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Gericht rollt Geschwister-Drama auf

Vorwurf: Versuchter Mord Gericht rollt Geschwister-Drama auf

Gefangen gehalten, 
geschlagen und mit 
dem Tode bedroht? Der Staatsanwalt wirft einem 58-jährigen Buchenauer versuchten Mord an seinen 50- und 63-jährigen Schwestern vor.

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Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, schritten Polizisten am 23. Februar in einem Haus der Alten Landstraße in Buchenau 
ein und verhinderten womöglich ein 
grauenhaftes Ende eines Konflikts 
unter Geschwistern.

Quelle: Archiv

Buchenau. „Am 23. Februar 2016 soll der Angeklagte zunächst seine Kontrahentin heftig geschlagen haben. Als eine 
weitere Person auf die Auseinandersetzung aufmerksam wurde, soll der Angeklagte versucht haben, seine ursprüngliche Kontrahentin und die weitere Person zur Verdeckung der vorangehenden Tat zu töten. Bei seinen Taten soll der Angeklagte krankheitsbedingt nicht in der Lage gewesen sein, das Unrecht seiner Tat einzusehen.“

Mit diesen nüchternen Worten kündigt der Pressesprecher des Landgerichts Dr. Marcus Wilhelm den Beginn einer Gerichtsverhandlung an. Die dem Angeklagten vorgeworfene Tat war im Dautphetaler Ortsteil tagelang Gesprächsstoff, nachdem der Einsatz von vier Polizisten in der Alten Landstraße 
von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Nachbarin schildert 
der OP das Geschehen

Während die Polizei damals am Mittwoch mitteilte, tags zuvor einen 57-Jährigen vorläufig festgenommen zu haben, weil dieser seine 50 und 63 Jahre alten Schwestern in deren Wohnung derart misshandelte, dass diese wegen Kopfverletzungen 
im Krankenhaus behandelt 
wurden, schilderte die OP in 
 ihrer Donnerstagsausgabe die Erlebnisse einer Nachbarin, der die beiden Opfer offenbar ihre Befreiung zu verdanken hatten.

Der couragierten Frau zufolge ereignete sich an jenem Dienstag Folgendes: Eine Arbeitskollegin der jüngeren Schwester wunderte sich über deren Fernbleiben und erkundigte sich bei der Buchenauerin nach der 50-
 Jährigen. In Sorge über deren Gesundheitszustand suchten die beiden Frauen das Haus der 50-Jährigen auf. Sie fanden es verschlossen vor und niemand öffnete die Tür.

Während die Frauen auf dem Hof des Anwesens noch berieten, was zu tun sei, trat der damals 57-Jährige auf den Balkon. Mit dem Hinweis, dass die 50-Jährige schlafe wollte der Bruder die Nachbarin abwimmeln. Als diese hartnäckig blieb und forderte, die 50-Jährige zu wecken, habe der Mann energischer und abweisender seine Äußerung wiederholt.

Da der 57-Jährige sich auch mit Scheinargumenten nicht habe aus dem Haus locken lassen, habe die Nachbarin aus ihrem Hause die Polizei verständigt. Während des Wartens auf einen Streifenwagen sei die 50-Jährige dann doch im Hauseingang erschienen.

Sechs Verhandlungstage sind angesetzt

Laut der Nachbarin sei das Gesicht der 50-Jährigen – vermutlich von Schlägen – geschwollen gewesen. Auch habe die Frau Würgespuren an Hals, Hand- und Fußgelenken aufgewiesen. Da sich ihre Schwester noch in der Gewalt des 57-Jährigen befand, forderte sie die Nachbarin auf, die Polizei nicht zu rufen.

Von der Anwesenheit der 63-Jährigen in dem Haus erfuhr die Nachbarin erst in diesem Moment. Sie ließ die 50-Jährige nicht ins Haus zurück, sondern bugsierte sie in ein Auto, wo sie in Sicherheit war. Dann telefonierte sie erneut mit der Polizei. Schließlich waren zwei Einsatzwagen mit vier Polizisten, die die Frauen befreiten und den mutmaßlichen Täter festnahmen.

Während die Frauen auf die Polizisten warteten, habe die 50-Jährige der Nachbarin erzählt, was sich im Haus ereignet haben soll. Demzufolge sei ein Streit am Vorabend der Auslöser gewesen sei. Der 57-Jährige habe 
ihre ältere Schwester geschlagen, und als sie „dazwischenging“, kam es zum Handgemenge.

Dann habe der Bruder die beiden Frauen an Händen und 
Füßen gefesselt, ihre Münder mit Klebeband verschlossen und ein Stromkabel mehrmals um ihre Hälse gelegt. Sie habe um ihr Leben gebangt, vertraute die 50-Jährige ihr an, berichtete die Nachbarin.

Was sich am 23. Februar in dem Haus in der Alten Landstraße in Buchenau wirklich ereignete, soll das Gerichtsverfahren hervorbringen. Sechs Verhandlungstage sind dafür angesetzt, an denen unter anderem zehn Zeugen und zwei Sachverständige gehört werden.

  • Das Verfahren vor der 6. Strafkammer beginnt am Montag um 9 Uhr im Saal 101 des Landgerichts in Marburg. Vorsitzender Richter des Schwurgerichts ist der Präsident des Landgerichts, Dr. Frank Oehm. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Nicolai Benjamin Wolf.

von Gianfranco Fain

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