Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Gladenbacher kommt zu Weltruhm

Hartig-Geburtstag Gladenbacher kommt zu Weltruhm

In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein „Amt Blankenstein“ beleuchtet die OP in zwei Beiträgen Hartigs Leben und Wirken. Er gilt als Erfinder des forstlichen Nachhaltigkeitsgedankens.

Gladenbach. Am 2. September 1764 wurde Georg Ludwig Hartig in Gladenbach geboren. Sein Vater war der landgräfliche Forstmeister Friedrich Christian Hartig (1734-1815). Bereits dieser entstammte einer ursprünglich aus dem Harz stammenden Försterfamilie.

Vor 250 Jahren hatte Gladenbach wesentlich weniger Einwohner als heute. Der Amtmann saß seinerzeit noch in seinem Amtshaus auf dem Blankenstein. Zu dieser Zeit hatte Jakob Christian Klipstein (1715-1786), Hartigs späterer Schwiegervater, dieses Amt inne. Da bereits Georg Ludwigs Großvater Ernst Friedrich Hartig (1698-1759) Forstmeister in Gladenbach war, hatte die Familie Hartig damals im Ort eine entsprechende Stellung.

Schon vor Georg Ludwigs Geburt gab es entsprechende Treffen, bei denen sich die damalige „höhere Gesellschaft“ von Gladenbach zum geselligen Beisammensein traf. Zu dieser Runde zählten nicht nur die Hartigs, sondern auch Prälaten und Mitglieder anderer angesehener Familien. Ein Treffpunkt war das heute nicht mehr existierende Forsthaus, in dem die Hartigs wohnten und hinter dem Christian Hartig einen Teich mit einer Insel anlegen ließ.

Ein weiterer Treffpunkt war der Klotzwald, der grob gesehen auf halber Strecke zwischen Gladenbach und dem Blankenstein lag, was wohl auch daher rührte, dass so die Klipsteins vom Blankenstein, die auch zu diesem Kreis gehörten, einen kürzeren Weg hatten. Auch nachdem Klipstein mit seiner Familie 1762 (D. Blume in Gladenbach und Schloss Blankenstein, 1987) nach Gießen zog, um dort eine höhere Stelle im Staatsdienst anzutreten, riss der Kontakt nach Gladenbach nie ganz ab. Das sollte auch so bleiben, als die Klipsteins kurze Zeit später nach Darmstadt zogen, wo Jakob Christian Klipstein schließlich zum Staatsminister aufstieg. Eine weitere Person aus diesem über etliche Jahrzehnte bestehenden Zirkel war der bedeutende Arzt und Pomologe Adrian Diel (1756-1839), zu dem Georg Ludwig eine enge Freundschaft unterhielt.

Beim Onkel und Vaterdie Försterei gelernt

Mit 15 Jahren ging Georg Ludwig in den Harz, um dort bei seinem Onkel, der ebenfalls Förster war, weiter ausgebildet zu werden. Nach zwei Jahren kam er zurück nach Gladenbach, wo er fortan zwei weitere Jahre bei seinem Vater lernte, um anschließend in Gießen zu studieren. Dort studierte er als Hilfswissenschaften Mathematik und das Kammerfach, wohl eine Art frühe Finanzwissenschaft. Das war seinerzeit für einen Förster außergewöhnlich, da es ja noch keine moderne Forstwirtschaft gab. Sein Vater ermöglichte ihm aber diese Ausbildung, weil er merkte, dass ihm solche Kenntnisse in seiner Laufbahn und Forschung teilweise gefehlt haben.

Als die Familie Klipstein, auch die schon erwachsenen Söhne, unter ihnen der Bedeutende Mineraloge Philipp Engel Klipstein (1747-1808), in Gladenbach zu Besuch waren, traf Hartig erstmals auf seine spätere Frau Theodora (1767-1837), die jüngste Tochter der Familie Klipstein. Anlass für diese Reise der Klipsteins war das Siebenjährige Gericht im Amt Blankenstein, wie Theodora Hartig (geb. Klipstein) 1826 in ihren Lebenserinnerungen unter dem Titel „Kurze Lebens- und Familiengeschichte des Staatsrats und Oberlandforstmeisters Georg Ludwig Hartig und dessen Gattin Theodora geb.

Klipstein“ schrieb und welches überhaupt erst solch detaillierte Aussagen zur Familie Hartig zulässt. Dieses Gericht hatte, wie Hartig richtig anmerkte, damals bereits seine ursprüngliche Funktion zum Urteilen über Verfehlungen von Leibeigenen verloren und war längst zu einer Art Volksfest für alle Schichten aus nah und fern geworden. Theodora war damals zehn Jahre alt. Friedrich Christian Hartig ließ es sich nicht nehmen, die Klipsteins bei sich zu Hause unterzubringen und auf seiner Insel eine Illumination und ein kleines Feuerwerk zu veranstalten.

Georg Ludwig Hartig und seine Familie waren also Teil eines Generationenübergreifenden Kreises von (Wahl-)Gladenbachern, die in ihren jeweiligen Fachgebieten Bahn­brechendes leisten sollten.

n Im zweiten Beitrag an Hartigs Geburtstag am kommenden Dienstag widmen wir uns dem Wirken des Forstmannes in Lehre und Beruf.

von Stefan Runzheimer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland