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Freudiger Rückblick auf tolles Jahr

Kirschenkönigin Freudiger Rückblick auf tolles Jahr

Die Regentschaft geht zu Ende. Am Freitag wird Kirschenkönigin Julia ihre Nachfolgerin krönen.

Gladenbach. Spannend war vor einem Jahr der Wahlabend, und ebenso spannend verlief ihre einjährige Amtszeit. Die 20-jährige Mornshäuserin stellt nun zufrieden fest: „Das war ein tolles Jahr.“

Vor dem großen Wahlspektakel, am 29. Juni vergangenen Jahres, lastete auf der künftigen Industriekauffrau eine besondere Anspannung: Denn es bestand die Chance, dass erstmals die Namen von Mutter und Tochter auf der Ewigen-Liste der Gladenbacher Kirschenköniginnen stehen würden. Mutter Elvyra Krüger, geborene Heise, wurde 1978 gewählt.

Wertvolle Tipps gab esvon der Mama

Von Mama gab‘s dann auch wertvolle Tipps. „Sie hat mir sehr geholfen“, sagt Julia. In dem Entschluss, sich zu bewerben, musste die Mutter sie freilich nicht bestärken. „Schon als Kind war für mich klar, dass ich irgendwann einmal mitmachen würde“, sagt Julia.

Aber als regelmäßige Kirschenmarkt-Besucherin war sie sich auch sicher, im Alter von 16 noch nicht zu kandidieren. Jedes Jahr mehr an Lebenserfahrung sei sowohl beim Wahlprozedere als auch - im Falle eines Wahlsieges - bei der „Regentschaft“ hilfreich, ist sie sich sicher.

Offiziell angemeldet habe sie sich im vergangenen Jahr erst kurz vor Bewerbungsschluss, sagt Julia lächelnd. Die wenigen Tage bis zum Kirschenmarkt vergingen dann wie im Flug. Es blieb kaum Zeit, sich gedanklich mit dem bevorstehenden Großereignis zu beschäftigen.

Am Wahltag stieg die Anspannung. Zu allem Überfluss riss ihr zu Hause beim Schuhe-Anziehen der Träger ihres Kleides. „Mama war schon nach Gladenbach vorgefahren“, erinnert sie sich.

Mit einer Sicherheitsnadel behob Julia dieses Problem selbst. „Natürlich habe ich befürchtet, auf dem Laufsteg könnte der andere Träger reißen“, beschreibt die amtierende Regentin die holprige Vorbereitung.

Das war aber nur einer von vielen Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen.

Auch das obligatorische Gläschen Sekt vor dem Einzug ins Festzelt im Hotel Spies konnte das Lampenfieber nicht wesentlich senken. Als sie mit den anderen Bewerberinnen, an der Seite ihres Prinzen, über den Laufsteg in Richtung Bühne schritt, habe sie nach bekannten Gesichert gesucht. „Das hilft einem ein wenig“, sagt Julia.

Aber das Prickeln hielt noch lange an. „Vieles, was dann passiert, nimmst du gar nicht richtig wahr. Du versuchst, dich auf deinen ersten Gang über den Laufsteg zu konzentrieren“, beschreibt sie. „Nicht zu schnell gehen, möglichst im Takt der Musik bleiben, freundlich lächeln, winken, und hoffentlich hat bis dahin das Kleid keine Schweißränder.“ All das seien Dinge, mit denen man sich beschäftige.

Mit Schmackes am Glücksrad gedreht

Etwas entspannter sei der zweite Gang über den Laufsteg gewesen, sagt Julia. Aber erst sehr spät nahm sie wahr, dass sie mit einer anderen Bewerberin ins Stechen musste.

Nach dem ersten Drehen am Glücksrad stand‘s unentschieden. „Dann habe ich mit mehr Schmackes gedreht und hatte eine Vier.“ Ihre Konkurrentin hatte weniger Glück, der Zeiger blieb knapp auf der Drei hängen. „Erst als ich meine Fans jubeln sah, habe ich realisiert, dass ich nun Kirschenkönigin bin“, sagt Julia.

Auch bei der anschließen Krönung und den vielen Gratulationen sei vieles noch wie in Trance ablaufen. Die Anspannung wich danach aber zusehends. „Man ist überglücklich, wird sich aber sehr schnell bewusst, dass nun eine große Herausforderung auf einen wartet, man trägt Verantwortung, muss pünktlich auf Terminen erscheinen und soll charmant die Kirschenmarktstadt repräsentieren“, erklärt sie.

Die vielen Einladungen und Auftritte habe sie stets genossen. „Lampenfieber muss man nicht mehr haben, man ist ja nie alleine“, erklärt sie und betont, dass ihr im Zweifelsfall Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim hilfreich zur Seite gestanden habe.

Tolle Ereignissemiterlebt

Sie erinnert an tolle Ereignisse, von Ausstellungs- und Markteröffnungen über die Gladenbacher Tanzgala und das Einladungsfest des hessischen Ministerpräsidenten für alle „Hoheiten“ bis hin zum Fest mit Delegationen der Gladenbacher Partnerstädte.

Für ihre kurzen Reden habe sie sich meist nur Stichpunkte notiert, nur einmal nicht, sagt Julia und lacht: Für die Eröffnung der Automobilausstellung hatte sie eine kurze Rede ausformuliert. „Die konnte ich in die Tonne kicken. Bis ich am Mikrofon stand, war alles, was ich sagen wollte, längst gesagt“, erinnert sie.

Wenn Julia im Festzelt am Donnerstag den 176. Kirschenmarkt eröffnet, wird ihr „Spickzettel“ wohl wieder nur aus Stichpunkten bestehen. Auf diesen Auftritt freut sie sich schon riesig, weiß aber auch, dass er von viel Wehmut getragen sein wird.

Endgültig lösen wird sich jegliche Spannung erst am Freitag, nachdem Julia ihre Nachfolgerin gekrönt hat. Dann wird sie mit Freunden feiern, als Julia Krüger, Ex-Kirschenkönigin von Gladenbach.

von Hartmut Berge

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