Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Der Mohr verliert seinen Bart

Grenzgang Buchenau 2013 Der Mohr verliert seinen Bart

Zum Abschluss flossen Tränen: Am Montagabend endete das Buchenauer Grenzgangsfest traditionell mit der Beerdigung des Grenzsteines.

Voriger Artikel
Zähfließender Grenzgang-Verkehr bei Allendorf
Nächster Artikel
Rückblick auf Fest der Superlative

Grenzgangs-Figaro Ulli Muth schor gestern Mohr Jens Wege. Traditionsgemäß wird der Bart am letzten Festtag komplett abrasiert.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Buchenau. Dafür hatten Mohr und Wettläufer in der Zeltmitte und unter den Blicken Hunderter Grenzgänger ein Loch ausgehoben und den schweren „Huppch-Stein“ vom Festplatz darin vergraben – damit ist der großartige Grenzgang 2013 Geschichte.
Doch davor feierten die Buchenauer am fünften und letzten Tag zum Abschluss ein rauschendes Fest, bei dem zunächst die Frauen und Mädchen des Dorfes im Mittelpunkt standen: In gewohnter Manier hatten sich die Grenzgängerinnen am Kirchplatz versammelt und waren geschlossen zum Festzelt gezogen, wo einige Damen als reiche Saudis, Vogel-Wiesn-Mädels und Fußball-Fans verkleidet auf der Bühne unter dem lauten Jubel der Festgäste tanzend für Stimmung sorgten.

„Montag ist der Tag des Blödsinns“, kommentierte Bürgeroberst Dieter Veit das wilde Treiben – und ebnete damit auch den Weg für weitere Aktionen der Grenzgang-Familie: Etwa für Christoph Andreas, der plötzlich mit einem Starkstromkabel und Werkzeug im Schlepptau auf die Bühne kam, Männeroberst Holger Schmidt und Spielmannszug-Stabführer Reiner Schindler hinzurief, die im Kabel ein verstecktes großzügiges Geldgeschenk entdeckten. „Einfach, weil es mir bei euch so gut gefallen hat“, betonte der Mornshäuser, den das bunte Treiben in Buchenau beeindruckt hatte. Später hatte Mark Noll eine Überraschung für Bürgeroberst Veit vorbereitet: Noll hatte für Veit eine Zahnprothese von Veits Gebiss mitgebracht, die der – im echten Leben Zahntechniker – unwissend selbst hergestellt hatte und unter lautem Gelächter auch anprobierte.

Am Nachmittag holte Veit die Repräsentanten vergangener Grenzgänge auf die Bühne. Dabei sorgten besonders die früheren Wettläufer für Stimmung: Gekonnt schwangen sechs Ehemalige die Peitsche und Alt-Wettläufer Lothar Dönges lobte die aktuellen Christian Platt und Stefan Landschneider als „die Besten, die Buchenau bisher hatte“. Im Anschluss würdigte auch Alt-Mohr Dirk Immel die gute Arbeit der beiden und besonders die seines Nachfolgers Jens Wege. Großen Beifall bekam auch Bür­geroberst Veit, der sich stolz verneigt und sprach: „Es war mir eine Ehre!“

Seit 15 Jahren das erste Mal ohne Bart

Erster Höhepunkt des Schlusstages war danach die Rasur von Mohr Jens Wege, den Grenzgangs-Figaro Ulli Muth auf der Bühne vom Bart befreite. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Dirk Immel war Wege allerdings schon vor Übernahme des Mohren-Amts Bartträger gewesen – und damit am Montag zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren vollständig kahl im Gesicht. Seine Frau sehe ihn so zum ersten Mal, sagte Wege. Das abrasierte Haar wurde auf ein Gemälde geklebt, das Jürgen Westmeier zuvor vom Mohren angefertigt hatte. Das bärtige Bild wird einen Platz in der örtlichen ­Kneipe von Jens Vater Egon finden.

Doch bevor das Fest mit der „Beisetzung“ des Steins sein Ende fand, krönten Buchenaus Männer und Burschen das Fest mit dem Hasentanz – bei dem die Herren zunächst noch in ihren Hemden und später mit blankem Oberkörper über die Bühne hopsten.
Und schon davor stellte ein Grenzgänger fest, was wohl viele am Abend dachten: „Das gute am Festmontag ist, dass es jetzt nicht mehr ganz so lange bis zum nächsten Grenzgang dauert!“

von Benedikt Bernshausen

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr