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Fritz Runzheimer hält Geschichte fest

Buchautor Fritz Runzheimer hält Geschichte fest

Fritz Runzheimer aus Holzhausen veröffentlichte dieses Jahr zwei Bücher mit Bezug zu seiner Heimat. In den nächsten Wochen soll ein drittes über die Geschichte der Dorfverschönerung in seinem Heimatort erscheinen.

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Nicht nur seine Heimat inspiriert Fritz Runzheimer zu immer neuen Werken rund um die Natur und Geschichte Holzhausens, auch sein eigenes Leben bietet genügend Material, um ein Buch zu füllen.

Quelle: Salomé Weber

Holzhausen. Bereits in jungen Jahren entdeckt Fritz Runzheimer seine Liebe zu den mit Kratzputz verschönerten Häusern, den dicht bewachsenen Hügeln und grünen Wiesen, den schmalen Gassen und blühenden Gärten in und um Holzhausen am Hünstein. Im Jahr 1973 tritt er dem Verkehrs- und Verschönerungsverein bei und übernimmt als Vorsitzender die Verantwortung, Planung und Organisation für die Dorfverschönerung.

Solche Aktivitäten haben in Holzhausen eine lange Tradition, die Runzheimer in seinem neuen Buch „Holzhausen am Hünstein. Ein Dorf macht Geschichte“ chronologisch nachzeichnet. Von Holzhausens Vergangenheit als „Gaumusterdorf“ im Dritten Reich bis zur 750-Jahr-Feier im Jahr 2001 sammelte Runzheimer Dokumente, sprach mit Mitbürgern und anderen geschichtlich Interessierten und fasste die Informationen schließlich in diesem Werk zusammen.

„Mir geht es darum, die Geschichte zu erzählen, die Holzhausen über die nationalen Grenzen hinweg bekannt gemacht hat, und die beginnt in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals hatte Bürgermeister Ludwig Damm die Idee, Arbeitslose und gelangweilte Jugendliche mit Aufgaben zur Dorfverschönerung zu beauftragen, um den Fremdenverkehr anzukurbeln und somit neue Einkommensquellen und Arbeitsplätze zu schaffen“, erzählt Runzheimer.

Der verschönerte Ort wurde in den 1930er-Jahren zu einem der sieben sogenannten „Gaumusterdörfer“ ausgewählt. Anlässlich der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin rief das Amt „Schönheit der Arbeit“ in den 1930er-Jahren zur „Verschönerung des deutschen Dorfes“ auf. Holzhausen hob sich durch seine ruhige Lage, sein sauberes Ortsbild und dem neuen Waldschwimmbad, von dem umliegenden Dörfern ab und wurde zu einem „Gaumusterdorf“ ernannt. „Die meisten Menschen, mit denen ich geredet habe, können sich an diese Episode der Holzhäuser Geschichte gar nicht mehr erinnern, deshalb habe ich Nachforschungen angestellt und bin auf alte Zeitungsartikel gestoßen, die über die Auswahl Holzhausens als „Musterdorf“ berichten“, erzählt der 73-Jährige weiter.

Ihm sei es wichtig, den Bürgern Holzhausens die eigene Geschichte nahe zu bringen, damit diese eine Lehre aus den Dingen ziehen, die falsch gelaufen seien, aber auch um zu zeigen, dass man durchaus stolz sein könne, auf das beschauliche Dorf im hessischen Hinterland.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten die US-Amerikaner Holzhausen und die Verschönerungsarbeiten ruhten. Erst in den 1960er Jahren rief Ludwig Wagner zu neuen Aktionen auf und legte den Grundstein für die Erfolge Holzhausens im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.

„Mir war es wichtig die Arbeit der Pioniere der Dorfverschönerung geschichtlich einzuordnen und die unglaubliche Unterstützung der Bevölkerung herauszustellen“, so Runzheimer. Um nicht nur zu informieren, sondern die Leser auch zu unterhalten hat der Autor seine Chronik mit vielen Anekdoten, Bildern und Zeitungsausschnitten ausgeschmückt.

Seine Heimat inspirierte Runzheimer nicht nur zu einer Chronik, sondern auch zu dem Bildband „Mit offenen Augen sehen und staunen“. „Man glaubt gar nicht, wie viele interessante Dinge ich jeden Tag beobachte, wenn ich aus dem Haus gehe“, sagt der Hobbyfotograf und erzählt von Rehen und ihren Kitzen, die sich in der Abenddämmerung auf den umliegenden Wiesen aufhalten und Eichhörnchen, die im Futterhaus der Vögel um Sonnenblumenkerne streiten.

Neben diesem Bildband erschien in diesem Jahr auch das biografische Werk „Froh und heiter, ist gescheiter!“ Darin verarbeitet Runzheimer Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend und schreibt über Grenzerfahrungen, die er während seiner Darmkrebs-Erkrankung durchlebt hat.

„Wegen meiner Krankheit erwartet jeder, dass ich Trübsal blase, aber meine Bücher sind positiv, weil meine Lebensfreude und meine Heiterkeit mir immer wieder Mut und Antrieb geben“, erläutert Runzheimer.

von Salomé Weber

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