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Selbst ist der Bellnhäuser

Ehrenamt Selbst ist der Bellnhäuser

Was macht der Bellnhäuser am Samstagvormittag? Er geht auf den Friedhof. Nicht um Gräber zu pflegen, sondern um zu pflastern. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen.

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Klotzten ran: Bauhofmitarbeiter Timo Bernhardt (Mitte) mit Bettina Leinweber und Klaus-Jürgen Scheld aus dem Ortsbeirat.

Quelle: Friederike Heitz

Bellnhausen. Der Friedhof im Dorf ist überschaubar: rechts ein Streifen Gräber, links ein Streifen Gräber, dazwischen ein zweieinhalb Meter breiter Weg. Und jener Weg sorgte jahrelang für Unmut. Denn der Weg war geschottert und somit in jeglicher Hinsicht unbequem, vor allem im Hinblick auf die Pflege.

„Das Unkraut nahm überhand“, erzählt Ortsvorsteher Klaus-Jürgen Scheld. Drei Mal hätten er und weitere Ehrenamtliche im vergangenen Jahr mit der Harke den Weg in Ordnung gebracht. Nur währte die Ordnung nie lange. „Beim dritten Mal haben wir beschlossen, dass wir eine andere Lösung brauchen“, sagt Scheld.

Der Wunsch war nicht neu. Schon der alte Ortsbeirat habe­ sich für etwas „Handfestes“ eingesetzt. „Aber da war Gladenbach unterm Rettungsschirm. Da war kein Geld da“, sagt der Ortsvorsteher.

Rund 300 Arbeitsstunden investiert

Der neue Ortsbeirat unternahm vor einem Jahr einen neuen Anlauf. Und stieß mit dem Vorschlag, das Gros der Arbeiten selbst zu schultern, im Rathaus auf offene Ohren. Das Angebot war durchaus mutig. Denn in einem 200-Einwohner-Dorf ist die Zahl rekrutierbarer Mitstreiter für ehrenamtliche Arbeitseinsätze am Wochenende überschaubar. Aber Bellnhausen ist eben nicht irgendein Dorf. Im Jahr 2016 renovierten die Bürger schon ihre Kirche. 2017 dann also den Friedhof.

Der Plan: Den 92 Meter langen Weg mit hellen Steinen pflastern, ebenso die etwa 160 Quadratmeter große Fläche um die Leichenhalle herum. Die Stadt soll die Materialien stellen, Mitarbeiter des Bauhofs die Vorarbeit übernehmen, den Schotter abtragen und einen Unterbau einfügen, die Ehrenamtlichen anschließend das Pflaster verlegen. Im Frühsommer ging es los. Seit dem pflasterten Scheld und rund 20 Mitstreiter etwa 300 Stunden lang auf dem Friedhof, meistens samstags von 8 bis 12 Uhr.

Ortsbeirat gibt Dankeschönfest

Abgeschlossen wurden die Arbeiten jedoch am vorigen Freitag. „Es haben sich spontan ein paar Leute bereiterklärt, zu helfen, und dann haben wir das schöne Wetter ausgenutzt“, sagt der Ortsvorsteher. Zum Abschluss wurden die Ränder beigefüllt. Der Bauhof hatte kurzfristig noch Material geliefert.

„Alle, die hier mitgeholfen haben, sind vom Fach. Häuslebauer oder Schaffer, davon gibt es hier viele“, sagt der Ortsvorsteher. Er ist stolz, dass so viele mit anpackten. Beeindruckt haben ihn auch die Älteren, die den ehrenamtlichen Pflasterern Getränke spendierten – oder für ein Mittagessen sorgten. Hackfleischpizza und Bauerntopf habe es schon gegeben.

Zeitnah, möglichst noch in diesem Jahr, soll es ein Dankeschönfest für die ehrenamtlichen Helfer und die Mitarbeiter des Bauhofs geben, mit denen die Bellnhäuser Hand in Hand arbeiteten, sagt Scheld. Der Ortsbeirat werde in seiner November-Sitzung einen Termin festlegen.

von Friederike Heitz 
und Marcus Richter

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