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Unterstützer und Nachhilfelehrer

Flüchtlingshilfe Gladenbach Unterstützer und Nachhilfelehrer

Für den ehemaligen Haupt- und Realschulleiter Edmund Zimmermann ist die Flüchtlingshilfe zur Selbstverständlichkeit geworden. Drei Patenschaften halten den 66-Jährigen auf Trab.

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Edmund Zimmermann hat vor eineinhalb Jahren die Patenschaft für den 20-Jährigen aus Eritrea stammenden Solomon Yohannes übernommen, der seinen Realschulabschluss an der Adolf-Reichwein-Schule absolviert.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Gladenbach. Leicht verspätet­ betritt Solomon Yohannes das Büro der Flüchtlingshilfe in der Kreuzstraße. In den Händen hält er Ringbuch, Mathe-Aufgabenheft und Taschenrechner. Aber Mathe-Nachhilfe steht gar nicht auf dem Programm. Für den 20-Jährigen nimmt sich ­Edmund Zimmermann diesmal Zeit, um das Konzept der Patenschaften in der Flüchtlingshilfe vorzustellen.

Seit dem 10. Oktober 2015 besteht ein enger 
Kontakt zu dem jungen Mann aus Eritrea. Für ihn ist die ­Patenschaft „wichtig“. Wenn die Prüfungen in der vergangenen Woche gut verlaufen sind, kann sich Solomon Yohannes darauf konzentrieren, sich ­Gedanken um seine Berufswahl zu ­
machen.

Die erste Station des 20-Jährigen war das Erstaufnahmelager in Gießen, dort lebte er zwei Monate. Danach kam er nach Gladenbach und Edmund Zimmermann nahm ihn unter seine Fittiche, um ihm eine wichtige Stütze zu sein. Zimmermann hat aktuell drei Patenschaften übernommen. Er ist einer von vielen in der Gladenbacher Flüchtlingshilfe, die Neuankömmlinge betreuen – meist so lange, bis sie auf eigenen Füßen stehen – eine eigene Wohnung beziehen. Wobei ein Umzug auch oftmals nur mit Unterstützung der Paten und der Flüchtlingshilfe über die Bühne gebracht wird.

Amnesty International berät

Die Aufgabe des Paten fasst Zimmermann in drei Worten zusammen: „Ich kümmere mich“. Paten leisten Unterstützung bei allen bürokratischen Wegen, wie der Anmeldung, der Beantragung einer Bankkarte und bei der Beantwortung der amtlichen Schreiben des Bundesamtes für ­Migration sowie bei Arztbesuchen. Wird der Asylantrag eines Schützlings abgelehnt, stellen Paten den Kontakt zu einem Rechtsanwalt her.

„Wir machen aber keine Rechtsberatung“, sagte Zimmermann. Die Flüchtlingshilfe stellt deshalb ihre Räume in der Kreuzstraße und der Bahnhofstraße einmal im Monat für die Beratung durch Amnesty International zu Verfügung. Liegt die Zuständigkeit für den betreuenden Flüchtling nicht mehr bei der Ausländerbehörde, sondern beim Kreisjobcenter, müssen die Paten dort Anträge stellen, die wiederum Folgeanträge zur Leistungsbewilligung bedingen.

Viele der Flüchtlinge seien ­damit schlichtweg überfordert. „Oft kommen die Flüchtlinge und sagen: Ich habe diesen Monat kein Geld bekommen“, sagt Zimmermann. Dann sei der Leistungszeitraum überschritten und man stelle nachträglich den notwendigen Antrag.

Nun steht Berufswahl an

Auch für eine Familie hat Zimmermann eine Patenschaft übernommen. Er hilft bei der Anmeldung der Kinder im Kindergarten oder der Schule, organisiert Lernhilfen und gibt auch selbst Nachhilfe: Bei Solomon Yohannes sind es die Fächer Deutsch und Mathe. „Für die anderen Fächer schafft er es, selbst zu lernen“, sagte Zimmermann.

Sobald die Aufenthaltsgenehmigung vorliegt, unterstützen Paten bei der Einrichtung des Haushalts mit Möbeln und Haushaltsgegenständen. 
Es werden auch Kontakte zu den örtlichen Vereinen hergestellt, damit vor allem die jüngeren Flüchtlinge eine Freizeitbeschäftigung finden.

Im Flüchtlingsheim beschäftigen sich die Bewohner zumeist mit Fernsehen und ihren Handys. Einen Computer haben die wenigsten und schnelle Internet (W-LAN) funktioniert nur im Gemeinschaftsraum. Für das Erledigen von Schulaufgaben ist dies schon ein Problem. Um für die Abschlussprüfung eine Präsentation zu erstellen, musste­ Solomon Yohannes Zimmermanns Computer nutzen.

Nun steht für den jungen Flüchtling die Berufswahl als nächster Lebensabschnitt an. Im BBZ hat er in die drei Berufsfelder Sanitär/Heizung, Kfz und Holztechnik reingeschnuppert. Letzteres oder Metallbau sind seine Favoriten. Vor der Veranstaltung hatte er Zimmermann gefragt: „Muss ich da hin?“ Im Nachhinein sagt Zimmermann: „Es war wichtig, dass er sich darauf eingelassen hat.“

von Silke Pfeifer-Sternke

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