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Erste Schritte auf dem Eis

Gladenbacher Flüchtlingshilfe Erste Schritte auf dem Eis

Einen kalten, aber unvergesslichen Tag haben jetzt die Flüchtlinge aus Gladenbach in Marburg erlebt. Dort waren sie zu Gast im Eispalast und viele von ihnen standen das erste Mal in ihrem Leben auf Schlittschuhen.

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An zwei Tagen waren die Gladenbacher Flüchtlingshelfer mit fast 40 Flüchtlingen im Eispalast in Marburg zu Gast.

Quelle: Sascha Valentin

Marburg. Anfangs hätten ihr schon ein wenig die Nerven geflattert, ob alles gut gehen würde, gab Insa Willms zu, die den Ausflug organisiert hatte. Aber am Ende sei im wahrsten Sinne des Wortes alles glatt gelaufen und sie habe selten so viele fröhliche und lachende Gesichter gesehen, wie an diesem Tag.

Die Flüchtlinge hätten riesigen Spaß daran gehabt, über das Eis zu gleiten und dabei an ihren eigenen Fertigkeiten zu feilen. Denn was Winter ist, wissen sie freilich, aber auf einer Schlittschuhbahn hat kaum einer von ihnen je gestanden.

Entsprechend staksig sahen auch die ersten Gehversuche auf Schlittschuhen aus. Und auf der Eisfläche suchten die meisten erst einmal Halt an den Stütztieren, die dort für Neulinge auf dem Eis bereitstanden. „Aber sie haben sich auch wunderbar gegenseitig geholfen, sich gestützt und Halt gegeben“, sagte Insa Willms.

Erfahrungen entschädigen für die Mühen

Genau darauf habe sie gehofft. Denn der Ausflug sollte in erster Linie dazu dienen, das Gemeinschaftsgefühl der Flüchtlinge aus den verschiedenen Unterkünften zu stärken. Das habe toll funktioniert, sagte die Gladenbacherin. „Wenn es einmal bei einem nicht weiterging, dann waren die anderen zur Stelle und haben ihm geholfen“, berichtete Insa Willms.

Solche Erfahrungen entschädigten dann auch für die Mühen der Vorbereitung im Vorfeld. Eine Woche lang habe sie sich um die Organisation dieses Termins gekümmert, so Willms. Immerhin mussten auch Fahrer gefunden werden, die an diesem Tag Zeit hatten, die Teilnehmer nach Marburg zu bringen. „Zwei kleine Busse und vier Privat-Pkw haben wir zusammenbekommen“, freute sich Willms über die Unterstützung.

Feysal fand 
im Eispalast Arbeit

Und auch Eispalast-Betreiber Adi Ahlendorf habe ihnen unter die Arme gegriffen, ergänzte sie. „Er hat jedem der Flüchtlinge eine Portion Pommes und ein Getränk spendiert.“

Besonders gefreut hat Insa­ Willms und ihre Helferschar aber, dass neben den derzeitigen Bewohnern der Unterkünfte in der Bahnhofstraße und Kreuzstraße auch einige ehemalige mitgekommen waren, die zwischenzeitlich schon ­eigene Wohnungen gefunden haben. Das sei auch ein Ausdruck des Danks an die Flüchtlingshelfer und des Zusammenhalts, betonte Willms.

Im Eispalast gab es dann sogar noch ein Wiedersehen mit einem der ehemaligen Hausbewohner, der selbst nicht aufs Eis ging, aber dafür sorgte, dass die anderen Spaß dabei hatten. Feysal war als Flüchtling nach Gladenbach gekommen und hatte in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kreuzstraße gewohnt. Im Eispalast war er auf Minijob-Basis beschäftigt und teilte die Schlittschuhe an die Besucher aus.

Insgesamt gut 20.000 Besucher

Der zwölfte Eispalast am Marburger Aquamar hat seine Tore mittlerweile geschlossen. Mehr als sechs Wochen nutzten große und kleine Eislaufbegeisterte die Gelegenheit, sich dem Wintervergnügen zu widmen. „Der Marburger Eispalast ist eine ganz besondere Winterattraktion in der Region und darüber hinaus“, betonte Bürgermeister Dr. Franz Kahle. „Alt und Jung, und alle Nationalitäten waren hier“, freute sich auch Betreiber Adi Ahlendorf. Ein voller ­Erfolg sei das erstmals angebotene Eislaufen für Rollstuhlfahrer gewesen.

Zum siebten Mal führte die Jugendförderung Marburg am letzten Tag des Eispalastes mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Eisshow auf. Dabei wurden verschiedene Lieder zum Thema „Tanzen“ auf dem Eis interpretiert. Die Jugendförderung blickt zufrieden auf die Saison zurück: Mehr als 1080 Schüler aus 19 verschiedenen Schulen aus Marburg, Herborn, Stadtallendorf, Kirchhain, Wohratal, Ebsdorfergrund, Biedenkopf und Amöneburg hatten sich zu den unterschiedlichen Angeboten angemeldet.

Dazu­ kommen noch diverse Kinder- und Jugendgruppen und über 250 Kinder, die im Rahmen von Ferienbetreuungen den Eispalast in der ersten Januarwoche besuchten. Nach einer ersten Schätzung haben in diesem Jahr mehr als 20.000 Besucher das Angebot des Eispalastes genutzt. Wobei der Busstreik in der vergangenen Woche auch Auswirkungen auf die Besucherzahlen hatte.

von Sascha Valentin

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