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Scharfe Sense verzeiht keine SMS

Sensenschule Römershausen Scharfe Sense verzeiht keine SMS

Klimaschutz, Fitnessstudio, Lebensretter – das Mähen mit der Sense hat viele Vorteile. Das zeigte Marion Klein beim Obst- und Gartenbauverein in Eisemroth interessierten Besuchern.

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Dr. Denise Emer gab Tipps zum sachgemäßen Gebrauch einer Sense.

Quelle: Katrin Weber

Eisemroth. „Das alte Handwerk – mit der Sense zu mähen – ist meine Passion geworden“, sagt Marion Klein. Die Regionalmanagerin des Naturparks Lahn-Dill-Bergland ist zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin. Als ausgebildete Sensenlehrerin gibt sie mit ihrer Sensenschule Römershausen Kurse.

Gemeinsam mit Dr. Denise Emer, Pomologin aus Baden-Württemberg, erklärt Klein in Eisemroth die Kunst des Sensens. Auf dem „Wolfsbusch“, einem Wildkräutergarten des Baumwarts Dieter Karle, fanden sie auf kleinem Raum unterschiedliche Strukturen vor – ideal, damit Laien den Umgang mit dem Werkzeug lernen.

Deutliche Worte gibt es von Klein an die elf Teilnehmer gleich zu Beginn: „Bitte nicht beim Mähen mit dem Handy­ spielen, SMS schreiben oder sonstiges. Die Sensen sind sauscharf.“ Die Mobiltelefone bleiben in den Taschen. Doch: Warum macht man bei einem Sensenkurs mit? Die eine will lernen, so mit der Sense umzugehen, dass die Spitze des Sensenblatts nicht im Boden landet. Ein weiterer will künftig das Gras höher werden lassen und Insekten ein Zuhause geben. Ein anderer hat als Kind diejenigen bewundert, die mit der Sense gemäht haben. Die nächste­ hat Interesse an altem Handwerk.

Die sanfteste und schonendste­ ­
Art, Gras zu mähen

Ein Sensenblatt, am besten geschmiedet, einen Sensenbaum, zwei Griffe, einen Wetzstein und einen Dengelamboss – mehr braucht es für das alte Handwerk nicht. Bei der Wahl des Blattes sollte die Grassorte berücksichtigt werden.

„Es gibt Sensenblätter für unterschiedliche Grassorten. Wir verwenden hier Grassensen, es gibt aber auch Getreide- und Brennnesselsensen, mit denen man Getreide und grobes Gestrüpp mäht“, erläutert Klein.

Die Arbeit mit der Sense sei die sanfteste und schonendste­ ­
Art, Gras zu mähen. „Wer die Mahd nutzen möchte, der hat auch das schönste Heu. Lose gemäht, lose gewendet und lose in die Scheune gebracht, ist das beste Heu“, sagt die Sensenlehrerin, weiß aber auch: „Für Leute, die eine größere Landwirtschaft haben, ist das so nicht möglich.“

Knappes Rennen zwischen Hand- und Motorsense

Vorteile gebe es noch einige mehr: Man habe keinen Lärm um sich herum und verbrauche nur die eigene Körperenergie. Dies erspare den Gang ins Fitnessstudio. „Außerdem könnte man auch sonntags mähen. Mähen mit der Sense ist ein ganz anderes Naturerlebnis“, beschreibt Klein das Plus: „Ich habe selber jahrelang mit einer Motorsense Zäune freigemäht und habe es gehasst von der ersten Minute an.“

Aber wie hoch sollte das Gras sein, wenn man es mit der Sense kürzen will? „Wenn ich Heu machen will, dann warte ich bis Mitte Juni. Vielleicht schaffe ich im September dann noch einen zweiten Schnitt. Auf einem Privatgrundstück ist da eher die Frage, wie hoch erträgt man das Gras, bevor man meint, man müsse mähen“, antwortet die Expertin.

Das Mähen mit der Sense dauere für Geübte nicht länger als mit der Motorsense: „Man kann das üben, und man wird dann auch immer schneller. Motorsense gegen Handsense – es gibt dafür tatsächlich Wettbewerbe. Und raten Sie mal: In den meisten Fällen hat der mit der Handsense gewonnen.“

von Katrin Weber

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