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Richter: Verkehrsrowdy war schuldunfähig

Aus dem Amtsgericht Richter: Verkehrsrowdy war schuldunfähig

Im April 2015 gefährdete ein 30-jähriger Cölber bei Gladenbach mehrere Verkehrsteilnehmer und führte einen Auffahrunfall herbei. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Straßenverkehrsgefährdung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr sowie Beleidigung und versuchte Körperverletzung von Polizisten vor. Freispruch wegen Schuldunfähigkeit lautete am Dienstag das Urteil des Marburger Amtsgerichts.

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„Er hat geglaubt, er ist Gott und der darf alles“, sagte der Gutachter vor Gericht über den psychischen Zustand eines Angeklagten.

Quelle: Martin Moritz / pixelio.de

Marburg. Laut Anklage fuhr der Mann am 29. April Mittags durch Mornshausen und überholte so rücksichtslos, dass nur der entgegenkommende Autofahrer einen Zusammenstoß verhinderte. Gleiches geschah fünf Minuten später auf der Bundesstraße 255 Richtung Marburg in einer Rechtskurve. Am späten Nachmittag desselben Tages, diesmal bei Runzhausen in Richtung Gladenbach, soll der Cölber mit Tempo 80 absichtlich auf ein langsamer fahrendes Fahrzeug aufgefahren sein.

Später sei er in einem Streifenwagen auf der Fahrt zur Polizeistation in Biedenkopf ausfällig geworden und habe einen Polizisten bespuckt. Mehrere Zeugen bestätigten die Vorwürfe. „Ich hatte das Gefühl, er fährt mir hinten drauf“, sagte einer von ihnen. Nach dem Auffahrunfall habe ihn der Angeklagte bedroht und beleidigt, berichtete der Geschädigte. Und ein zufällig hinzukommender Bundespolizist beschrieb den Cölber als aggressiv. „Es ist der ­Antichrist, er hat es verdient“, habe der Angeklagte zu seiner Motivation gesagt. Als wechselhaft in seiner Stimmung beschrieben ihn die Polizisten.

Angeklagter muss Therapie fortführen

Über seinen Verteidiger Sascha Marks ließ der Angeklagte erklären, dass es wohl so gewesen ist, auch wenn er sich nicht mehr erinnere. Wie Marks berichtete, litt sein Mandant unter einer akuten Psychose.

Ein psychiatrischer Sachverständiger kam zu dem Ergebnis, dass dem Mann die Einsichtsfähigkeit fehlte. „Er hat geglaubt, er ist Gott und der darf alles.“ Zudem habe er Stimmen gehört, die ihn zu seinem Verhalten aufforderten und es kommentierten. Zugleich, so der Psychiater, litt er unter Verfolgungswahn, was sein Verhalten beeinflusste.

Dieser Auffassung folgten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht unter Vorsitz von Richter Dominik Best. Positiv sei zu bewerten, dass der Angeklagte sich nun in Therapie befindet und medikamentös eingestellt ist, abstinent lebt, einen Arbeitsplatz hat und in ­einer festen Beziehung lebt. Als Auflage darf er seine Therapie nicht abbrechen. „Das werde ich für meine eigene ­Gesundheit sicher nicht tun“, beteuerte der Cölber.

Schuldfähig war er nach Überzeugung des Gerichts in einem weiteren Anklagepunkt. Gut ein halbes Jahr später lenkte er ohne Führerschein ein Auto. „Das war einfach nur doof“, gestand sich der Cölber ein. Eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 50 Euro sind die Folge. Einen neuen Führerschein darf er frühestens in 18 Monaten beantragen. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Heiko Krause

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