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Gebürtige Biedenkopfer werden zur Seltenheit

Geburtshilfestation Gebürtige Biedenkopfer werden zur Seltenheit

Am Mittwochvormittag gab die Leitung des DRK-Krankenhauses in Biedenkopf die Einstellung der Geburtshilfe am Hinterländer Standort bekannt. Die Station wird zum 31. März 2014 geschlossen. Die Schließung trifft 17 Mitarbeiter, denen eine adäquate Weiterbeschäftigung angeboten wird, versicherte Willy Welsch, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes.

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Das DRK-Krankenhaus in Biedenkopf gibt seine Geburtshilfestation auf. Professor Uwe Wagner (von links), Direktor für Gynäkologie, Professor Jochen Werner, Ärztlicher Direktor, Dr. Holger Thiemann, Kaufmännischer Geschäftsführer (alle UKGM), Belegarzt Dr. Manfred Hoffmann, Arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, und Willy Welsch, Verwaltungsleiter des DRK-Krankenhauses Biedenkopf, informierten über die Einstellung der Geburtshilfe-Station zum 31. März 2014.

Quelle: Klaus Peter

Biedenkopf. Im Verwaltungsgebäude des DRK-Kreisverbandes Biedenkopf informierte gestern Willy Welsch, Verwaltungsleiter des DRK-Krankenhauses Biedenkopf, darüber, dass die Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus in Biedenkopf zum 31. März 2014 eingestellt wird.

Zum Erhalt der Geburtshilfe-Station bildete sich vor einigen Monaten ein runder Tisch mit Teilnehmern aus der heimischen Politik, Krankenhausträgern, Belegärzten und besorgten Bürgern. Wie in diesen Sitzungen verabredet, sollte jeder Beteiligte aus seinem Bereich nach Lösungen suchen, um die dauerhafte Fortführung sowohl aus ärztlicher als auch finanzieller Sicht zu realisieren, betonte Welsch.

Gemeinsam mit den Belegärzten und in enger Abstimmung mit dem UKGM, Standort Marburg, seien Konzepte aufgestellt und daraufhin geprüft worden, wie in Biedenkopf eine den aktuellen Vorgaben der Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe entsprechende Versorgung der Gebärenden und der Säuglinge zu gewährleisten sei.

Wie Welsch berichtete, könnten weder die Anforderung an die ärztliche Sicherstellung auf Dauer durch die Belegärzte erfüllt werden, noch sei es möglich, die dauerhafte auskömmliche Finanzierung zu erreichen. Im Kontakt mit der Planungsbehörde Sozialministerium sei deutlich geworden, dass aus deren Sicht eine Abteilung mit einer Geburtenzahl von unter 500 Geburten pro Jahr kaum in der Lage sei, die ständig wachsenden Anforderungen an die Qualitätsmerkmale zu erfüllen und eine Wirtschaftlichkeit nicht sicher gestellt werden könne. Das Ministerium favorisiert eine Leistungserbringung durch vorhandene Perinatalzentren.

Nicht genug: Rund 440 Geburten in diesem Jahr

Nachdem im Jahre 2012 etwa 400 Neugeborene im DRK-Krankenhaus das Licht der Welt erblickt hätten, sei in diesem Jahr mit etwa 440 Geburten zu rechnen. Zur Stärkung der Kooperationsabsicht in diesem Bereich, so Welsch weiter, stellen die Verantwortlichen des DRK-Krankenhauses, die gynäkologischen Belegärzte und die Vertreter des UKGM einen gemeinsamen Lösungsansatz vor. Dieser lautet:

n„Die Einstellung der Abteilung Geburtshilfe am Standort Biedenkopf erfolgt zum 31. März 2014. Es sollen keine Kündigungen der betroffenen Mitarbeiterinnen erfolgen.

nDer DRK-Kreisverband Biedenkopf, die Gynäkologische Belegarztpraxis als auch das UKGM bieten den Mitarbeiterinnen eine adäquate Weiterbeschäftigung an. Hervorgehoben wird, dass sowohl die Geburtsvorbereitung als auch die Nachsorge der Schwangeren qualifiziert durch die selbstständig tätigen Hebammen weiter sicher gestellt werden sollen – sofern Interesse besteht.

nDas DRK und das UKGM würden für die Realisierung eines zentralen Hebammen-Stützpunktes unterstützend und fördernd zur Verfügung stehen.

Versicherungskosten spielen große Rolle

Wie Professor Uwe Wagner, Direktor für Gynäkologie am UKGM, berichtete, sei es für eine Geburtshilfestation wichtig, die Qualität zu sichern, wobei es unerheblich sei, ob wenige oder sehr viele Geburten anfallen, denn die Vorhaltungen seien dieselben.

Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung, die Geburtshilfestation zu schließen, so Willy Welsch, seien die immensen Versicherungskosten für die Haftpflicht gewesen. In den vergangenen Monaten habe das Krankenhaus pro Geburt etwa 1000 Euro zugezahlt. Ein solcher Zustand könne nicht lange aufrecht erhalten werden, da die Margen auch in den anderen Abteilungen nicht hoch seien. Hohe Bezuschussung einer einzelnen Abteilung schwäche das ganze Unternehmen.

Belegarzt Dr. Manfred Hoffmann bezeichnete die Schließung als einen extremen Schnitt, wobei die Zusammenarbeit zwischen Hebammen, Ärzten und Beschäftigten sehr familiär und höchst engagiert abgelaufen sei. Unmittelbar vor der Pressekonferenz seien die 17 Mitarbeiter über die Schließung informiert worden.

von Klaus Peter

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