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Ein Amt voller Überraschungen

Kirschenkönigin Gladenbach Ein Amt voller Überraschungen

Gewinnen? Daran verschwendete Selina Schmidt keinen Gedanken, als sie vor einem Jahr bei der Wahl zur Kirschenkönigin antrat. Die 17-Jährige zieht ein positives Fazit ihrer Amtszeit, die am Freitag endet.

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Kirschenkönigin zu sein, hat auch viele traditionelle Anknüpfungspunkte, wie zum Beispiel das Aufsetzen des „Diadems“. Auch Selina Schmidt wurde es von Vorgängerin Katharina Alena Becker ans Haupt angepasst.

Quelle: Michael Hoffsteter

Gladenbach. „Eigentlich war ich auf das Amt gar nicht vorbereitet“, gesteht Selina Schmidt. Eher zufällig trat sie im vergangenen Jahr bei der Wahl zur Kirschenkönigin an. Ihre beste Freundin Elena Bodnarescu überredete sie dazu. Nur ihr zuliebe machte die junge Mornshäuserin mit, erlebte so zum ersten Mal überhaupt eine Kirschenkönigin-Wahl – und gewann sie gleich. Ihre Freundin wurde Dritte.

„Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wusste deshalb auch nicht, was mich in diesem Jahr erwartet“, erzählt die 17-Jährige. Etwas naiv sei das schon gewesen, gibt die Schülerin selbstkritisch zu.

„Man sollte nur mitmachen, wenn man auch wirklich Lust dazu hat und die Aufgabe ernst nimmt“, betont Selina Schmidt. Ansonsten werde das Ganze ins Lächerliche gezogen. Und das habe dieses traditionelle Amt nicht verdient, so die Regentin. Schließlich gibt es seit 1950 eine Kirschenkönigin in Gladenbach. In den vergangenen zwölf Monaten habe sie „viel Überraschendes“ als Repräsentantin der Stadt erlebt. Meist seien dies positive Begebenheiten gewesen. Nur wenige Auftritte hätten ihr nicht gefallen.

„Das war schon aufregend“

Als Highlight stellt die Kirschenkönigin das Treffen mit dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier heraus. „Ein netter Mensch“, erinnert sich Selina Schmidt nach ihrem ersten Besuch in Wiesbaden. Bouffier lädt jedes Jahr die rund 100 hessischen Hoheiten ins Biebricher Schloss ein.

„Das war schon aufregend unter so vielen Würdenträgern“, erzählt die 17-Jährige. Und auch ein wenig anstrengend. Denn bis die Kirschenkönigin an der Reihe war und gut fünf Minuten lang mit Bouffier und dessen Frau Ursula plauderte, musste sie einige Zeit geduldig stehen – in Schuhen mit hohen Absätzen. Ein besonderes Erlebnis war auch die Gladenbacher Tanzgala. „Tango und Walzer sind nun gar nicht mein Ding, aber das hat doch viel Spaß ­gemacht“, sagt Selina Schmidt. Die sportlichen Leistungen der Tanzpaare und die Stimmung bei dem Standard-Turnier hätten sie beeindruckt. Sehr angetan war sie auch von der Tanzshow der Kinder beim Seniorennachmittag wenige Stunden zuvor.

Unvergesslich sei selbstverständlich der Kirschenmarkt gewesen. „Das ist schon sehr aufregend, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen“, erzählt die Regentin. Zwar habe es auch einige „blöde Bemerkungen“ von Besuchern gegeben. Doch die schönen Momente überwogen.

Besonders gerne erinnert sie sich an die vielen Begegnungen mit Kindern. „Wenn dich die Kleinen bewundernd anschauen und ein Foto mit dir machen möchten, ist das ein schönes Gefühl“, berichtet die Mornshäuserin. Beim Festzug sei ihr dann doch ein wenig mulmig zumute gewesen. Das lag an den tierischen Nebendarstellern, die den Wagen der Kirschenkönigin ziehen. „Die Pferde waren etwas bockig, ich wäre fast vom Thron gerutscht“, erzählt sie schmunzelnd. Nicht so toll fand sie hingegen einige Seniorennachmittage. Das lag vor allem an dem – für Jugendliche – wenig interessanten Programm. Aber auch solche Veranstaltungen würden nun einmal zum Amt gehören.

„Du lernst, auf Menschen zuzugehen“

Egal bei welchem Auftritt – nervös sei sie stets, wenn sie vor vielen Menschen eine kleine Begrüßungsrede hält. „Das hat sich zwar ein bisschen gelegt, aber mein Herz pocht immer noch heftig und oft verspreche ich mich auch“, erzählt Selina I. Anfangs habe sie sich für ihr Grußwort ein paar Stichpunkte notiert, später redete sie „einfach frei raus“. „Das wirkt nicht so gestellt“, sagt die 17-Jährige.

Etwas selbstbewusster sei sie in den vergangenen Monaten geworden. „Du lernst, auf Menschen zuzugehen“, erzählt die Kirschenkönigin. Genau das rät sie auch ihrer Nachfolgerin: offen für Neues sein und sich nicht verstellen. „Und man sollte zuverlässig sein, das war ich leider selbst nicht immer“, gibt sie zu.
Mit Schule oder Beruf lässt sich die Amtsausübung in der Regel gut verbinden, meint auch die Mornshäuserin, die die Kaufmännischen Schulen in Marburg besucht und nach den Sommerferien eine Ausbildung beginnt. Die eigenen Freizeitaktivitäten würden ebenfalls nicht allzu sehr unter dem Amt leiden.
Stolz ist sie auf die Unterstützung von Familie und Freunden. Ihr größter Fan ist wohl ihre elfjährige Schwester. „Sie hat sogar mit mir angegeben. Ich glaube, sie wird irgendwann auch einmal bei der Wahl mitmachen“, erzählt Selina Schmidt.

Zwei wichtige Aufgaben hat sie als Kirschenkönigin noch: Am 29. Juni eröffnet sie den 180. Kirschenmarkt, einen Tag später krönt sie ihre Nachfolgerin. Danach will sie den Kirschenmarkt als Privatperson genießen. „Darauf freue ich mich schon sehr“, sagt sie.

von Michael Tietz

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Kirschenkönigin Gladenbach
Das Objekt der Begierde wird am Freitag, 30. Juni, im Festzelt vergeben: die Krone der Kirschenkönigin. Archivfoto: Michael Hoffsteter

Der Anmeldeschluss ist vorbei. Die Kandidatinnen stehen fest. In einer Woche wählen die Besucher des Kirschenmarkts aus einem halben Dutzend Bewerberinnen ihre Kirschenkönigin.

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