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Gladenbacher Parlament tut sich schwer mit Konzept

Umnutzung des Sportzentrums Gladenbacher Parlament tut sich schwer mit Konzept

Für das leerstehende Sportzentrum in Gladenbach interessiert sich ein Investor aus Lohra. 1,5 bis zwei Millionen Euro sollen in die Umnutzung fließen, doch die Stadtverordneten treten bei der Entscheidung auf der Stelle.

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In der Omega-Sportarena, dem jetzt leer stehenden Sportzentrum, wurde 2010 zur Fußballweltmeisterschaft bei vollem Haus ein Public Viewing veranstaltet.

Quelle: Thorsten Richter

Gladenbach. Noch bevor erneut über eine Umnutzung der Tennishalle und des Gebäudes mit Restaurant entschieden werden konnte – die Omega-Sportarena scheiterte –, setzten sich die Freien Wähler mit Unterstützung der Sozialdemokraten mit ihrem Antrag durch, den Punkt von der Tagesordnung abzusetzen.

Klaus-Dieter Knierim (FW) begründete den Antrag damit, dass die Ausschüsse ihre Beratungen zu diesem Thema abgebrochen haben und nun Gelegenheit erhalten sollten, „ihre Arbeit zu tun“.

Bürgermeister Peter Knierim (parteilos) hatte wenig Verständnis für die weitere Verzögerung und machte den Stadtverordneten klar, dass man den Investor nicht ewig hinhalten könnte. Auch Parlamentschef Roland Petri (SPD) erklärte, dass es eventuell sinnvoller gewesen wäre, den Punkt zu beraten und gegebenenfalls erneut in die Ausschüsse zu verweisen, statt ihn von der Tagesordnung zu nehmen.

Hauptgeschäft: türkische Hochzeiten

Für den 27-jährigen Kaufmann Sadic Aric aus Lohra kam diese Entscheidung völlig überraschend. War er doch der Auffassung, er hätte alle Bedenken gegen das Projekt zur Umnutzung des Sportzentrums in eine Kultur- und Eventhalle zerstreut. „Ich kann nicht verstehen, warum sich die Stadtverordneten so schwertun“, sagte er. Aus seiner Sicht hat er alle noch offenen Fragen zu seinem Konzept beantwortet. Er plant mit Methi Özyigit in Gladenbach Hochzeiten und Feste aller Art – mit und ohne Catering – auszurichten.

Das Hauptgeschäft werden türkische Hochzeiten bilden, die pro Veranstaltung zwischen 15.000 und 20.000 Euro kosten. Zu den kleineren Feiern kämen 300 bis 500 Besucher, zu den größeren bis zu 800. Damit alles gut läuft, vor allem um ein wildes Parken einzugrenzen, sollen vier bis zehn Sicherheitskräfte während der Veranstaltungen für Ordnung sorgen.

Die Stoßzeiten der Hochzeitsfeiern beschränken sich laut Aric auf 18 bis 22 Uhr. Dass dieses Konzept funktioniert, davon sind die Investoren überzeugt. Sie betrieben die Miller-Hall in der Fröbelstraße in Gießen mit einem ähnlichem Konzept. Weil der Mietvertrag auslief, suchen sie eine Alternative.

Mehmet Vural vom Management der Miller-Hall erklärte im August 2016, dass aufgrund zu geringer Einnahmen – die Vermietung der Büroräume und der Halle für Einzelveranstaltungen warfen offenbar nicht genug ab – eine Umnutzung erfolgt. Die Halle soll für zehn Jahre an eine Großgastronomie vermietet werden.

Bei einem Okay wird das Zentrum sofort umgebaut

„Ich kenne die Halle in Gladenbach. Dort waren bereits große Veranstaltungen zur Fußballweltmeisterschaft. Dort ist eine gute Atmosphäre“, sagte Aric. Er habe deshalb den Eigentümer des Gebäudekomplexes kontaktiert und sich an den Magistrat gewandt. Zweimal erhielt er ein Okay. Daraufhin hat der Lohraer Geld in die Hand genommen: 4000 bis 5000 Euro hat er für ein Planungsbüro ausgegeben. Mit der Beauftragung eines Lärmgutachtens will er aber warten, weil er ohne Planungssicherheit nicht noch weitere Kosten tragen will.

„Als dort Partys ausgerichtet worden sind, hat sich keiner daran gestört“, sagt er. Er hat angeboten, die noch fehlenden Parkplätze auf eigene Kosten zu errichten. Da die meisten Veranstaltungen am Wochenende stattfinden, könnten die Parkflächen während der Woche auch von dem Fußballverein genutzt werden, der dort seine Sportanlage hat, sagt er.

Nicht nachvollziehbar sei, dass ohne eine Entscheidung zur Umnutzung das Sportzentrum definitiv geschlossen bleibt. „Das entwickelt sich für die Stadt aufgrund des Erbbaurechts zu einem Millionengrab“, sagt er. Der Stadt hat er deshalb auch in Aussicht gestellt, das Grundstück zu kaufen. Die Büroflächen will er während der Woche vermieten, die Hausmeisterwohnung soll weiterhin genutzt werden.

„Ich glaube daran, dass unser Konzept funktioniert“, sagt Aric. Wenn die Stadtverordneten doch noch ihr Okay geben, will er sofort mit den Baumaßnahmen beginnen. Der Magistrat muss nun entscheiden, ob er diesen Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzt. Da vermutlich die Ausschüsse erneut über das geplante Projekt beraten sollen, zögert sich die Entscheidung im Parlament weiter hinaus.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
 
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