Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Friede ist noch nicht geschlossen

Buswendeplatz Friede ist noch nicht geschlossen

Eine neue, zentrale Bushaltestelle und alles ist gut in Lohra? Nicht ganz, Anlieger des neuen Buswendeplatzes machen ihrem Unmut öffentlich kund.

Voriger Artikel
Gedenktafel soll den neuen Buswendeplatz zieren
Nächster Artikel
Gefahr von Wildunfällen steigt

Schon vor der Eröffnung des neuen Buswendeplatzes in Lohra wiesen Anwohner auf die Belastungen und Ärgernisse hin, denen sie sich ausgesetzt sehen.

Quelle: Johanna Stein

Lohra. Seit rund einer Woche ist der Buswendeplatz „Lohra Neue Mitte“ freigegeben. Doch damit sind die Diskussionen und Probleme rund um die neue Bushaltestelle noch nicht beseitigt. Besonders drei Familien, die in der Gladenbacher Straße wohnen, sind nun ihrer Meinung nach von einer Mehrbelastung durch Lärm und Abgase direkt betroffen. „Dass die Situation in der Bahnhofstraße untragbar war, ist auch uns bewusst“, erklärt Andreas Schaubmar, Familienvater und Anwohner, „aber dies ist auch keine zufriedenstellende Lösung.“

Die neue Bushaltestelle ersetzt unter anderem die in der Bahnhofstraße, an denen es regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen und gefährlichen Situationen durch haltende Busse kam. Doch auch die „Neue Mitte“ sorge für Verkehrsbehinderungen und Staus im Feierabendverkehr, da weder eine Einfädel- noch eine Linksabbiegespur für die Busse vorhanden sind.

Schaubmar ermittelte im April aufgrund der Fahrpläne der Haltestelle in der Bahnhofstraße die Anzahl der täglichen Busbewegungen, welche bei 96 liege. Zudem berechnete er die Anfahr- und Anhaltemanöver für jede Buslinie, je nach den Richtungen, aus denen sie kommen und in die sie weiterfahren. Dabei ergaben sich zusätzlich zu den 96 Busbewegungen der Bushaltestelle noch jeweils 157 Anfahr- und Anhaltemanöver täglich von fünf bis ein Uhr. Aufgrund dieser Erhebungen beantragte Andreas Schaubmar ein Normenkontrollverfahren, von dem er sich zumindest einen verbesserten Lärmschutz als Folge erhofft.

Anwohnerin Hanna Schöck drückt ihr Unverständnis über die hohe Zahl an täglich fahrenden Bussen aus: „Ich sehe so viele Leerfahrten jeden Tag, wieso müssen denn überhaupt so unnötig viele Busse fahren?“ Doch nicht nur der Lärm der Busse, die teilweise zwei Mal direkt hintereinander an den Anwohnern vorbeifahren müssen, stört die Familien. Auch der Gestank der Abgase und die LED-Laternen stellen eine Mehrbelastung dar. „Wir können im Kinderzimmer gar nicht mehr richtig lüften und die Laternen sind viel zu hoch und strahlen wie Flutlicht, man fühlt sich wie neben einem Sportplatz“, erklärt Schaubmar.

Besonders verärgert sind die Anwohner aber darüber, dass sie in ihren Augen kaum bis gar keinen Einfluss auf die Geschehnisse hatten. „Unsere Transparente wurden vollkommen ignoriert.“ Die Familien Sohn, Schäfer und Schaubmar, welche alle gegenüber der Bushaltestelle wohnen, hatten Transparente mit der Aufschrift „Lärm und Gestank machen uns krank“ an ihren Häusern aufgehängt - ohne Erfolg. „Wir wurden immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt, nie informiert, sondern einfach überrumpelt“, sagen die wütenden Anwohner. „Auf den Bau an sich hatten wir keinen Einfluss. Alles, was wir bewirken konnten, war, dass die neue Verkehrsinsel nicht direkt vor unserer Einfahrt liegt“, meint Schaubmar.

Auch Reiner Schöck, direkter Anlieger des Buswendeplatzes, ist sauer, denn die vierte Haltestelle des Platzes befindet sich vor seiner Garageneinfahrt. „Wenn es ja nur eine Bushaltestelle wäre, wäre es nicht so schlimm. Es handelt sich aber um eine Endhalte- beziehungsweise Wartestelle, für den Fall, das die anderen drei Haltestellen belegt sind. Und das vor der Einfahrt, die wir seit 50 Jahren nutzen, das ist wirklich eine Frechheit.“ Unverschämt findet es Familie Schöck auch, dass sie als Anlieger von den Verantwortlichen nicht nur nicht informiert, sondern auch nicht einmal zur Einweihung am 18. Juli eingeladen wurden.

Es ist vieles unverständlich für die Anwohner. „Die Haltestelle Biegenstraße hat man als erste Wahl für das Vorhaben aufgegeben, da sich die Anlieger vehement beschwerten. Wieso hat das bei uns nichts gebracht?“, fragt Schöck. Zudem hätte es genügend andere Möglichkeiten zur Gestaltung des Buswendeplatzes gegeben.

„Eigentlich hatten wir uns mit allem abgefunden, es gibt nur zwei Punkte, über die wir uns seit fünf Jahren beschweren: Wir verdienen zum einen Lärmschutz und außerdem wollten wir, dass auf die vierte Haltestelle verzichtet wird“, erklärt Schöck. So hätten die Anwohner den Bau akzeptiert, man sei aber nie auf die Forderungen eingegangen, „da wir als Einzelne ja nicht für die Allgemeinheit sprechen.“ Daher habe sich Schöck nun Hilfe beim Verband für Wohneigentum geholt. Auch bezweifelt Schöck die gesteigerte Sicherheit durch die „Neue Mitte“. Ein Bus sei bereits über die Verkehrsinsel gefahren, die als sichere Überquerungsmöglichkeit für Schulkinder und andere Fahrgäste dienen solle.

von Johanna Stein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr