Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Geschichte bewegt Radfreunde

Tour der „Hinterländer Mountainbiker“ (Teil 1) Geschichte bewegt Radfreunde

Fünf Hinterländer fahren seit mehr als 20 Jahren mit ihren Mountainbikes auf historischen Wegen. Ihre neue Tour auf der „Autobahn des 8. Jahrhunderts“ stellt die OP vor. Heute gewähren wir ­einen Einblick in das Team und den Ortesweg.

Voriger Artikel
Bienenzüchter tauschen Informationen aus
Nächster Artikel
Maskenspiel und Lieder von Tom Waits

Siegfried „Siggi“ Pitzer (von links), Matthias „Mattes“  Schmidt, Jörg Krug, Ulrich Weigel, Harald „Harry“ Becker und Jan Meyer ließen sich in Bamberg auf ihrer Geschichtstour fotografieren

Quelle: privat

Hinterland. Seit mehr als 20 Jahren erfahren die Hinterländer Harald Becker (Angelburg), Jörg Krug (Steffenberg), Siegfried Pitzer (Wallau), Matthias Schmidt (Angelburg) und der gebürtige Oberhörlener Ulrich Weigel (Eschenburg-Roth) mit dem Rad die Geschichte ihrer Heimat. Das führt sie weit über die Grenzen des Hinterlands hinaus. Sie nennen sich die „Hinterländer Mountainbiker“ und haben sich mit ihren Touren bereits einen Namen gemacht.

In der Anfangszeit standen heimatnahe Projekte auf dem Tour-Plan: die Brabanter Straße, Landgraf Philipps Heimritt, die Reise von Kaiser Friedrich II nach Marburg, der Postraub in der Subach und die Schlacht bei Laisa und Battenfeld.

Als den Radfreunden die Grenzen zu eng gesteckt waren, erweiterten sie ihren Horizont: Zunächst fuhren sie in England auf den Spuren von Bonifatius und überquerten schließlich den großen Teich und erkundeten die USA, aber auch China, Brasilien, Namibia und Japan – immer auf der Suche nach historischen und heimatverbundenen Gegebenheiten.

GPS-Daten werden erfasst

Vor ihren Touren „schluckten“ sie zunächst mal den Staub der Archive, in denen sie die Vergangenheit durchforsteten, dann erst ging es zum Teil auf unwegsames Gelände und auf vergessene historische Wege. Bei Wind und Wetter waren sie mit dem Rad unterwegs – auch im Winter. Damit auch andere ihrem Beispiel folgen können, leisteten die Hinterländer Pionierarbeit: Sie setzten bereits zur damaligen Zeit modernste Technologie ein wie ein Satelliten-Navigationssystem (GPS) und erstellten Höhenprofile und Wegbeschreibungen.

Ihr Material stellen sie Mountainbikern, Radfahrern und Wanderern zur Verfügung. Diesmal erfuhren die Hinterländer Mountainbiker den Ortesweg – die Autobahn des 8. Jahrhunderts. Mit von der Partie waren Jan Meyer, der das Team bereits in Japan begleitet hat, und Reinhard Balzer mit seinem „Besenwagen“, ein Fachbegriff aus dem Fahrradrennsport.

Es ist ein Auto, das am Ende des Feldes Verletzte oder Fahrer mit Defekten aufsammelt. Im Fall der Hinterländer konnte Balzer dem Team nicht ständig folgen, aber während der Etappen hat er die Radfahrer an vereinbarten Punkten getroffen. Er transportierte das Hauptgepäck und hatte Getränkenachschub an Bord, „was bei der Hitze eine tolle Unterstützung war“, sagt Weigel.

Der Ortesweg spielt in der Gründungsgeschichte des Klosters Fulda durch Bonifatius eine wichtige Rolle. Er verband später Fulda und Bamberg. Die Radsportler fanden in den Archiven zudem heraus, dass der Ortesweg ein uralter Verbindungsweg war, der vom Marburger Land über den Vogelsberg, die Rhön und über das historische Grabfeld zum bedeutenden karolingischen Handelsplatz Hallstadt bei Bamberg zum Main führte.

Tour ist 180 Kilometer lang

Der Weg wurde im späten 8. Jahrhundert in der Vita Sturmi vom vierten Abt Fuldas Eiglis erstmals erwähnt, als im Jahr 743 der Hersfelder Einsiedler und Mönch Sturmius im Namen des Bonifatius nach einem geeigneten Ort für das Kloster suchte. Historiker vermuten, dass der Weg schon in keltischen Zeiten wichtige Siedlungsschwerpunkte (Oppida) verknüpfte wie die keltischen Zentren Dünsberg bei Gießen, Steinsburg und die Milseburg in der Rhön.

Bei ihren Recherchen stießen die Hinterländer auf einen Seelenverwandten. Jochen Heinke ist Autor von Fachbeiträgen und Büchern über historische Straßen und Wege. Er orientiert sich genau wie die „Hinterländer Mountainbiker“ an dem hessischen Altstraßenforscher Willi Görich, Historiker am Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg. Auch Heinke geht selbst auf Erkundungstour, um die historischen Wege und Straßen für anderen per GPS begehbar oder befahrbar zu machen.

Die Tour auf dem Ortesweg führte die „Hinterländer Mountainbiker“ von der Wetterau durch die Hochröhn und auf dem Rennweg durch die wenig bekannten Haßberge. Sie stellte für das Team eine Mischung aus Mountainbike- und Trekkingrad-Route dar. Auf zum Teil nicht markierten Wegen legten die Hinterländer in drei Tagen gut 180 Kilometer und 2800 Höhenmeter zurück. Dabei führte sie der Weg zu Ausgrabungsstätten aus der damaligen Epoche und zu einem Kloster, in dem sie übernachteten.

  • Im zweiten Teil lesen Sie in der nächsten Aufgabe über die 1. Tour-Etappe der „Hinterländer Mountainbiker“ zum Kloster Kreuzberg.

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr