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Vom Arbeitsplatz zum Naturdenkmal

Buch über Steinbruch Vom Arbeitsplatz zum Naturdenkmal

„Die Sendung mit Maus“ drehte dort. Auch der ADAC hatte ein Auge auf ihn geworfen. Am Samstag stellt Stefan Debus sein Buch über den Steinbruch „Kuhwald“ vor, der Rachelshausen ein Jahrhundert lang prägte.

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Autor Stefan Debus (vorne rechts) und seine Mitstreiter Robert Müller (links) sowie Bernd Müller (hinten links) und Walter Scheld präsentieren das druckfrische Buch.

Quelle: Michael Tietz

Rachelshausen. Druckfrisch ist es und mehr als 300 Seiten dick. Stolz hält Bernd Müller das Buch „Der Steinbruch Kuhwald Rachelshausen“ in den Händen. „Eine tolle Sache, jemanden zu haben, der sich so als Dorfchronist engagiert“, sagt der Ortsvorsteher mit einem anerkennenden Kopfnicken in Richtung Stefan Debus. Er ist der Autor des Werkes, das er zusammen mit dem „Festausschuss 675 Jahre Rachelshausen“ herausgegeben hat.

Mehrere Jahre Recherche stecken in dem Buch. Die Idee dazu entstand 2009. Damals starteten die Rachelshäuser mit den Vorbereitungen für ihr zwei Jahre später stattfindendes Jubiläumsfest. Dazu brachten sie eine Dorfchronik heraus. „Ich hatte dafür so viele Bilder vom Steinbruch bekommen, die konnte ich damals gar nicht alle in dem Buch unterbringen“, erinnert sich Debus. Vielleicht, so sein damaliger Gedanke, könnte er dieses „tolle Material“ einmal für ein eigenes Werk über den Steinbruch verwenden.

Nach der Dorfchronik nahmen Debus und der Festausschuss erst ein anderes Buchprojekt in Angriff: 2013 veröffentlichten sie die Schulchronik des Ortes. Ein Jahr später machte sich der Hobbyhistoriker ans Werk und widmete sich intensiv der Geschichte des Steinbruchs Kuhwald. „Der hat über mehr als ein Jahrhundert maßgeblich die Geschichte und das Leben der Menschen der Umgebung bestimmt und auch zum Wohlstand der Gemeinde Rachelshausen beigetragen“, erklärt Debus.

Präsentation

Der „Festausschuss 675 Jahre Rachelshausen“ lädt alle Interessierten für diesen Samstag, 4. November, ab 15 Uhr zur Buchpräsentation ins Dorfgemeinschaftshaus Rachelshausen ein. Zu Beginn gibt es Kaffee und Kuchen. Robert Müller wird einen kurzen Vortrag über „Aus Steine Brot“ halten, ehe Stefan Debus sein Buch „Der Steinbruch Kuhwald Rachelshausen“ vorstellt.

Zum Programm gehört eine Ausstellung von Bildern, Steinen und Arbeitsgeräten aus dem Steinbruch. Außerdem werden Filmsequenzen gezeigt, die einst im Steinbruch „Kuhwald“ aufgenommen wurden.

Im Anschluss ist ein gemütliches Beisammensein geplant. Würstchen und Kaltgetränke werden ebenfalls angeboten.

Vor Ort können die Besucher das neue Buch erwerben. Es werden zwei Varianten angeboten: das „normale“ Buch für 19,90 Euro und eine Sonderausgabe für 24,90 Euro, zu der ein besonderer Stein aus dem „Kuhwald“ gehört.

150 Exemplare wurden von dem Werk gedruckt, 50 davon sind für die Sonderedition gedacht. Das Buch ist auch nach der Präsentation bei Stefan Debus und Ortsvorsteher Bernd Müller erhältlich.

Vielschichtig und komplex sei die Historie. Die beginnt in den frühen 1880er-Jahren, als sich die ersten Handwerker bei den Findlingen auf dem gemeinde‑
eigenen Grundstück „Kuhwald“ bedienten. Der erste Pachtvertrag mit einer Firma wurde 1889 abgeschlossen. „Damit beginnt die dokumentierte Geschichte des Steinbruchs“, erklärt Debus. Der letzte Stein wurde im Winter 1995/96 abgefahren.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln näherte sich der Autor der Geschichte des Steinbruchs. Mit der Zeit wuchs das Buchprojekt stetig. Anfangs hatte sich der Rachelshäuser etwa 150 Seiten vorgenommen. Nun sind es 301 bedruckte Seiten im hochwertigen Hardcover-Format geworden – mit 390 Abbildungen: Fotos, Grafiken und Zeitungsausschnitte. „Für die Recherchen habe ich viele Quellen angezapft“, erklärt Debus. Eine große Hilfe seien ihm sein Freund Robert Müller, einst selbst Unternehmer im Steinbruch Rachelshausen, und sein Opa Horst Debus gewesen.

„Beide wurden nicht müde, mich zu unterstützen. Sie recherchierten immer wieder wertvolle Details“, lobt der Autor. Stefan Debus befragte weitere Menschen im Dorf und aus der Region, die ebenfalls einen Bezug zum Steinbruch haben. Außerdem sammelte er Bilder und blätterte in den Staatsarchiven in Marburg und Wiesbaden, in Bibliotheken sowie in Zeitungsarchiven ungezählte Seiten durch, auf der Suche nach nützlichen Informationen.

Im ersten Teil des Buches geht Debus in verschiedenen Zeitabschnitten detailliert auf die Geschichte des Steinbruchs ein. Weitere Kapitel sind dem Steintransport, dem Alltag eines Arbeiters und den Pulverhäusern gewidmet. „Die Arbeit im Steinbruch war der Broterwerb für viele Kleinbauern. Außerdem waren einige Rachelshäuser als Fuhrunternehmer im Einsatz und brachten sommers wie winters mit Pferdewagen die Steine zum Bahnhof nach Gladenbach“, erzählt Robert Müller. Bei Glatteis seien die Pferde mit „scharfen“ Hufeisen ausgerüstet gewesen.

Ins Fernsehen schaffte es der Steinbruch gleich in mehreren Beiträgen. So 1984, als ein Kamerateam des WDR anrückte und Szenen für „Die Sendung mit der Maus“ drehte. In dem Film ging es um die Herstellung eines Grabsteins. Die Bilder dazu hat Debus ebenfalls für das Buch zusammengetragen.

Schlagzeilen machte der Steinbruch Ende der 1980er-Jahre ein weiteres Mal, als der ADAC das Gelände für den Bau eines Sicherheitszentrums haben wollte. „Das Vorhaben hat für einige Auseinandersetzungen gesorgt“, weiß der ehemalige Ortsvorsteher Walter Scheld. Er hat dieses Thema für das Buch näher beleuchtet.

„Hätte noch fünf Jahre daran schreiben können“

Im zweiten Teil des Werkes geht Stefan Debus auf die Firmen ein, die im Steinbruch tätig waren. „Oft gab es zeitgleich Pachtverträge mit mehreren Firmen, die dann eng nebeneinander abgebaut haben“, berichtet der Autor. Da seien Konflikte nicht ausgeblieben.

Im letzten Abschnitt des Buches erfährt der Leser unter anderem, was aus dem Rachelshäuser Diabas hergestellt wurde. Dazu gehören Mauern, Pflaster, Denkmäler, Brunnen, Treppen, Verkleidungen und auch Kunstwerke. „Die Bottenhorner Kirche wurde mit Diabas aus Rachelshausen errichtet. Wir haben ,nur‘ eine Fachwerkkirche“, sagt Scheld mit einem Schmunzeln. Die denkmalgeschützte Kapelle in Rachelshausen ist allerdings schon fast 400 Jahre alt.

In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich der Steinbruch zu einem wichtigen Rückzugsort für Tiere und Pflanzen entwickelt. Mit dieser „kleinen Perle der Artenvielfalt“ beschäftigt sich ebenfalls ein Artikel.

Trotz dieser Vielfalt an Themen gebe das Buch nur einen Ausschnitt aus der Geschichte des Steinbruchs wieder. „Ich hätte auch noch weitere fünf Jahre daran schreiben können“, sagt Debus und freut sich mit seinen Mitstreitern auf die offizielle Präsentation des Werks.

von Michael Tietz

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