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„Freude, Gänsehaut, Erleichterung“

Laientheater „Freude, Gänsehaut, Erleichterung“

Mehr als 1000 Zuschauer sahen am Wochenende Robin Hood im Dautpher Bürgerhaus. Beim Tanztheater begeisterten mehr als 120 Mitwirkende auf, vor und hinter der Bühne.

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Lady Marian (Leonie-Sophie Debus) ist angewidert von dem Gedanken, den fiesen Sheriff von Nottingham (Uschi Lucic) heiraten zu sollen.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Dautphe. Tosender Beifall am Ende eines großartigen Theaterabends: Mit viel Humor und Leidenschaft brachte das spielende, tanzende und singende Ensemble um Regisseurin Conny Dönges die weltbekannte Geschichte von Robin Hood nach Dautphe.

Verdeckte Ankunft im Wirtshaus: Konig Richard (links, Dirk Hilberg) ist zurück in England. Dort trifft er auf einen engen Verbündeten seines Bruders John: den Bischof (Linda Schmidt).

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Die fesselnde Inszenierung ist keine bloße Nacherzählung der historischen Legende vom edlen König der Diebe. Sie ist ein individuelles Meisterwerk, bei dem die Akteure immer wieder den vertrauten Pfad der Geschichte verlassen und stets kreative, oft lustige Akzente setzen. Und das gleich zu Beginn: Stefan Schumann tänzelt im Narrenkostüm durch den Saal und verkündet singend, noch niemals in New York gewesen zu sein.

Tänzerinnen erobern die Bühne in vielen Rollen

Der Funke springt über - das Stück beginnt: Bäume stehen herum, Felsen ragen aus dem Erdboden und dahinter steht das königliche Schloss. In dieser Kulisse spielt das Ensemble, das im wesentlichen aus mehr als 70 Tänzerinnen besteht. Und die erobern die Bühne im Wechsel als edle Burgfräulein, als Schmetterlinge im Bauch, als Wächterinnen und Bogenschützinnen, als gruselige Gespenster im Schwarzlicht oder ausgelassene Hochzeitsgesellschaft.

Dazwischen glänzen die Schauspieler: Der von seiner eigenen Herrlichkeit geblendete Prinz John, gespielt von Stefan Schumann, und der nimmersatte Bruder Tuck, den Daniela Feller darstellt, begeistern mit Momenten voller Komik - ebenso das ungleiche Wächter-Paar Gisbourne (Sabine Seibel) und Kurt (Stefan Rein). Daneben brillieren auch Nicolai Schmidt als Robin Hood, Leonie-Sophie Debus als Lady Marian sowie Uschi Lucic, der den Sheriff von Nottingham mimt.

Regisseurin fehlen beim Abschied die Worte

Das spätere Pärchen spielt mal mutig, mal sinnlich, mal witzig, Seite an Seite oder allein: mit dem Schwert in der Hand, dem Nachttopf vor dem Gesicht oder knutschend im Wald hinter Eichen. Und dazu poltert der finstere Sheriff mit viel Gebrüll von einer Blamage zur nächsten.

Als schließlich der zurückgekehrte König Richard, den Dirk Hilberg darstellt, in letzter Minute die Thronbesteigung seines Bruders verhindern kann, kehrt im Sherwood Forest wieder Ruhe ein. Und die Geschichte endet beinahe so, wie sie begonnen hatte: Mit einem glamourösen Prinzen mit Narrenhut und Steckenpferd.

Als der Beifall abklingt und die Zuschauer den Saal verlassen, sitzt Conny Dönges auf der Bühnenkante. Ihre Gefühle und Gedanken kann die sichtlich gerührte Macherin kaum in Worte fassen: „Freude, Gänsehaut, Erleichterung. Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat!“ Viel Zeit, Kraft und Liebe, beinahe „Vollzeit“, hat Conny Dönges in die Vorbereitungen des Tanztheaters investiert - neben Familie und Beruf. Robin Hood, das verkündet sie im Programmheft, könnte deswegen ihre letzte Inszenierung auf der Dautpher Bühne gewesen sein. „Eigentlich liebe ich das Ganze so sehr, aber . . . “, sagt die gute Seele am Sonntag. Also: Ende offen?

von Benedikt Bernshausen

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