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Zähfließender Grenzgang-Verkehr bei Allendorf

Grenzgang Zähfließender Grenzgang-Verkehr bei Allendorf

Bei idealem Grenzgang-Wetter feiern am Samstag etwa 6000 Menschen in Buchenau den zweiten Tag der Begehung.

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Am Samstag gingen Tausende Grenzgänger auf die zweite Etappe. Ein imposantes Bild bot sich bei der Erstürmung eines Hangs an der Bundesstraße 62 in Höhe des „Böttichs“.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Buchenau. Im Vergleich zum Aufstieg an der „Hauwaldsstirn“ sei der Gang über die Grenze rechts der Lahn ein Spaziergang, kündigt Bürgeroberst Dieter Veit bei der Begrüßung der Grenzgänger an. Aber er räumt ein: „Der Abstieg vom Hohenfels ist ein wenig tricky.“ Jede Menge Ehrengäste heißt er willkommen, unter anderem Landrat Robert Fischbach auf seiner Abschiedstour, er tritt bei der bevorstehenden Wahl nicht mehr ans. Stolze Abordnungen haben die Grenzgang-Vereine aus Biedenkopf, Wetter, Wollmar, Goßfelden und Münchhausen nach Buchenau geschickt. Dieter Veit erinnert an den „phantastischen“ Grenzgang-Freitag, an die wunderschönen Ausblicke und die schöne Landschaft. „Man trifft Leute, die hat man ewig nicht gesehen“, sagt er und ist sich sicher: „Grenzgang kann man nicht beschreiben, das muss man erleben.“

Und er zeigt sich hilfsbereit, überreicht einem Musiker, der ihn in der Früh hilfesuchend angerufen hatte, Schmerztabletten. Ob es sich um Kopfschmerzen handelte und dafür etwa der vergangene Abend im Festzelt verantwortlich war, wird nicht verraten. Die meisten Festzeltbesucher waren offenbar früh genug ins Bett gegangen, machen am Samstagmorgen einen fitten Eindruck

Landrat Robert Fischbach berichtet, dass dies nun sein fünfter und letzter Buchenauer Grenzgang in seiner Amtszeit sei, dass er aber auch künftig gerne wiederkommt.

Bevor‘s dann endlich losgeht, erklärt Dieter Veit - wie schon am Freitag - den Grenzgang-Neulingen, warum es während der Tour zu Staus und Stockungen kommt: „Zug hält, Oberst trinkt“.

Nach etwa zwei Kilometern erreichen die Grenzgänger den ersten Kontrollpunkt. Zahlreiche Elmshäuser warten dort, um sich dem Wandertross anzuschließen. Ortsvorsteher Herbert Kreiner kündigt an, man wolle die guten Beziehungen zu den Buchenauern weiter vertiefen, „sodass wir weiter zusammenwachsen“. Darauf trinkt man mit den Repräsentanten des Grenzgangs ein Schnäpps­chen. Wegen des Massenandrangs geht’s - vor allem am Ende des Zuges - nur im Stop-and-go-Tempo weiter. Den nächsten Stau gibt’s am „Nadelöhr“ Hohenfeld, wo sich die Grenzgänger im Gänsemarsch fortbewegen. So haben sie Zeit, um den herrlichen Ausblick auf Buchenau zu genießen. Die Jagdhornbläsergruppe aus Buchenau sorgt mitten im Wald für musikalische Unterhaltung. Der steile Abstieg vom Hohenfels hinunter erweist sich als schwierig, so wie es der Bürgeroberst angekündigt hatte. Allerdings landen nur wenige Grenzgänger auf dem Hosenboden, denn der Untergrund ist zum Glück sehr trocken. Unten angekommen, wartet schon ein Empfangskomittee aus Friedensdorf mit Ortsvorsteherin Gunhild Krämer-Kornja die Grenzgänger. Sie begrüßt die Repräsentanten in Buchenauer Platt und gibt zu, sie habe bei „Aßmanns Mariechen“ Nachhilfe genommen.

Wenig später, an der Bahnlinie, treffen die Anführer des Grenzgangs auf eine Friedensdorfer Abordnung. Ortsvorsteher Rolli Messerschmidt erinnert an eine lustige Begebenheit an dieser Stelle beim Grenzgang vor sieben Jahren: Damals brach der Grenzstein beim Huppchen entzwei. Den neuen Stein habe man deshalb extra bei den Mittelhessischen Diabaswerken prüfen lassen, verrät er. Während die Grenzgänger auf zwei passierende Züge warten, bevor der Bahndamm überquert werden kann, werden Schnäppschen getrunken und Nettigkeiten ausgetauscht. So lobt Messerschmitt das „Top-Fest“ und die lockere Rede des Bürgeroberst vom Vortag. „Wenn du so locker sein willst, musst du Wacholder trinken“, erklärt Dieter Veit.

Menschenmenge stürmt Hang an der Bundesstraße

Die große Wanderschar passiert zunächst die Lahn über eine hölzerne Brücke und erreicht dann die Bundesstraße 62 in Höhe des „Böttichs“. Dort sammelt sich die Menge, um gemeinsam den Hang hinauf zu klettern und anschließend die zeitweise gesperrte Bundesstraße zu überqueren. Die Größe des Grenzganglindwurms wird an dieser Stelle deutlich sichtbar: Während die ersten Grenzgänger schon die Bundesstraße erreichen, laufen die letzten noch über die Lahnwiese bei Friedensdorf.

Noch einmal laufen Schweißperlen über die Stirnen, als die Bürgerinnen und Bürger den recht steilen Waldweg hinauf zum Frühstücksplatz „Dorn­ochsenberg“ bewältigen. Dort suchen sich die Grenzgänger schattige Plätzchen, um bei der Musik der Kapellen, kühlen Getränken und herzhaften Leckereien das Sommerwetter zu genießen. Wegen der vielen Menschen wird der Aufenthalt auf dem Frühstücksplatz um eine Stunde verlängert, erst um 14 Uhr geht‘s zurück nach Buchenau.

Gute Laune beim Komitee: Nach der grandiosen Grenzgang-Runde, ziehen die Grenzgänger am Alten Rathaus durch das Spalier stehende Komitee.Dort greift Bürgeroberst Dieter Veit abschließend selbst zum Horn und bläst unter anderem den „Bömischen Traum“, wozu das Komitee schunkelte. Am Abend wird auf dem Festplatz und im Zelt wieder kräftig gefeiert.

von Hartmut Berge

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