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Gebühren für Müllentsorgung bleiben stabil

Biedenkopfer Zweckverband Gebühren für Müllentsorgung bleiben stabil

Immer noch hat der 
Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf rund zwei Millionen Euro auf der hohen Kante. Das Geld aus überhöhten Zahlungen soll die Gebühren für die Kunden in den nächsten Jahren stabil halten.

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Grün sind derzeit die Fahrzeuge, die im Gebiet des Müllabfuhrzweckverbandes Biedenkopf den ­Abfall entsorgen. Welches Unternehmen diese Aufgabe im Jahr 2018 ausführen wird, soll eine Ausschreibung im nächsten Jahr ergeben.

Quelle: Gianfranco Fain

Biedenkopf. Die Aufarbeitung der Versäumnisse aus der Vergangenheit schloss der Müllabfuhrzweckverband während der Versammlung am Donnerstagabend im Bürgerhaus Fronhausen mit der Vorlage des Jahresabschlussberichts 2015 ab. Dieser schließt mit einem ­Minus von rund 2,3 Millionen Euro, hauptsächlich weil die bisher als angesparten Gewinne aus den zu viel gezahlten Gebühren der Kunden nun korrekt als Verbindlichkeiten in den Rückstellungen geführt werden.

Vereinfacht gesagt sind Rückstellungen Schulden, die zurückzuzahlen sind, der Zeitpunkt der Zahlung aber nicht genau bekannt ist. Der Zweckverband muss laut Satzung zu viel eingenommene Gebühren, in den Jahren 2010 bis 2012 betrug die Überdeckung 584.000, 703.000 und 940 000 Euro, ­innerhalb von fünf Jahren an ­seine Kunden zurückzahlen. Ab 2013 wurden auf Verdacht Summen aus der damaligen Rücklage entnommen, um entweder die Gebühren stabil zu halten oder zu senken.

Sammelvertrag muss 2017 neu ausgehandelt werden

Dieser Blindflug soll ein Ende­ haben. Die nun vorliegenden Abschlusszahlen versetzten Jens Kröcher von der Berliner Beratungsgesellschaft GGSC in die Lage, eine auf reale Zahlen basierende Gebührenkalkulation zu erstellen. Deren Ergebnis ist, dass die Gebühren für das Jahr 2017 und wahrscheinlich auch in den nächsten beiden Jahren stabil gehalten werden können.

Grundlage dafür ist, dass für das Jahr 2012 noch eine Überdeckung von rund 145.000 Euro auszugleichen ist. Um die Gebühren trotz gestiegener Kosten stabil zu halten, sollen aber 457.000 Euro aus den Rückstellungen zugeführt werden. Aus den Jahren 2013 und 2014 sind dann 2018/2019 zwingend ­jeweils rund 373.000 Euro zurückzuführen, 2020 dann nochmal 448.000 Euro, falls das Geld nicht schon vorher wieder an die Kunden verteilt wird.

Hinsichtlich der Entwicklung in den kommenden Jahren verwies Kröcher aber darauf, dass der Sammelvertrag 2017 endet und neu ausgehandelt werden müsse. Die Erfahrung aus anderen Verbänden zeige, dass dann mit steigenden Kosten zu rechnen sei, falls es nicht gelinge, über einen guten Wettbewerb niedrige Preise auszuhandeln. Es gehe aber nicht, die Überdeckung durch moderate Erhöhungen langsamer abzubauen, wie es Detlef Ruffert erfragte, weil es sonst in ein paar Jahren einen „Mordsschlag“ für die Kunden gebe.

Hoffnungsschimmer hinsichtlich der künftigen Gebührenhöhe lassen zwei Aussagen zu. Verbandsvorsitzender Christoph Felkl erklärte, man habe sich „im Rahmen des im Wirtschaftsplan vorgesehenen Betrags“ mit dem jetzigen Abfuhrunternehmen über den Kaufpreis der Abfallgefäße geeinigt, die durch die Gebietserweiterung zum MZV gekommen sind. Die damit verbundene Hoffnung ist, einen besseren Wettbewerb der Anbieter zu erreichen.

Dezentrale Sammelstellen wären für MZV möglich

Auch Peter Zulauf, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF), hatte eine gute Nachricht. Der ALF hält seine Gebühren ebenfalls stabil und der ab dem 1. Januar gültige Vertrag mit einem Altpapierverwerter habe ein „hervorragendes Ergebnis“ gebracht, was wiederum bedeutet: mehr Geld für die Anlieferer. Denn der MZV ist verpflichtet, den eingesammelten Müll, beziehungsweise die Wertstoffe, an den ALF als Organisation des Landkreises weiterzugeben.

Wie die Müllentsorgung in Hessen reguliert ist, verdeutlichte Zulauf in einem Vortrag für die neuen Mitglieder der Verbandsversammlung. Dabei­ ging er auch auf das Thema Wertstoffhof im Westkreis ein, der den MZV zuletzt sehr beschäftigte. Vom ALF seien zwei mögliche Standorte für diese­ „große Lösung“ geprüft worden. Der im Interkommunalen Gewerbepark bei Lohra sei zwar nahezu ideal, liege aber für die Hinterland-Kommunen nicht günstiger als Marburg. Im Biedenkopfer Gewerbegebiet „Am Roten Stein“ sei die Herrichtung wegen der Hanglage sehr kostenintensiv. Die Gemeinde Dautphetal habe kein Angebot eingereicht, dennoch habe es am präferierten Standort Carlshütte Gespräche mit dem dortigen privaten Entsorger gegeben – ohne Erfolg.

Zulauf erinnerte an die Erwartung des ALF nach einer Kostenbeteiligung des MZV am Betrieb sowie der Bereitstellung eines Geländes für einen Wertstoffhof. Der ALF suche weiter nach einem Standort, sagte Zulauf, empfahl aber dem MZV über dezentrale Lösungen nachzudenken. Dies könnten Sammelstellen an Bauhöfen sein. Gegenüber Detlef Ruffert erklärte Zulauf, dass sich keine der beiden Formen rentiere.

von Gianfranco Fain

MZV-Müllgebühren 2017

Die von der Verbandsversammlung akzeptierte Gebührenkalkulation für das Jahr 2017 weist vorwiegend geringe Erhöhungen bei der zweiwöchigen Abfuhr von Bioabfall vor. Ausnahme ist der 240-Liter-Zusatzbehälter dessen Abfuhrgebühr 137,52 Euro betragen wird und somit eine Erhöhung um 17,54 Prozent vorweist. Die beiden anderen Tonnen 120/1100-Liter kosten 0,96 und 8,64 Euro mehr.

Die Gebühren für die Bio-Regeltonnen erhöhen sich um 1,56 Euro (120 Liter), 0,72 Euro (240 Liter) und 6,36 (1100 Liter).

Bei der Restmüllentsorgung verteuert sich nur das 100-Liter-Gebinde um 0,01 Prozent: für die wöchentliche Leerung auf 3900 Euro, für die zweiwöchige auf 1928,64 Euro.

 
 
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