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Gemälde gleichen einer Fotografie

Serie: Kunst als Hobby Gemälde gleichen einer Fotografie

Detailgetreues Zeichnen zählt ebenso zu den Stärken der Bad Laaspher Hobbymalerin Irmgard Krack wie die bildliche Umsetzung von Fantasie- Motiven.

Bad Laasphe. Schon zu Schulzeiten hat Irmgard Krack gern gemalt. Zu ihren bevorzugten Motiven zählten Titelbilder der Programmzeitschrift „Hör zu”. Aber auch so manches Bild, das in ihrem Kopf entstand, brachte sie zu Papier: Blumen und Tiere zum Beispiel. Bis sie der Malerei ihren jetzigen Stellenwert im Leben gab, dauerte es allerdings Jahrzehnte. Erst vor etwa sechs Jahren begann Krack, sich intensiv dem Malen zu widmen.

Die heute 75-Jährige wurde in Nordböhmen geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihre Familie vertrieben und kam nach Gönnern, wo Krack aufwuchs. Gern wäre sie Modezeichnerin geworden, doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Zu schwierig war Anfang der 1950-er Jahre die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Aus ihrem zweiten Berufswunsch, Schneiderin, wurde ebenfalls nichts.

„Ich bekam keine Lehrstelle.” Und so schlug sie eine andere berufliche Richtung ein, besuchte für ein Jahr die Haushaltungsschule in Dillenburg. Zu ihren weiteren Stationen zählten Tätigkeiten im Biedenkopfer Lahnwerk und der Strickwarenfabrik Breidhof. 1963 heiratete sie und zog nach Eckels-hausen. Von dort zog sie 1970 mit Mann, Sohn und Tochter nach Laasphe, wo sie viele Jahre als Näherin im Gardinenhaus Abels arbeitete.

Irmgard Krack blickt auf ein langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Bad Laaspher Arbeitsgruppe „Eine Welt Laden“ zurück. Auch für Projekte der Arbeitsgruppe malte sie bereits. Seit 2007 geht sie ihrem Hobby regelmäßig nach - intensiver als in früheren Jahren, oft stundenlang, meistens nachmittags. Wenn sie über ihr künstlerisches Schaffen spricht, bleibt Krack stets bescheiden. Doch die aufgeschlossene Künstlerin hat keine Schwierigkeiten, die passenden Worte für das zu finden, was sie an ihrem Hobby so sehr begeistert. Beim Malen, so erklärt sie, empfinde sie Schaffensfreude.

Ein Aspekt fasziniert sie besonders: „Ich stelle immer wieder fest, dass die Hand etwas anderes macht als das, was der Kopf will. Ich bin dann nicht unzufrieden aber erstaunt, was dabei rauskommt.” Dies, so sagt sie, sei beflügelnd.

Einen Kunstkurs hat sie nie belegt. „Ich habe mir mein Wissen selbst angeeignet, mithilfe von Büchern”, sagt Krack. Die Natur, besonders der Wald, ist für sie eine wichtige Inspirationsquelle.

So manches Motiv hat sie beim Fahrradfahren entdeckt. „Ich habe dann Fotos gemacht und die Motive später abgemalt.” So entstand zum Beispiel ihr Gemälde von einem Wisent, einem seltenen europäischen Wildrind, das in den Wäldern Wittgensteins wieder angesiedelt wurde.

Manchmal fällt es schwer, die Bilder der Hobbymalerin auf den ersten Blick als Gemälde zu erkennen, da sie durch ihre realistische Farbgebung und Detailtreue wie Fotografien anmuten. So auch ihr Gemälde vom schneebedeckten Forsthaus Hohenroth bei Netphen. Ganz gleich, ob die im Bild zu sehenden Zaunlatten, die Fensterrahmen oder die Äste der Bäume - alles wirkt täuschend echt.

Originalgetreues Malen gehört ebenso zu Irmgard Kracks Steckenpferden wie die malerische Darstellung von Gedanken: Bilder, die lediglich in ihrem Kopf existieren. Bestimmte Situationen etwa, die von Einsamkeit oder gefühlvoller Zweisamkeit bestimmt sind.

Manchmal kombiniert die Malerin ihre Fantasie mit einer Vorlage. So zum Beispiel in ihrem Bild „Adam und Eva 2013”, das sie in einem Schaufenster in Bad Berleburg ausstellte. Auf dem Bild ist ein sich liebendes Pärchen zu sehen, das in der Dunkelheit auf einer Bank Platz genommen hat und in ein helles Licht getaucht wird. Das Pärchen im Lichtschein bildet ein Thema, das der Fantasie von Irmgard Krack entsprungen ist. Anders jedoch die Bank und der Hintergrund. Für Ortskundige ist unschwer auszumachen, dass die Bildfiguren „Adam und Eva” sich im Bad Laaspher Stadtgarten aufhalten.

Einen Namen für ihre Bilder, so wie in diesem Fall, habe sie meistens schnell gefunden, sagt Krack. Die erste Namensidee sei oft die beste. Aber, nicht jedes ihrer Bilder hat einen Titel. Namen gibt die Hobbykünstlerin ihren Werken erst, seitdem sie ausstellt.

Im Jahr 2010 beteiligte sie sich zum ersten Mal an einer Ausstellung. Anlass war das 30-jährige Bestehen der Wittgensteiner Kunstgesellschaft, in der sie Mitglied ist. Seitdem war sie drei weitere Male bei Ausstellungen vertreten: einmal im Bad Laaspher Haus des Gastes, bei einem Bilderfest im Bad Berleburger Stadtteil Sassenhausen und kürzlich beim Südwestfalentag in Bad Berleburg.

Etwas Besonderes hat Irmgard Krack zusammen mit ihrer Tochter Monika Koslowski kreiert: Einen Kalender, den sie mit Malereien und ihre Tochter mit Sprüchen versah.

von Björn-Uwe Klein

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