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Gemeinde Lohra will sich raushalten

Windparkprojekt Gemeinde Lohra will sich raushalten

Auch den weiteren Vorschlägen des Gemeindevorstands - Mindestabstand 1000 Meter und Vorrangflächen nur wie im Flächennutzungsplan vorgesehen - stimmte der Bauausschuss bei einer Gegenstimme zu.

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Auf dem Hemmerich (rechts) oberhalb von Rodenhausen will die „Bürgerwind“ auf Lohraer Gemarkung drei Räder eines Windparks aufstellen, zwei weitere sollen auf Gladenbacher Gebiet entstehen.

Quelle: Gianfranco Fain

Rodenhausen. „Wir meinen, das Projekt lohnt sich, wollen es, und wollen wissen, ob die Gemeinde und der Ort es mittragen“, sagten Joachim Wierlemann und Ulf Schmidl vor rund zwei Wochen am Ende eines Vortrags vor Lohras Gemeindevertretern. Am Dienstagabend erhielten die „Bürgerwind“-Geschäftsführer eine Teilantwort, die der Bauausschuss als Beschlussempfehlung an die Gemeindevertretung fasste, die wegen ihrer Eindeutigkeit dort wohl auch befolgt wird:

Die Gemeinde wird sich finanziell nicht an der Projektierung, dem Wegebau und dem Betrieb der Windkraftanlagen auf dem Hemmerich beim Ortsteil Rodenhausen beteiligen. Zudem besteht sie auf einen Mindestabstand von 1000 Metern zur geschlossenen Wohnbebauung und will erreichen, dass nur die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Windkraftstandorte in den Teilregionalplan Energie aufgenommen werden.

SPD will Hintertürchen offen lassen

So lautet der Vorschlag des Gemeindevorstands, an dem es im Hauptausschuss nur um eine potenzielle Änderung ging, die der Sozialdemokrat Konrad Gersch­lauer vortrug. Mit dem Einfügen des Wörtchens „derzeit“ beabsichtigte die SPD-Fraktion, der Gemeinde ein Hintertürchen offenzulassen für eine eventuelle spätere Beteiligung. Durch das Einfügen von „derzeit“ vergebe man sich nichts, versuchte der SPD-Fraktionsvorsitzende als Gastredner den Vorstoß zu unterstützen, als der Gegenwind deutlich wurde.

Vor allem Christdemokrat Werner Waßmuth argumentierte vehement gegen eine Ergänzung des Antrags. Man müsse ein klares Signal geben. Die Investoren müssten wissen, dass von der Gemeinde nichts kommt. „Der Antrag ist ein Tick zu viel“, widersprach Jan Klefenz. Die Entfernung sollte mit den Rodenhäusern geklärt werden und die Gemeinde solle sich beteiligen können, sagte der Grünen-Vertreter.

Die Mindestentfernung werde im Teilregionalplan zementiert, es gehe darum, dass die Investoren erfahren, dass sie und nicht die Lohraer Bürger den Wegebau bezahlen müssen. Die Gemeinde sollte auch hinsichtlich des angestrebten Haushaltsausgleichs kein Risiko eingehen, ergänzte Waßmuth.

Mit deutlich mehr Wind als gedacht wird gerechnet

Das unterstrich die Erste Beigeordnete Rosemarie Wollny, indem sie daran erinnerte, dass sich die Stadtwerke Marburg (SWM) aus dem Projekt zurückgezogen haben - weil es ihnen stark risikobehaftet erscheint -, nachdem sie eine hohe Summe in die Voruntersuchungen investiert haben. Nachdem die SPD den Änderungsantrag zurückzog, stimmten acht Ausschussmitglieder für, einer gegen die Vorlage des Gemeindevorstands.

Wenn die Gemeindevertreter in der nächsten Woche dieser Empfehlung folgen, ändere sich für Bürgerwind eigentlich nichts, sagt Joachim Wirlemann. Den Infrastrukturausbau müsse der Investor tragen, das sei klar. Die Gemeinde müsse nur die Wege zur Verfügung stellen. Die würden dafür aber auch durch den Ausbau verbessert. Wie teuer die Zuwegung werden wird, müsse noch genau kalkuliert werden, sagt Wirlemann, sie werde aber sicherlich deutlich teurer ausfallen, als am Landratskreuz.

Drei Anlagen auf Lohraer, zwei auf Gladenbacher Gebiet

Während die Stadtwerke das Projekt nicht selbst weiterverfolgen, aber bei einer Realisierung sich vielleicht doch beteiligen würden, sehen die „Bürgerwind“-Geschäftsführer die von den SWM genannten Gründen - nur aufwendig erschließbares Vorranggebiet, die verminderte Einspeisevergütung und die relativ hohen Investitionskosten - nicht als wirkliches Hindernis an.

Sie versprühten bei der Präsentation vor zwei Wochen Optimismus. Eine viermonatige Parallel-Windmessung auf der mit 474 Meter höchsten Erhöhung des Altkreises Marburg habe ergeben, dass mit Windstärken von mehr als 6,5 Metern pro Sekunde zu rechnen sei, sagte Wierlemann damals. Zudem sähen die bisherigen Gutachten günstig aus. Die Auswertungskosten von rund 30000 Euro trugen bisher die Stadtwerke Marburg.

Bis zu drei der Anlagen könnten an Standorten in der Lohraer Gemarkung entstehen, zwei auf Gladenbacher Gebiet. Allerdings würde eine Anlage im 1000-Meter-Radius eines Punktes am Ortsausgang Rodenhausens in Richtung Erdhausen stehen, um den maximalen Ertrag zu „ernten“. Die Bürgerwind-Geschäftsführer versicherten, dies nicht gegen den Bürgerwillen durchsetzen zu wollen.

von Gianfranco Fain

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