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Der mit dem Feuer spielt

Kirschenmarkt-Pyrotechniker Der mit dem Feuer spielt

Feuer und Flamme für den Kirschenmarkt sein, fällt Marco Thomas nicht schwer. Wenn es knistert, sprüht und Funken fliegen, dann ist der gebürtige Breidenbacher in seinem Element. Wie zum ­Finale des Volksfestes.

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Pyrotechniker aus Leidenschaft: Marco Thomas wird beim Kirschenmarkt-Feuerwerk auch diese 150-Millimeter-Kugelbombe einsetzen, das zweitgrößte Kaliber für das Lichterspektakel am Gladenbacher Himmel.

Quelle: Michael Tietz

Gladenbach. Marco Thomas lebt für die Faszination Feuer­werk. Ein bunt erleuchteter Himmel und besondere Knalleffekte begeistern ihn schon seit seiner Kindheit. „Mit zwölf habe ich mein erstes Päckchen Böller von meinem Opa bekommen“, erinnert sich der 41-Jährige. Fortan durfte er sich über einen kleinen „Silvester-Etat“ freuen. Seine Freunde hätten ihn darum beneidet. „Aber sie haben beim kleinen Feuerwerk auch immer begeistert zugeschaut“, erzählt der staatlich geprüfte Pyrotechniker.

Bis er sich diesen Berufswunsch erfüllen konnte, vergingen allerdings einige Jahre. Als junger Erwachsener verschickte Marco Thomas einige Bewerbungen. Die Adressen von Pyrotechnikern, bei denen er in die Lehre gehen wollte, hatte er sich aus dem Telefonbuch „Gelbe Seiten“ gesucht. Eine Absage erhielt er. Ansonsten gab es gar keine Rückmeldungen. Das Feuer für seinen Traumjob schien erloschen. Deshalb entschied sich Marco Thomas für einen klassischen Handwerksberuf. „Ich bin gelernter Dachdecker, das ­Thema Pyrotechnik hatte ich lange nicht mehr auf dem Schirm“, sagt er.

„Habe das Handwerk 
von der Pike auf gelernt“

Bis zu einem Gespräch mit seiner Schwester im Jahr 2012. Sie berichtete ihm von einem Feuerwerker aus dem Landkreis, der für ihre Firma ein himmlisches Kunstwerk abgebrannt hatte. Die Neugier von Marco­ Thomas war neu entfacht. Er nahm Kontakt zu dem erfahrenen Pyrotechniker Rüdiger Becker aus Stadtallendorf auf. „Nach zwei Telefonaten habe ich mich bei ihm vorgestellt, bei ihm habe ich das Handwerk dann von der Pike auf gelernt“, erzählt der 41-jährige Familien­vater aus Kleinseelheim. Der Liebe wegen zog es ihn in den Kirchhainer Stadtteil. Dort betreibt er nun seine Firma „Pyrotechnik Thomas“.

Ja, sein Job sei schon etwas gefährlich, gesteht Marco Thomas. Außer einer Verbrennung an der Hand sei ihm glücklicherweise­ aber noch nichts Schlimmes ­zugestoßen, wie er sagt. „Sicherheit steht für uns an erster Stelle – für die Zuschauer und für uns selbst“, betont der Pyrotechniker. Zu seiner Arbeitsausstattung gehören deshalb auch ein Helm mit Gesichtsschutz und dicke Kleidung.

Hintergrund

Pyrotechniker ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Zunächst gilt es für den Berufsanfänger, praktische Erfahrungen zu sammeln. Bei insgesamt 26 großen Feuerwerken muss er seinen „Lehrmeister“ unterstützen – beim Vorbereiten, Auf- und Abbauen sowie Abbrennen. Anschließend folgt ein fünftägiger Lehrgang mit einer theoretischen und praktischen Prüfung. Nach dem ­Bestehen weist ihn dann ein „Befähigungsschein“ als staatlich geprüfter Pyrotechniker aus. Neben Leidenschaft, Kreativität, technischem Verständnis und handwerklichem Geschick gibt es noch eine wichtige Voraussetzung für diesen Beruf: eine „weiße Weste“. Denn für den Umgang mit explosiven Gegenständen muss der angehende Feuerwerker ­eine Unbedenklichkeits-bescheinigung beantragen. Dieser Nachweis der Zuverlässigkeit geht über ein polizeiliches Führungszeugnis hinaus.

Auch für die Lagerung der Feuerwerkskörper gibt es strenge Vorschriften. Marco Thomas­ nutzt dafür einen Bunker in Stadtallendorf. Die „Bomben“ und „Batterien“ – so heißen die Himmelsstürmer – stammen meist aus China sowie aus ­Italien und Portugal. „Das ist ­alles geprüfte Ware“, versichert der Feuerwerker. Die sei sicher. 
Seine oberste Maxime beim Umgang mit den explosiven Stoffen lautet: „Keine Hektik, kein Stress, Besonnenheit ist wichtig.“

Das Feuer selbst und die Kraft des Schwarzpulvers machen für ihn die Faszination Feuerwerk aus. „Es macht einfach Spaß, wenn man dann auch noch das Funkeln in den Augen der ­Zuschauer sieht und ein positives Feedback bekommt“, sagt ­Marco Thomas.

Effektvolle Bilder will er am 
2. Juli auch für die Besucher des Kirschenmarkts an den Gladenbacher Himmel zaubern. Seit Wochen bastelt er an einer Choreografie. „Ein Feuerwerk entsteht grundsätzlich im Kopf“, erzählt der 41-Jährige. Auch sein schwarzes Büchlein zieht er zu Rate. Darin hat der Pyrotechniker seine Wünsche und Ideen geschrieben, die er schon immer mal umsetzen wollte.

Natürlich sei alles eine Frage­ des Budgets. Den finanziellen Rahmen gibt die Stadt vor. ­Designtechnisch hat er bei dem Feuerwerk freie Hand – von der Ouvertüre bis zum großen ­
Finale. „Das Publikum will mitgerissen werden, darauf kommt es letztendlich an“, erklärt Marco­ Thomas. Passend zum Kirschen­markt sollen rote Effekte eine Rolle spielen, ebenso goldene. Auf „gefächerte Bilder“ dürfen sich die Zuschauer ebenfalls freuen. Wichtig sei der „Flow“, also der nahtlose Übergang der Lichteffekte. Ob er diese mit der traditionellen Handzündung oder dem computergesteuerten Abbrennen erreichen will, steht noch nicht endgültig fest. „Vielleicht wird’s eine Mischung aus beiden“, erzählt Marco Thomas.

„An Silvester fast keine Lust auf eigenes Feuerwerk“

Mindestens 300 „Bomben“ will der Pyrotechniker in die Luft schießen. Dazu komme noch etwas „Füllmaterial“ für kleinere Effekte. In gut 200 Meter Höhe entsteht dann das farbenprächtige Schauspiel.

Am Sonntagmittag wird er mit dem Aufbau der Mörser im Georg-Ludwig-Hartig-Park beginnen. Der ist dann für Schaulustige tabu. Zu der großräumigen Absperrung wird der ­Pyrotechniker auch noch einen inneren Sicherheitskreis mit Flatterband ziehen – falls doch mal ein Spaziergänger die erste Barriere nicht beachtet.
Für die drei Böller zum Start des Kirschenmarkts am Donnerstagabend um Punkt 20 Uhr zeichnet der Pyrotechniker ebenfalls verantwortlich. Das sei eine leichte Übung, versichert der Kleinseelheimer mit einem Schmunzeln.

Wird er des Lichterspektakels am Himmel eigentlich nicht überdrüssig? „Bei der letzten Silvesterfeier hatte ich fast keine Lust auf ein eigenes Feuerwerk“, gesteht Marco Thomas.

Traumkulisse wäre am Wasser

Aber auch nur deshalb, weil er zuvor einige Aufträge abarbeiten musste. Mit seinen Söhnen wollte er deshalb eigentlich nur ein paar „Frösche“ knallen lassen. „Dann hab’ ich aber doch noch eine Batterie auf die Straße gestellt – frei nach dem Motto: einmal anzünden, fünf Minuten genießen. Die Faszination Feuerwerk lässt dich natürlich auch an Silvester nicht los“, sagt der 41-Jährige.

Eine Traumkulisse für ein ­eigenes Großfeuerwerk wäre­ für ihn am Wasser – wie etwa bei „Rhein in Flammen“ oder an den Niagarafällen an der Grenze von USA und Kanada. „Traumhaft schön, wenn man die Reflexion im Wasser sehen kann“, schwärmt der Pyrotechniker.

Seine ganze Aufmerksamkeit­ gilt nun aber erst einmal dem Kirschenmarkt. „Ich hoffe, meine Premiere kommt gut an. Ich würde das Feuerwerk gerne auch in den nächsten Jahren noch gestalten“, sagt Marco Thomas.

von Michael Tietz

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