeutlichte der Integral-Geschäftsführer. „Fast-Food kommt am besten an, deshalb gehören Döner und Currywurst auch zum Angebot, aber eben anders zubereitet“, erläuterte Micklitz.  

Döner mit viel Salat, Currywurst mit leichter Soße

Koch Michael Freiling verriet einige Kniffe: Der Döner ist so salatlastig, dass er mit weniger Fleisch auskommt, das in hochwertiger Qualität verwendet wird. Und die Currysauce zur Wurst wird leichter durch die Beigabe von Apfelmus „statt nur Tomatenmark“. „Wir arbeiten ständig an den Rezepturen, um das Essen aufzuwerten“, sagte Freiling.

Was der Haken am vorherigen Versorgungskonzept war, legte Günter Zell dar. Zum einen sei der Preis von 4,50 Euro fürs Menü zu hoch gewesen. „zum anderen essen die Schüler inzwischen anders, oft wird abends daheim gekocht, und viele wollten mittags eher ein kleines Essen“. Das Konzept „Cook and Chill“ mit vorgekochten, angelieferten und schonend mit Dampf aufgewärmten Speisen in einem kompletten Menü ließ sich nicht halten, „auch, wenn es in der Massenversorgung derzeit als beste Lösung gilt“, sagte Zachow. „Wir haben auch kein Unternehmen mehr finden können, das in so geringer Menge noch anliefern wollte.“

von Carina Becker-Werner

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