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Bruno Hercher geht in Rente

Gladenbachs Marktmeister Bruno Hercher geht in Rente

Eine Institution war auf dem Krammarkt ein 
letztes Mal in amtlicher Funktion tätig. Ab 2018 ist Marktmeister Bruno 
Hercher dort nur noch 
privat anzutreffen.

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Bruno Hercher (links) verabschiedet sich von Abacus-Händler Frederic Folberth. Sie kennen sich seit 20 Jahren.

Quelle: Ingrid Lang

Gladenbach. Am Kirschenmarkt-Freitag fährt Bruno Hercher mit seiner roten Vespa gegen 5 Uhr von Mornshausen/S. nach Gladenbach. Um 5.30 Uhr ist Arbeitsbeginn. Seine erste Amtshandlung: prüfen, ob geparkte Autos die gekennzeichneten Flächen der Krammarkt-Aussteller blockieren.

Diesmal wird er einmal fündig. Über das Kennzeichen versucht er, den Halter ausfindig zu machen, ohne Erfolg. Abschleppen ist unmöglich, weil ein Anhänger vor dem Auto steht. Also greift Plan B. Der Aussteller positioniert seinen Stand vor dem Falschparker.

In diesem Fall weicht Hercher einmal von seinem Grundsatz ab, dass der Lauf gewährleistet ist, sprich, dass sich die Front der Stände in einer Linie aufreihen wie eine Perlenkette. Auch der Autofahrer hat Pech. „Er kann sein Auto erst holen, wenn der Markt rum ist“, sagt Hercher.

Hercher führte 1991
 zwei Neuerungen ein

Für Hercher ist es ein ganz besonderer Tag, sein letzter als Marktmeister des Krammarktes. Seit 1990 organisiert er den Markt, kontrolliert, ob alles seine Richtigkeit hat, und kassiert die Standgebühr. Anfangs ging er von Stand zu Stand. Doch der Markt wurde immer größer – heute sind es rund 200 Händler, die in der Ringstraße, der Ferdinand-Köhler-Straße und der Karl-Waldschmidt-Straße einen Platz einnehmen. Hercher führte deshalb ein Jahr nach seiner Benennung zum Marktmeister die Vorauskasse ein.

Ausprobiert hat er die Funktionalität am Brunnenmarkt, den er im Oktober auch ein letztes Mal organisiert. Zudem setzte er einen Vertrag auf, der zwischen dem Magistrat und dem Händler geschlossen wird. Grund für die zwei Neuerungen war, dass Hercher zu Beginn seiner Tätigkeit gleich eine Pleite erlebt hat: angemeldete Händler sind nicht aufgetaucht und die Plätze blieben leer. Das geht nach Herchers Auffassung gar nicht – schließlich hat die Stadt Gladenbach einen Ruf zu verlieren. Mittlerweile ist der Markt so gut, dass sich Hercher über mangelnde Nachfrage nicht beklagen kann.

Glückliches Händchen bei der Auswahl

Ein Händler ist am Freitagmorgen vom Pech verfolgt. Er ist dreieinhalb Stunden zu spät am Ziel. Für Hercher kein Grund, ihn wieder Heim zu schicken. Er findet einen Platz für ihn. Weitere Händler hoffen auch auf so viel Glück. Noch bevor der Krammarkt öffnet, stehen sie parat, um freie Plätze einzunehmen. „Sie kommen auf gut Glück“, sagt Hercher.

Bei der Auswahl der Händler beweist Hercher ein glückliches Händchen. Er achtet penibel auf ein ausgewogenes Warensortiment. Dazu sichtet er alle Bewerbungen und wählt dann aus, welches Angebot passt, damit den Besuchern Vielfalt geboten wird.

Was nie fehlen darf sind Verkaufsstände mit Kirschen. Ein Kirschenstand ist auch am Samstag und Sonntag gegenüber dem Zelteingang positioniert, weil die Kirschen Namensgeber des viertägigen Festes sind. Auch erhalten Stammhändler stets ihren angestammten Platz. So auch Marianne Werthmann aus Bergisch Gladbach. Sie kommt seit zehn Jahren nach Gladenbach, vorher hat sie ihre Mutter Elisabeth begleitet.

Genauigkeit gefragt

Sie hat den Standplatz mit der Nummer 1 gegenüber dem Festzelt in der Ringstraße. Hercher kennt die Händlerin seit Jahren und sie weiß seine Bemühungen zu schätzen. Er sei schon da, wenn sie anreist und er kümmere sich darum, dass die Stellflächen frei sind. Auch sonst kann sie sich nicht beschweren: „Ich bin immer mit ihm klargekommen“, sagt Werthmann.

Auch mit Abacus-Händler Frederic Folberth ist Hercher seit 20 Jahren bekannt. Wenn es nach Folberth ginge, könnte Hercher weitermachen. Diesen Satz, so oder so ähnlich, hört Hercher am Freitagmorgen auf seinem Rundgang immer öfter. Speziell für seinen letzten „Krammarkt-Auftrag“ hat sich Hercher deshalb ein 
T-Shirt drucken lassen, mit dem er sich augenscheinlich von all seinen langjährigen Markt-Bekanntschaften verabschiedet.

Einige Tage vor dem Kirschenmarkt zeichnet Hercher mit gelber Ölkreide die Standflächen ein. Dabei ist Genauigkeit gefragt. Wenn zwei bis drei Meter fehlen, gibt es Probleme. Mittlerweile ist es allerdings mit der Ölkreide wie bei ihm: Ein Ende ist in Sicht. Während für die Kreide ein neuer Anbieter gesucht werden muss, weil sich der Bestand dem Ende neigt, ist mit Doreen Oerlecke bereits Herchers Nachfolgerin benannt. Sie und Hercher teilen sich bis Ende November ein Büro in der Stadtverwaltung. Dann geht Hercher in den Ruhestand und Oerlecke tritt in seine Fußstapfen als Marktmeisterin.

Nach fast drei Jahrzehnten ist Schluss

Neben seiner Funktion als Marktmeister ist der gebürtige Gladenbacher auch als Ordnungspolizist für die Verwaltung tätig. Zudem übernimmt er Geschwindigkeitsmessungen und organisiert den Wochenmarkt, der auf dem Marktplatz stattfindet.

Der gelernte Bürokaufmann wechselte als Quereinsteiger in die Verwaltung. Als Marktmeister wurde er „ins kalte Wasser geworfen“. Trotzdem war und ist es ihm eine besondere Ehre. Schon als Kind war der Kirschenmarkt für ihn etwas Besonderes. Herchers haben am Schloss gewohnt und die Musik drang bis nach oben.

Als Marktmeister hat Hercher „nie Langeweile gehabt“. Mit der Organisation des Krammarktes ist er gut sechs Wochen beschäftigt. Es ist sprichwörtlich wie mit Wahlen: Nach dem Krammarkt ist vor dem Krammarkt – heißt: Es gibt nach jedem eine Nachbesprechung, um zu prüfen, was anders oder besser laufen muss. Als der Arbeitstag am Freitag rum ist, freut sich Hercher. Er hat viel geredet und ist viel gelaufen. Dies wird er im nächsten Jahr wohl auch tun, allerdings besucht er dann als „normaler“ Krammarkt-Gänger seine alten Bekannten.

von Silke Pfeifer-Sternke

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Kirschenmarkt Gladenbach
Nicht nur bei der Wahl der Kirschenkönigin im Festzelt tobten die Massen. Foto: Michael Hoffsteter

Gut bis sehr gut lauten die Wertungen der am Gelingen des Kirschenmarkt 2017 beteiligten Organisatoren, Händler und Rummelplatzbetreiber.

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