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Vortrag Suche nach Gespür für Gerechtigkeit

Während eines Vortrags von Manfred Lütz über „Die Werte, die Wahrheit und das Glück“ war die katholische Kirche in Gladenbach mit knapp 400 Besuchern gut gefüllt.

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Spricht mit dem ihm eigenen Humor über Werte, Wahrheit und das Glück: Manfred Lütz in Gladenbach.

Quelle: Peter Piplies

Gladenbach. Die Frage nach der Existenz Gottes beschäftigt die Menschheit seit jeher. Auch Manfred Lütz. Der 1954 in Bonn geborene Referent ist nicht nur Mediziner und römisch-katholischer Theologe.

Lütz ist bekannt als Schriftsteller und von diversen Fernsehauftritten. Zu seinen Markenzeichen gehören der Humor, mit dem er auch schwierige theologische Sachverhalte auflockert sowie seine einfache Sprache, die auch ein „Metzger verstehen können muss“.

Gleich zu Beginn seines zweistündigen Vortrags gab es davon ein paar Kostproben, als er seine Zuhörer als katholische Gläubige in ihrer Hinterländer Diaspora ansprach. Außerdem bedauerte Lütz als „linksrheinischer Kulturträger“, dass die Römer es nicht einmal mit Waffengewalt geschafft hätten, etwas Kultur in das rechtsrheinische Germanengebiet zu bringen, wozu – neben Düsseldorf – auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf gehöre.

Lütz: Eltern sind oftmals keine Vorbilder für Kinder

Die grundsätzliche Frage eines jeden Christen und religiösen Menschen ist Lütz zufolge die Frage nach Gott. Denn wenn es Gott nicht gäbe, wären alle Bemühungen der Christen vollkommener Blödsinn, sagte der Referent. Für Lütz steht jedoch fest, dass es einen Gott gibt und dass das Christentum und seine Heilsgeschichte der Menschheit viel Gutes gebracht haben – trotz Kreuzzügen und anderer Gewalttätigkeiten im Namen des christlichen Gottes.

Daher bedauert der Mediziner und Psychologe, dass die Gottesfrage heutzutage selten gestellt werde. Weder in der Öffentlichkeit noch in den Familien würden christliche Werte­ vermittelt, sagte Lütz. Eltern überließen ihren Kindern die Entscheidung für eine Religion und seien auch in anderer Hinsicht keine Vorbilder. Denn wenn sich Vater und Mutter „im Beruf gnadenlos durchzusetzen versuchen“ und über die Nachbarn herziehen, bleibe das Vorbild für soziales Engagement auf der Strecke und der Wert des Geldes werde zum wichtigsten Kriterium.

Doch das Glück mit Geld zu erkaufen oder selbst zu machen, scheine nicht zu funktionieren, sagte Lütz. Denn während man in Deutschland „lebt, um zu arbeiten“, zeigten Befragungen, dass die glücklichsten Menschen in Bangladesch leben – einem Land, dessen Bewohner wahrlich nicht zu den Reichsten gehörten. Doch die Männer und Frauen in Bangladesch lebten in einem Land, in dem sie sich geborgen fühlten und eine sinnvolle Welt hätten, sagte Lütz. Das ähnele der Welt von Kindern, die ihre Umgebung nicht nach ökonomischen Kriterien bewerten, sondern ganzheitlich und unmittelbar wahrnehmen. Daher „reichen Kinder noch nach der Hand Gottes“, der nach christlich-jüdischer Auffassung die Welt aus dem Nichts erschaffen hat.

Was bringen Fitnesswahn und gesunde Ernährung?

Für die meisten Erwachsenen existiere jedoch nur das Diesseits. „Das eigentliche Leben findet zwischen 18 und 28 Jahren statt.“ Davor wolle jeder älter aussehen und ab 28 beginne der „luxuriöse Niedergang“. Dabei sei jeder Tag „unwiederholbar“, auch wenn jeder versuche, soviel Geld und Glück in seinem irdischen Leben anzusammeln.
Das Streben nach Geld und irdischem Glück sei nur folgerichtig, wenn es kein Jenseits, kein Leben nach dem Tod und keine göttliche Instanz gibt. Für Atheisten sei jede Moralität vollkommen unvernünftig, sagte Lütz. Doch Menschen hätten ein Gespür für Werte und Gerechtigkeit, was auf ein tiefgründiges Bewusstsein einer überirdischen Instanz verweise.

Während für die Menschen im Mittelalter der Tod ein Durchgang zum Jenseits gewesen sei, versuchten heutige Zeitgenossen durch Fitnesswahn oder gesunde Ernährung das Leben zu verlängern. Was sie jedoch erreichten, seien dann „drei Monate länger als Demenzkranker in einem Altenheim“, attestierte­ Lütz. Daher werde es endlich Zeit, das Leben im Diesseits zu genießen und sich den Fragen nach dem Jenseits nicht mehr zu verschließen.

Manfred Lütz leitet seit 1997 das Alexianer-Krankenhaus in Köln – ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie sowie Neurologie. Mit seinen Vorträgen ist er in der gesamten Bundesrepublik unterwegs.

von Peter Piplies

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