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Fotovoltaik ist in Hessen beliebt

Regierungspräsident Fotovoltaik ist in Hessen beliebt

Zur „Energiewende im Lahn-Dill-Kreis“ referierte Regierungspräsident Dr. Lars Witteck anlässlich des Jahresempfangs des CDU-Gemeindeverbandes Bischoffen.

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Regierungspräsident Dr. Lars Witteck referierte zu dem Thema „Energiewende im Lahn-Dill-Kreis“.Foto: Klaus Peter

Bischoffen. Annähernd 50 Mitglieder begrüßte Vorsitzende Anna-Lena Burk Anfang des Monats beim Neujahrsempfang im Hotel Seehof am Aartalsee. Dort referierte Regierungspräsident Dr. Lars Witteck über die „Energiewende im Lahn-Dill-Kreis“ und betonte, dass es keine unproblematischen regenerativen Energiequellen gäbe.

In Hessen seien 660 Windkraftanlagen in Betrieb, dies bedeute, dass 0,26 Prozent der Fläche für Windkraft genutzt werde. Im Bereich des Regierungspräsidiums Gießen würden sich 280, davon im Vogelsberg 199 Windkraftanlagen drehen.

Sofern diese Windkraftanlagen im Waldbereich installiert würden, müssten dafür etwa 4000 Quadratmeter Wald gerodet werden, was schwierig sei. Es müsse Rücksicht genommen werden auf Vogelfluglinien und auf Nutzungskonflikte. Bei Windkraftanlagen würde es häufig Bürgerbeschwerden geben, die sich auch auf Eiswurf, Schlagschatten und Geräuschbelästigung beziehen.

Außerordentlich beliebt seien in Hessen die Freiflächen- und Dachflächen-Fotovoltaik­anlagen: mittlerweile seien etwa 20000 installiert, die im Jahr 2011 drei Prozent der benötigten Energie erzeugten. Diese Fotovoltaikanlagen seien mit erheblichen Investitionen verbunden, wobei auch die Umlage der Einspeisevergütung durch den Bürger bezahlt werden müsse.

Der Lahn-Dill-Kreis verfüge derzeit über 28 Wasserkraftanlagen, die zusammen etwa so viel Strom erzeugen würden, wie eine einzige Windkraftanlage. Wasserkraft sei nicht der Weg, der viel bringe, resümierte Dr. Witteck. Auch die Erdwärme habe in dem hiesigen Raum keine Option.

In Hessen sei vorgesehen, zwei Prozent der Landesfläche für Windkraftnutzung freizugeben. In der Gemeinde Bischoffen sei theoretisch der Bau von 28 Windkraftanlagen möglich, wobei 9 Anlagen bereits 400 Prozent des vor Ort verbrauchten Stromes produzierten.

Bad Endbacher Platte: 6,1 Meter Wind pro Sekunde

Im Teilregionalplan Energie sei festgelegt, dass nur dort Windkraftanlagen unter Berücksichtigung naturschutzrechtliche Belange genehmigungsfähig seien, wo in einer Höhe von 140 Metern mindestens 5,75 Meter pro Sekunde Wind wehe. Viele Kommunen seien unzufrieden mit dem neuen Entwurf des Teilregionalplans Energie, da aufgrund der vorgenannten Kriterien die gewünschten Flächen nicht alle berücksichtigt werden konnten.

Dieser Plan weise im Lahn-Dill-Kreis im Moment eine Fläche von 3,6 Prozent für Windenergienutzung aus, die sich aber noch auf vermutlich etwa 3,1 Prozent reduziere. In Mittelhessen werde diese Fläche wohl bei 2,5 Prozent liegen.

Um die Energiewende zu schaffen, müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Zur Akzeptanz müssten die Bürger frühzeitig in die Diskussion eingebunden werden. Auch sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, zum Beispiel über Genossenschaften, an der Wertschöpfung zu partizipieren. Witteck lobte den geplanten interkommunalen Windpark Lahn-Dill-Bergland Mitte, ein Projekt der Kommunen Bischoffen, Bad Endbach und Siegbach. Damit sei gesichert, dass nicht eine Kommune Vorteile habe und eine Nachbarkommune überwiegend die Belastungen trage.

Bischoffens Bürgermeister Ralph Venohr erklärte dazu, dass acht Anlagen geplant seien, die vermutlich im März oder April beantragt würden und bei einer Genehmigung im August oder September mit dem Bau begonnen werde. Diese Anlagen könnten dann vermutlich im Frühjahr 2014 ans Netz gehen. Seit November erfolgten Windmessungen an der „Endbacher Platte“, die ein Windaufkommen von 6,1 Meter pro Sekunde in einer Höhe von 140 Metern ergeben hätten.

Vorbehaltsgebiete sind nur Empfehlungen

Gerhard Müller, Erster Beigeordneter der Gemeinde Bischoffen, erklärte, dass die gemeindlichen Gremien erschrocken seien, welche riesigen Flächen (130 Hektar) als Vorbehaltsgebiete für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen ausgewiesen worden seien. Bei einer Verwirklichung entlang der Bundesstraße seien Flora-Fauna-Habitat-Gebiete ebenso betroffen, wie die Freizeitnutzung und der sanfte Tourismus.

Witteck entgegnete, dass die Ausweisung von Vorbehaltsgebieten nur eine Empfehlung an die Kommunen sei, ob eine Umsetzung erfolge, liege an den Kommunen. Elisabeth Müller erkundigte sich über die Größe des Eingriffs in die Natur bei der Verwirklichung des Interkommunalen Windparks Lahn-Dill-Bergland Mitte. Venohr führte aus, dass es sich bei den Flächen überwiegend um Schwachholzbestände sowie Windbruch­areale handele und dass wertvolle Baumbestände eher weniger geopfert werden müssten.

von Klaus Peter

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