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Gebrauchtes bringt anderen Freude

„Der Laden“ Gebrauchtes bringt anderen Freude

Unter dem Motto ­„Gebraucht tut’s auch“ verkauft das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf seit einem Jahr in seinem „Laden“ in der Marktstraße in Gladenbach Secondhand-Waren.

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Jochen Even kümmert sich einmal im Monat im Laden um defekte Haushaltsgeräte der Kunden.

Quelle: Sascha Valentin

Gladenbach. Kleidung, Spielzeug und Haushaltswaren – gebraucht und günstig: Das Angebot wird keineswegs nur von Menschen mit nachgewiesener Bedürftigkeit genutzt. „Wir haben auch viele Kunden, die ­ohne Sozialhilfenachweis zu uns kommen und Sachen kaufen“, erzählt Angelika Diefenbach. Am alten Standort in der Kreuzstraße sei das nicht der Fall gewesen. Die beengten Verhältnisse dort hätten auch eher wie eine Kleiderkammer gewirkt, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin im Laden. Ganz anders in der Marktstraße. Dort vermittelt schon das große Schaufenster den Eindruck eines richtigen Geschäfts.

Es sei aber vor allem der ­Bedarf an kostengünstiger Kleidung, der die Kunden in den Laden führt, sagen die Mitarbeiter. Es gebe viele Menschen, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen und am Minimum leben. Hanna Hubener nennt als Beispiel eine ältere Dame, die als Kundin im Laden war. „Sie hat uns erzählt, dass sie aufgrund einer Krankheit viel Gewicht verloren habe und sich neu einkleiden müsse. Aber sie habe nur zehn Euro“, berichtet Hubener. Am Ende habe die Frau den Laden mit drei Pullover freudestrahlend verlassen. „Das sind die Momente, in denen wir merken, wie wichtig das ist, was wir hier machen“, sagt die Mitarbeiterin.

Ähnlich das Beispiel eines jungen Mannes, der in den Laden kam und einfach nur dankbar gewesen sei, dass er sich dort komplett neu einkleiden konnte. „Not gibt es eben an allen Ecken“, hat Hubener beobachtet.

Nur einwandfreie Ware im Angebot

Erstaunt seien viele Kunden über die günstigen Preise und darüber, was sich alles im Laden findet, sagt Diefenbach. Neben Alltagskleidung, Markenklamotten und Trainingsanzügen finden sich auch Konfirmations- und Kommunionkleidung. „Die trägt man eben nur einmal im Leben und danach hängen sie im Schrank rum“, meint Ingrid Weber-Krug. Deshalb entschieden sich viele Leute dafür, die Kleider und Anzüge zu spenden.

Insgesamt sei die Spendenbereitschaft in der jüngeren Vergangenheit gestiegen, hat Diefenbach beobachtet. Täglich träfen neue Kartons mit Kleiderspenden im Geschäft ein. Für den Laden ist das gut. Denn das Konzept sieht vor, dass im Laden ausschließlich gespendete Kleidung verkauft wird.

Kommen Sachspenden herein, überprüfen die Mitarbeiter zunächst jedes Stück, ob es sich für den Verkauf eignet. Kaputte oder verwaschene Teile kommen nämlich nicht ins Regal. „Die würde ja kein Mensch kaufen – auch wenn sie noch so günstig wären“, sagt Diefenbach. Nur einwandfreie Ware eigne sich für den Verkauf. „Was aussortiert wird, übergeben wir Hilfsorganisationen, die es dann überwiegend an bedürftige Menschen in Osteuropa weiterleiten“, sagt Diefenbach.

An die Spender haben die Helfer einen Wunsch: Sie sollten darauf achten, möglichst der Saison angepasste Kleidung abzugeben. „Winterklamotten jetzt im Sommer bringen uns ja nichts. Im Gegenteil: Die müssen wir ja lagern und dazu fehlt uns der Platz“, erklärt Diefenbach.

Auch Stoffreste willkommen

Doch nicht nur zum Spenden-Abgeben und Einkaufen finden Bürger den Weg in den Laden, erzählen die Helfer. Viele­ kämen auch, um sich in der Kaffee-Ecke auszuruhen und zu reden. ­Außerdem gibt es einmal im Monat einen Reparatur-Treff, den Jochen Even im Laden anbietet und der sehr gut angenommen werde. Die Besucher können defekte Haushaltsgeräte, Spielsachen oder Kinderwägen abgeben, die Even und seine Kollegen gegen eine kleine Spende reparieren.

Übrigens: Auch Stoffspenden sind im Laden willkommen. Die Stoffe werden dann an eine Biedenkopfer Nähinitiative weitergeleitet. Flüchtlinge nähen dort aus den Stoffen Taschen, die dann verkauft werden.

Letztlich sei der Laden ein Gewinn für alle, sagt Agnes Protz vom Diakonischen Werk, die das Projekt federführend betreut. Der Laden lebe von den Helfern, Spendern und Kunden.

Geöffnet ist der Laden dienstags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr. Das Diakonische Werk würde zudem gerne samstags öffnen, weil das für viele der Haupteinkaufstag sei. Allerdings braucht das Diakonische Werk dazu mehr Helfer. Pro Öffnungstag sind jeweils fünf bis sechs Ehrenamtliche im Einsatz, packen aus, räumen Regale ein, verkaufen. Wer mithelfen möchte, kann sich im ­Laden melden.

von Sascha Valentin

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