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Ein Plädoyer für Inklusion

Lebenshilfewerk Ein Plädoyer für Inklusion

Die Sozialpädagogin Dr. Maria Lüttringhaus hat sich vor 170 Mitarbeitern des Lebenshilfewerkes Marburg-Biedenkopf für einen Paradigmenwechsel in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung ausgesprochen.

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Dr. Maria Lüttringhaus forderte Mitarbeiter des Lebenshilfewerkes auf, Menschen mit Behinderung mehr in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Quelle: Sascha Valentin

Gladenbach. Anstatt künstlich Sozialräume zu gestalten, sollten Betroffene lieber unterstützt werden, sich vorhandene Sozialräume selbst zu erschließen. Das fordert Dr. Maria Lüttringhaus aus Essen. Gesellschaftliche Ressourcen müssten für Menschen mit Behinderung besser nutzbar zu machen sein. Nichts anderes als das stecke hinter dem oft gebrauchten Begriff der Inklusion, erklärte die Sozialpädagogin im Gladenbacher Haus des Gastes. An ­ihrem Seminar nahmen Mitarbeiter des Lebenshilfewerkes aus dem gesamten Landkreis teil.

Anhand konkreter Einzelfälle zeigte die Expertin auf, dass den Betroffenen mehr Mitbestimmungsfreiheiten eingeräumt werden sollten. Der Frage nach einer Gefährdung der Menschen mit Behinderung im Straßenverkehr stehe etwa die Frage gegenüber, welches Recht ­
eine betreuende Einrichtung habe, sie nicht am normalen Straßenverkehr teilhaben zu lassen. Der Schutz der Betroffenen stehe an dieser Stelle deren Wünschen und Selbstverwirklichung gegenüber. Hier müsse am Einzelfall entschieden werden, welcher Seite Priorität eingeräumt werde.

Als ein weiteres Beispiel führte Lüttringhaus die Beteiligung der Menschen mit Behinderung an Dienstbesprechungen an, wenn es etwa darum gehe, wie diese sich ihren Tagesablauf vorstellten. Anstatt ihnen ein Angebot vorzusetzen, das sie nicht mögen, sei es sinnvoller, mit ihnen über ihren gewünschten Tagesablauf zu verhandeln und sie in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, sagte Lüttringhaus.

„Wir wollen Mitarbeitern Mut machen“

Solche gegenseitige Vereinbarungen zu treffen, entlaste auch die Mitarbeiter und könne ihnen Mut machen, auch einmal Neues zu wagen. Die Referentin machte deutlich, wie viel lohnender es für alle Seiten sein könne, nach der Motivation der Betroffenen zu suchen, als ständig Motivator sein zu müssen. Sie prägte dabei den Begriff des „Motivationssuchers“.

Von den Ideen der Expertin zeigte sich Sebastian Weber beeindruckt, der die Fortbildung organisiert hatte. Lüttringhaus habe es verstanden zu zeigen, dass jeder Einzelne aufgefordert ist, eigenen Ideen für die Inklusion von Menschen mit Behinderung einzubringen. Das seien­ mitunter ganz einfache Mittel, wie etwa die Frage, inwiefern Vereine einbezogen werden können oder wo es im Alltag Barrieren gibt, die ausgeräumt werden könnten.

„Wir wollen Mitarbeitern Mut machen, in Zielvereinbarungen persönliche Wünsche der Menschen mit Behinderung unbedingt ernst zu nehmen und ­Motivationssucher zu werden. Genauso werden wir mit kommunalen Trägern Spielräume besprechen“, sagte Weber. Nur so könne der Paradigmenwechsel vollzogen werden.

von Sascha Valentin

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