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Gefängnisstrafe für Missbrauch reduziert

Aus dem Landgericht Gefängnisstrafe für Missbrauch reduziert

Zehn Jahre Gefängnis lautet das Urteil des Marburger Landgerichts nach einer erneuten Verhandlung gegen einen 50-jährigen Hinterländer, der die Tochter seiner Lebensgefährtin mehrfach sexuell missbrauchte.

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Geiselnahme oder nicht? Das Gericht musste nach erfolgter Revision Teil mehrerer Straftaten neu bewerten.

Quelle: dpa

Marburg. Bereits im September 2013 verurteilte das Marburger Landgericht den Mann zu 11,5 Jahren Haft. In der Revision beanstandete der Bundesgerichtshof (BGH) die rechtliche Würdigung in einem Fall und somit die Gesamtstrafenbildung, sodass nur dieser Fall vor einer anderen Kammer des Landgerichts erneut verhandelt werden musste. Ansonsten wurde die Revision verworfen.

Deswegen steht der im ersten Urteil festgestellte und vom Vorsitzenden Richter Gernot Christ verlesene Sachverhalt fest. Demnach lebte der Mann mit der Mutter des Kindes und dem späteren Opfer seit dem Jahr 2009 zusammen. Mehrfach, so die Richter, berührte er das Kind und kündigte an, „wenn du zwölf bist, dann . . .“

Kurz nach dem zwölften Geburtstag des Mädchens, die Mutter war nicht zuhause, lockte er es laut Urteil ins Wohnzimmer, verschloss die Tür und schubste es auf das Sofa. Als das Kind schrie, klebte er dessen Mund mit Klebeband zu und würgte es. Dann nahm er das Band ab.

Opfer floh von Zu Hause

Aus Angst folgte das Opfer nun seinen Anweisungen, zog sich aus und ließ sexuelle Handlungen über sich ergehen. Von dem Vorfall fertigte der Angeklagte ein Video und drohte dieses zu veröffentlichen, wenn das Mädchen etwas erzähle. Darüber hinaus kündigte er weitere Taten mit den Worten an, „das passiert jetzt jeden Donnerstag“.

In den folgenden Wochen verging er sich nach Auffassung der Richter noch viermal an dem Kind und es kam dabei auch zum Geschlechtsverkehr. An einem Tag floh die Zwölfjährige in den Wald, rief ihre Mutter an und offenbarte sich ihr. Aus Angst beider erfolgte zunächst keine Anzeige. Jedoch wechselte die Frau zum Fernhalten des Mannes später die Türschlösser aus. Deswegen zeigte der Angeklagte sie wegen einer begangenen Untreue an, die sie auch gestand. Dann jedoch erstattete sie auch Anzeige gegen ihn, und das Verfahren kam ins Laufen.

Bei der ersten Verhandlung werteten die Richter den Einsatz des Klebebandes und das Einschließen des Opfers beim ersten Fall als Geiselnahme, was der BGH beanstandete. Die Kammer jetzt sah durch den „Einsatz eines Mittels, um den Widerstand zu beenden“, wie Staatsanwalt Sebastian Brieden es ausdrückte, der zehn Jahre und sechs Monate forderte, eine schwere sexuelle Nötigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch eines Kindes.

Richter: Es handelt sich um schwerste Straftaten

Nicht folgen wollte die Kammer Verteidiger Frank Richtberg, der bei der Nötigung einen minderschweren Fall sah und auf eine Strafe unter zehn Jahren plädierte. Gleichwohl, so Christ in der Urteilsbegründung, sei es „nur“ Klebeband gewesen, sodass das Strafmaß am „unteren Rand“ bleiben könne.

Rechtskräftig waren bereits die Verurteilungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in vier Fällen, sowie Körperverletzung, weil der Mann seiner Lebensgefährtin bei einem Streit in den Bauch getreten hatte. Zusammen, so die Kammer, seien zehn Jahre angemessen, handele es sich doch bei den Missbräuchen um schwerste Straftaten.

Der Verurteilte, so mahnte Christ abschließend, müsse sich überlegen, ob er jetzt eine Therapie beginnen wolle. Sein Verhalten zeige noch nicht, dass er sich seiner Verantwortung stelle. In einem Teilgeständnis hatte der Angeklagte in der ersten Verhandlung zwar eingeräumt, dass es sexuelle Kontakte gab. Betonte allerdings, dass er gedacht habe, das Mädchen „wollte etwas ausprobieren“ und er habe für sich nie eine Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind gesehen.

„Derzeit sieht es so aus, als ob er die Strafe komplett verbüßen muss“, merkte Christ an. „Und danach gibt es auch die Möglichkeit weiterer staatlicher Überwachung, um zu gewährleisten, dass nichts mehr passiert.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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