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Zeugin zögert mit Anzeige

Aus dem Landgericht Zeugin zögert mit Anzeige

Im Prozess gegen einen 36-jährigen Gladenbacher bestätigte eine 24-Jährige am Mittwoch die Anklage, 
derzufolge sie der Mann mit Schlägen und einem abgebrochenen Flaschenhals misshandelte.

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Eines der mutmaßlichen Opfer bestätigt die Anklage gegen einen Gladenbacher. Der Vorwurf: schwere Körperverletzung und Nötigung.

Quelle: Florentine / pixelio.de

Marburg. Der Mann steht ­wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes im Jahr 2000 vor dem Marburger Landgericht ( wir berichteten). Am zweiten Verhandlungstag war der Vorwurf der schweren Körperverletzung und der Nötigung der Zeugin im Februar dieses Jahres das Thema.

Wie die 24-Jährige berichtete,­ gab es in der Vergangenheit Konflikte mit dem Gladenbacher. Im Herbst 2009 sei er bei einem Treffen mehrerer Personen in einer Wohnung zudringlich geworden. Sie habe ihn, zugegebenerweise betrunken, versucht, zwischen die Beine zu treten. Eine spätere Entschuldigung ihrerseits habe er zwar scheinbar akzeptiert, aber als sie ihn wenige Tage später beim Hundeausführen nahe eines Waldes traf, habe er sie aufgefordert in sein Auto zu steigen. Mit „Du bist mir noch etwas schuldig“, habe er ihr die Wahl zwischen Sex und einem Schlag ins Gesicht gelassen. Just als er mit der Faust ausgeholte, sei ein Bekannte vorbeigekommen und sie sei entkommen.

Acht Jahre später, in den Abendstunden des 8. Februar, sei der Angeklagte mit einem unbekannten Mann in der Nähe eines Supermarktes auf sie zugekommen und habe sie aufgefordert mitzukommen. „Das wollte ich nicht, da hat er mich heftig am Nacken gepackt und vor sich hergeschoben“, so die Zeugin. Bei einem Jugendcafé habe der Begleiter sie festgehalten und der 36-Jährige habe ihr mehrfach heftig in die Magengegend geschlagen. „Ich musste mich übergeben und es hat sehr wehgetan“. Nicht gespürt habe sie dagegen die oberflächlichen Schnitte im Gesicht und an den Händen.

Zeugin nahm Anzeige zurück

„Als ich am Boden lag, hat er sich auf mich gesetzt“, berichtete die Frau. Als er ihr das Oberteil zerriss und ihre Brüste „quetschte“ habe sie geglaubt, er werde sie vergewaltigen. Der andere Mann redete aber auf ihn ein und er habe abgelassen. Sie habe dann ihren Freund angerufen, der sie abholte. Anzeige habe sie aus Angst zunächst nicht erstattet, so die 24-Jährige. Die 27-jährige Ehefrau des Gladenbachers betonte jedoch, ihr Mann sei zum möglichen Tatzeitpunkt zu Hause gewesen. „Ich kam vom Spätdienst und er hatte Suppe gekocht“, erklärte sie auf Nachfrage des Vorsitzenden, Richter Thomas Wolf.

Des Weiteren ging es um die Ermittlungsarbeit. Wochen nach dem Vorfall, so ein Gladenbacher Polizist, habe die 24-Jährige ängstlich wirkend Anzeige erstattet. Ein paar Tage später habe sie jedoch angerufen, um das zurückzunehmen. Das bestätigte ein Marburger Kriminalpolizist, der einige Wochen später die Frau überzeugte, noch einmal Angaben zu machen. „Er hatte gute Argumente“, so die Zeugin, denn die Staatsanwaltschaft ermittele in weiteren Fällen und wolle ihn „hinter Gitter bringen“. Das habe er so nicht gesagt, so der Kriminalpolizist, wohl aber sei ein Hinweis der Staatsanwaltschaft gekommen.

„Das nehme ich erst mal zur Kenntnis“, sagte Verteidiger Frank Richtberg zu der Feststellung, dass die Frau einen Tag nach ihrer ersten Aussage Anzeige wegen eines mutmaßlichen Geldbörsediebstahls erstattete. Sie hatte ausgesagt, dabei zu der anderen Aussage überredet worden zu sein.

Der Prozess wird am Dienstag, 26. Spetember, fortgesetzt. Der Gladenbacher bestreitet beide Taten und vermutet ein Komplott.

von Heiko Krause

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