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Auf große Reise mit Geld im Gepäck

Spendenaktion Auf große Reise mit Geld im Gepäck

2013 sah Meden Rink Bilder von Verwüstung, Toten, Verletzten und Obdachlosen. Der Taifun „Haiyan“ hatte die Stadt Tacloban zerstört. Seitdem sammelte die 63-Jährige Spenden und setzt 
Projekte vor Ort auf den Philippinen um.

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Die nächste Flugreise auf die Insel Leyte hat Meden Rink schon geplant. Am 3. Dezember sammelt sie während eines Aktionstages ­wieder Spenden und informiert über ihre aktuell umgesetzten Projekte auf den Philippinen.

Quelle: Sven Geske, Ricarda Schick

Weidenhausen. „Die Regierung hat uns im Stich gelassen, aber Gott hat uns einen Engel aus Deutschland geschickt“, schreibt Edmundo M. Merilo nach dem ersten Kontakt mit Meden Rink in einer E-Mail an ihren Ehemann Heinz-Dieter. Meden Rink tat nicht viel, doch viel mehr als andere. Sie sammelte Geld für die Flutopfer und sorgte dafür, dass der Betrag zu 100 Prozent der Bevölkerung in der Gemeinde MacArthur in der Provinz Leyte zugute kam.

Der Kontakt in die Region ergab sich zufällig. Im Katastrophenmonat November 2013 gastierte ein philippinischer Chor im Hinterland. Einer der Sänger stammte von dort, wo der Taifun „Haiyan“ weite Teile dem Erdboden gleichgemacht hatte. So bahnte sich eine enge Verbindung zwischen der Weidenhäuserin und den Bewohnern von MacArthur an, die von Dauer und von tiefer Verbundenheit geprägt ist.

Für Meden Rink (Archivfoto: Peter Piplies) ist es „schön, schön, schön“ zu helfen. Vier Monate nach der Katastrophe flog sie zum ersten Mal in die zerstörte Region – im Gepäck ­einen Koffer mit Spenden.

Seitdem reist Meden Rink einmal im Jahr für zwei bis drei Wochen über Manila nach Tacloban und gelangt schließlich in die Region Leyte. Dort lebt sie bei der Familie von Lehrer Edmundo M. Merli­ in MacArthur. Den Flug und ­ihren Lebensunterhalt finanziert sie aus eigener Tasche. Deshalb sind die Besuche nur von kurzer Dauer. „Mehr ist finanziell nicht drin“, sagt ihr Mann Heinz-Dieter, der – wenn er demnächst in Rente geht – seine Frau dorthin begleiten möchte. Meden Rinks Familie stammt aus dem Süden von Eamarienes, später hat sie auf der Insel Mindanao gelebt. 1985 heiratete die Philippinin den Weidenhäuser Heinz-Dieter Rink. Seither lebt sie im Hinterland.

Dort war für sie alles neu. Als sie das erste Mal nach MacArthur kam, war auch dort alles neu. Der Dialekt war fremd, die Umgebung ebenso und die sanitären Einrichtungen „mittelalterlich“. Letzteres­ hat sich nicht geändert – alles­ andere schon: Aus Fremden sind Freunde geworden und die Gegend ist so vertraut, dass Meden Rink kein Heimweh plagt, wenn sie dort kleine Hilfsprojekte umsetzt.

Die Weidenhäuserin hat dafür gesorgt, dass Obdachlose wieder ein Dach über den Kopf haben, kaufte eine Motorsäge, einen Wasserbüffel für die Feldarbeit und investierte Spendengeld in den Aufbau der Landwirtschaft: unter anderem in den Anbau von Süßkartoffeln, Bananen und Erdnüssen.

„Wunschliste“ steht am Ende der Dank-E-Mail

Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto von Familie Rink. Mit der Motorsäge werden zum Beispiel Bäume gefällt, die zum Bau von Hütten benötigt werden. Die Dorfbewohner nutzen sie außerdem für Lohnarbeiten in anderen Dörfern. In MacArthur wird die Motorsäge hingegen kostenfrei für die Bewohner eingesetzt. „Das war Voraussetzung“, sagt Meden Rink. Dass was die Menschen an Lebensmitteln anbauen, aber nicht selbst verbrauchen, verkaufen sie auf Märkten. Ein doppelter Gewinn für die Dorfbewohner.

Eine wichtige Investition in Höhe von 500 Euro floss jüngst in den Bau eines Friseursalons in der örtliche Schule, die knapp 1700 Schüler besuchen. „Die Schule und ihre Schüler können der Hilfe, die Sie geleistet haben, nicht genug danken“, schreibt Edmundo M. Merli in seiner jüngsten E-Mail an Heinz-Dieter Rink. Und er fügt noch eine Wunschliste an: Die Schule benötige elektrische Ventilatoren, Computer und Sportgeräte.

Meden Rink wird nächstes Jahr wieder nach MacArthur reisen und wieder wird sie Geld im Gepäck haben. Am Samstag, 2. Dezember, wird im Lerchenweg 7 im Gladenbacher Stadtteil Weidenhausen bei Familie Rink im Vorgriff auf den Nikolaus-Tag gefeiert mit Glühwein und philippinischen Spezialitäten, und es werden wieder Spenden gesammelt.

Ab 17 Uhr informieren Rinks zudem über den aktuellen Stand der geleisteten Hilfe vor Ort. Anhand von Bilder zeigen sie, in welche Projekte die Spenden geflossen sind, zum Beispiel in den Bau einer Wasserleitung oder in den Kauf von Gummistiefeln, damit die Bevölkerung die Monsunzeit trockenen Fußes überstehen kann.

„Die Dankbarkeit der Menschen entschädigt uns für alles“,­ sagt Meden Rink. Ihr Mann ist stolz auf ihren Einsatz. „Sie macht das alles ganz ­allein“, sagt er. Vor Ort kauft sie die Dinge, die am dringendsten benötigt werden. Sie weiß, dass ihr Einsatz mit dem nächsten Flug auf die Philippinen noch nicht beendet ist. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Meden Rink.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
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