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Regelmäßige Stiche bauen Schutz auf

Hyposensibilisierung Regelmäßige Stiche bauen Schutz auf

Wie allergischen Reaktionen auf Bienen- und Wespenstiche vorgebeugt werden kann, hat der Leiter der Allergologie und Dermatologie an der Universität Marburg Mitgliedern des Kreisimkervereins erläutert.

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Menschen wie Imker, die öfter von Bienen gestochen werden, erfahren dadurch eine Art Impfschutz.

Quelle: Nature.Picture / Pixelio

Holzhausen. Das Stichwort lautet Hyposensibilisierung. Menschen, die allergisch auf das Insektengift reagieren, wird dazu über einen längeren Zeitraum jeweils eine kleine Dosis des Giftes injiziert, so dass die körpereigene Immunabwehr einen entsprechenden Schutz aufbauen kann.

In seinem Vortrag beim Kreisimkerverein erklärte Professor Wolfgang Pfützner: Entscheidend für den Schutz sei die kumulative Menge des Gifts, das sich im Körper befindet: Je mehr, desto besser, sagte der Leiter der Forschungslabors für klinische experimentelle Allergologie und Dermatologie an der Marburger Uni.

Zwar bestehe schon nach vier bis acht Wochen der Behandlung ein erster Schutz, dieser verfliege aber schnell wieder, wenn nicht weiter behandelt werde. Pro Spritze wird den Patienten 100 Mikrogramm Bienengift injiziert, was in etwa der Menge von ein bis zwei Stichen entspricht. Bei wem das nicht ausreicht, dem könne auch die doppelte oder sogar vierfache Menge verabreicht werden, betonte der Mediziner.

Die Sensibilisierung dauert drei bis fünf Jahre, wobei die Teilnehmer alle vier bis sechs Wochen eine Immuntherapie-Spritze erhalten. Normalerweise halte die Immunität gegen das Insektengift danach ein Leben lang, sagte Pfützner (Foto: Valentin). Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass bei fünf bis sieben Prozent der Betroffenen der Immunschutz nach etwa zehn Jahren verfliegt.

Dann müsse er neu aufgebaut werden. Und auch wer starke Reaktionen auf das Gift zeigt, etwa bis hin zum Kreislaufstillstand, dem riet Pfützner, die Therapie lebenslang fortzuführen.

Ganz praktisch betrachtete die Ausführung des Mediziners Imker Karl Dieter Müller aus Angelburg. Er wollte wissen, ob es ­einer Hyposensibilisierung gleich komme, wenn ein Imker regelmäßig gestochen werde. Das sei tatsächlich so, bestätigte Professor Pfützner. Blutuntersuchungen von Imkern hätten gezeigt, dass umso mehr Schutz gegen das Gift besteht, je öfter die betroffenen Personen gestochen wurden. Ein verlässlicher Schutz setze jedoch regelmäßige Stiche der Bienen voraus, ergänzte der Mediziner.

Eine weitere Frage, auf die Pfützner in seinem Vortrag einging, war die, ob Bienenhonig bei der Hyposensibilisierung gegen Pollenallergie helfen kann. Dazu gebe es eine Studie, die belege, dass Pollenallergiker weniger Symptome zeigen, wenn der Honig, den sie essen, mit Birkenpollen angereichert ist. Sowohl Günter Raab als auch Rudi Schäfer, beide vom Kreisvorstand der Bienenzüchter, bestätigten diese Wirkung. Raab berichtete sogar von ­einem Heuschnupfen-Allergiker, der Imker geworden sei, weil er gemerkt habe, dass ihm der Honig hilft.

Naturhonig kann
 Heuschnupfen vorbeugen

„Jeder naturbelassene Honig beinhaltet heimische Pollen“, erklärte Raab. Das Prinzip ist also ein ähnliches wie bei der Hyposensibilisierung: Die Betroffenen nehmen kleine Mengen des Allergens zu sich, und so kann der Körper einen Schutz dagegen aufbauen.

Allerdings gebe es das Problem, dass die Industrie den Honig filtere, gab Rudi Schäfer zu bedenken. Dadurch verliere der industriell hergestellte Honig seine antiallergene Wirkung. Nur bei eigener Herstellung durch heimische Imker könnten die Kunden sicher sein, naturbelassenen Honig zu bekommen.

Theoretisch wäre es sogar möglich, den Honig zusätzlich mit Pollen anzureichern, um die Wirkung zu verstärken, sagte Schäfer. Dabei müsse jedoch darauf geachtet werden, dass die Konzentration nicht so hoch wird, dass sie eine allergische Reaktion hervorruft, gab Professor Pfützner zu bedenken.

von Sascha Valentin

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