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Gericht lässt Handy auswerten

Missbrauchsprozess Gericht lässt Handy auswerten

Im Missbrauchsprozess 
gegen einen 36-jährigen Gladenbacher hat eine Zeugin in einem Chat
 behauptet, von dem
 Angeklagten vergewaltigt
 worden zu sein. Vor 
Gericht wollte sie davon nichts mehr wissen.

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Vor dem Landgericht Marburg muss sich ein 36-jähriger Gladenbacher wegen Missbrauchs verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Erst schien es nur ­eine kurze Vernehmung zu werden. An einem der letzten­ ­Verhandlungstage hatte eine­ Frau, die den Angeklagten auch einmal der Vergewaltigung ­bezichtigt hatte, behauptet, die 28-Jährige habe ihr gegenüber davon gesprochen, selbst Opfer zu sein. Als Schweigegeld hätte sie 2000 Euro erhalten.

„Das ist völliger Blödsinn, das Erste, das ich höre“. Mit dieser Antwort hätte sich die Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Wolf auch zufrieden gegeben, hätte Staatsanwalt Jonathan Poppe nicht dann den Ausdruck eines Chatverlaufs vorgelegt. Poppe wirft dem Gladenbacher vor, im Jahr 2000 eine­ damals Zwölfjährige schwer ­sexuell missbraucht zu haben. Zudem hat der Mann laut Anklageschrift im Februar dieses Jahres eine Frau in der Innenstadt geschlagen und mit einem abgebrochenen Flaschenhals im Gesicht verletzt. Und mit dem Exfreund dieser soll die jetzige Zeugin im September kommuniziert haben.

Der Ausdruck stammte von Nebenklägervertreter Ralf Alexander Becker, der die Information wiederum von seiner Mandantin hatte. Der Mann schrieb laut Ausdruck, dass der Angeklagte wegen dreifacher Vergewaltigung verurteilt werde.

„Sie sind dabei, sich richtig reinzureiten“

„Ja, er hat mich auch, 2008 dreimal“, lautete die Antwort. „Das habe ich nicht geschrieben“, sagte die Zeugin. Nach eindringlicher Erinnerung Wolfs zur Wahrheitspflicht behauptete sie, den Mann nur flüchtig zu kennen und er habe ihr das „einfach so geschickt“.

Das reichte weder Gericht noch den anderen Beteiligten. „Sie sind dabei, sich richtig reinzureiten“, sagte der Vorsitzende. „Und es gibt auch Leute, die wegen ihrer Lügen anfangen zu schwitzen“, ohne Fieber zu haben, sagte er zu der Angabe der 28-Jährigen. Ob das stimmte, will das Gericht von ihrem Arzt erfahren, den sie zu diesem Punkt von der Schweigepflicht entband.

Bis zum nächsten Verhandlungstag am 24. Oktober soll zudem ihr Mobiltelefon ausgewertet werden. Dann soll die Frau, ebenso wie der Ex-Freund der Nebenklägerin, erneut vernommen werden. Dieser war bereits entlassen, nachdem er wie zwei Rettungssanitäter die Wunden der Frau am Tattag beschrieben hatte. Die Ersthelfer berichteten von Schnitt- und Schürfwunden. Der Angeklagte bestreitet beide Taten. Seine Ehefrau hatte vor Gericht beteuert, ihr Mann sei am fraglichen Abend zu Hause gewesen. Wegen des mutmaßlichen Kindesmissbrauchs sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

von Heiko Krause

Einen Bericht zum vorausgegangenen Prozesstag lesen Sie hier.
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