Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Das wischende Klassenzimmer

Adolph-Diesterweg-Schule Das wischende Klassenzimmer

Wischen auf einem Computer-Bildschirm könnte bald zum Unterrichtsalltag in der Adolph-Diesterweg-Schule gehören. Derzeit arbeiten dort die Sechstklässler begeistert mit iPads. Ihre kreativen Ergebnisse stellen die Schüler bei der Projektwoche vor.

Voriger Artikel
Neuer Schwerpunkt in Flüchtlingshilfe
Nächster Artikel
Nach 1500 Schuss fällt der Adler

„Die Schüler sind so kreativ“, sagt Lehrerin Petra Schepanski über das engagierte Arbeiten ihrer Schützlinge.

Quelle: Michael Tietz

Weidenhausen. Emily schreibt fleißig am neuen Kapitel für ein E-Book. Noah fotografiert seine Mitschüler für eine Szene ­ihres Comics. Und Sophie bastelt an den letzten Einstellungen für ­einen Werbefilm – alles mit iPads. Vier Wochen lang gehören die Tablets-Computer mit den berührungsempfindlichen Bildschirmen für die Sechstklässler der Adolph-Diesterweg-Schule zum Schulalltag. Kreatives Arbeiten mit neuen Medien ist hier angesagt.

Die Schüler der 6a sind mächtig stolz, dass ausgerechnet sie das Pilotprojekt umsetzen dürfen. Und sie sind begeistert vom digitalen Unterricht. „Das macht total viel Spaß. Keine Theorie, wir können hier richtig kreativ sein“, freut sich Liam.

Das digitale Lernen müsse­ in Deutschland deutlich voran­getrieben werden, mahnte schon Bundeskanzlerin Angela­ Merkel. Weil sonst der Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb auf der Strecke bleiben würde, sagte die Regierungschefin.

Auch in der Förderstufe der Adolph-Diesterweg-Schule Weidenhausen soll digitales Lernen möglichst bald in den Schulalltag einziehen. Dafür machen sich Projektleiterin Petra­ ­Schepanski und Förderstufenleiterin Ruth Bodenbender stark.

„Die Jugendlichen sind 
so kreativ und engagiert“

Als Einstieg testen nun die Sechstklässler im Deutsch- und Gesellschaftslehreunterricht die mobilen Computer. Einige ­wenige von ihnen hatten schon mal ein Tablet in den Händen – meist allerdings zum Spielen.

Im Zuge der Medienbildung in der Schule nutzen die Jugendlichen die Geräte nun zum Herstellen von Büchern und Filmen. „Nachhaltiges Lernen“ nennt Petra Schepanski den Einsatz der digitalen Hilfsmittel. Statt des üblichen Zusehens, Lesens und Zuhörens im Unterricht ist nun selbstständiges Handeln gefragt. Die Schüler probieren aus, geben sich gegenseitig Tipps in der Handhabung der Tablets und verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: Denn zum Abschluss des Projekts sollen ihre Werke fertig sein.

Dafür schlüpfen sie in die Rollen von Autoren, Regisseuren und Bildgestaltern. „Die Jugendlichen sind so kreativ und engagiert“, freut sich Petra Schepanski über die ersten vorzeigenswerten Ergebnisse nach nur wenigen Stunden.

Die Lehrerin hat den Koffer mit den 16 iPads im Medienzentrum Kirchhain für vier Wochen ausgeliehen. Eine solche Ausstattung möchte sich die Schule möglichst bald selbst zulegen. „Wir stellen uns den Herausforderungen im Umgang mit den neuen Medien und wollen ab dem neuen Schuljahr die Arbeit mit Tablets in den laufenden Unterricht integrieren“, erklärt Ruth Bodenbender.

Kreativität und 
Teamgeist gefragt

„Thirteen – Meine Prophezeiung“ haben Jonah, Emily, Sarah und Maya ihr E-Book betitelt, an dem die vier Schüler werkeln. Es geht um ein Mädchen, das an seinem Geburtstag entführt wird. In Gefangenschaft lernt die 13-Jährige ­einen Jungen kennen – zusammen versuchen sie zu fliehen. „Wir schreiben die Geschichte in ­Tagebuchform“, erzählt Emily.

In Gemeinschaftsarbeit entsteht Kapitel für Kapitel, ebenso die Inhaltsangabe und das Layout mit Fotos. „Das ist richtig gut“, lobt Sarah, als sie ­eine weitere Textseite ihrer ­Mitschüler durchgelesen hat. 
Großen Teamgeist zeigen an diesem Morgen auch Leonie, ­Liam und Noah. Sie basteln fleißig an ihrem Comic. Tag für Tag schreibt Liam ein kleines Drehbuch zu der Superhelden-Geschichte. „Das versuchen wir so gut wie möglich umzusetzen“, sagt der junge Autor. Schritt für Schritt werden mit den Tablets Fotos geschossen sowie die Folien mit Sprech- und Gedankenblasen versehen.

„Manchmal brauchen wir schon zehn Minuten, bis ein ­Foto im Kasten ist“, erzählt Leonie mit einem Schmunzeln. Das größte Problem: Zu oft werde bei einer ernsten Szene gelacht. „Wenn‘s geht, wollen wir unser Comic am Ende auch ausdrucken“, berichtet Noah. Ein ­eigenes kleines Buch in den Händen zu halten, wäre schon toll. Da hat dann auch das moderne Tablet das Nachsehen.

Sechstklässler geben Wissen an Fünftklässler weiter

Eine andere Gruppe nimmt ­einen Stop-Motion-Film in ­Angriff. Dieser wird aus vielen Einzelbildern zusammengesetzt. Aus Legosteinen bauen die Schüler Figuren und Requisiten, die für jede Einzelaufnahme ein kleines bisschen bewegt werden.

Sophie hat derweil mit ihrem­ iPad einen gut einminütigen Werbefilm über die Adolph-Diesterweg-Schule gedreht. ­Ihre Botschaft: „Alles ist möglich, wenn man an sich glaubt.“ Das professionell gestaltete ­Video gleicht einem Trailer für ­einen Kinofilm und soll nun auf die Homepage der Schule gestellt werden.

Die Sechstklässler sind auch als Multiplikatoren an der Schule gefragt. Während der Projekttage zum Thema „Rund um das Buch“ vom 21. bis 23. Juni werden sie als „Experten“ die Fünftklässler mit den Tablets vertraut machen und diesen einige Tipps und Tricks mit auf den Weg geben – auch zum richtigen Wischen über den Bildschirm. Am Präsentationstag, dem 23. Juni, stellen die Jugendlichen dann ihre Bücher und Filme der Schulgemeinde vor.

von Michael Tietz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr