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Forsthaus fällt, Ehrenmal zieht um

Serie Forsthaus fällt, Ehrenmal zieht um

In der Serie „Damals & Heute“ dokumentiert die Oberhessische Presse den Wandel von Straßenzügen und Gebäuden. Heute widmen wir uns dem früheren Hindenburg-Platz.

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Das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gladenbacher – damals als Kriegerdenkmal bezeichnet – am alten Standort.

Gladenbach. Bilder erzählen Geschichten. Das gilt sowohl für Aufnahmen aus dem Familienalbum als auch für solche, die bedeutende Ereignisse dokumentieren oder Gebäude zeigen, wie sie früher aussahen. In der Serie werden historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat und was nicht. Im mehrere tausend Bilder umfassenden Archiv des Heimat- und Museumsvereins Amt Blankenstein befinden sich auch die nebenstehenden Aufnahmen vom Ehrenmal auf dem Hindenburg-Platz und vom alten Forstamt in der Marktstraße.

Vor gut zwölf Jahren endete die 356-jährige Geschichte des Forstamtes Gladenbach. Es ging in das Großforstamt Biedenkopf über, das seinen Sitz in der ehemaligen Kreisstadt hat.

Der inzwischen verstorbene ehemalige Gladenbacher Forstamtsleiter Herbert Hofmann beschäftigte sich mit der Geschichte der Forstverwaltung im Raum Gladenbach. Eine Zusammenfassung seiner Arbeit ist in dem 1987 im Hitzeroth-Verlag Marburg erschienen Buch „Gladenbach und Schloss Blankenstein“ veröffentlicht. In der 1995 in der OP erschienenen 17-teiligen Serie „Wald im Wandel“ beleuchtete Hofmann auch die Entwicklung des Forstes in der hiesigen Region.

Georg-Ludwig Hartig istberühmtester Gladenbacher

Als Philipp der Großmütige 1532 eine für die damalige Zeit straffe Forstverwaltung einführte, war dies die Geburtsstunde der hessischen Forstverwaltung. Von den beiden Oberförstern, die für die Einhaltung der ersten Forstgesetze sorgen sollten, saß einer in Marburg. Er war auch für den Raum Gladenbach zuständig.

Ihm waren mehrere „reitende und gehende Unterförster sowie eine Reihe von Holzknechten unterstellt“, berichtete Hofmann damals im Gespräch mit der OP.

„Sowohl in Gladenbach als auch in Weidenhausen war ein ,reitender Förster‘ stationiert. Der Zustand unseres Waldes verbesserte sich durch stärkere Bestockung und neuen Aufwuchs“, berichtete er, gab aber zu bedenken, dass diese positive Entwicklung zu Beginn des 30-jährigen Krieges zum Stillstand kam. Nach dem Krieg setzten die neuen Landesherren in Darmstadt einen Forstamtsleiter für die Ämter Blankenstein und Königsberg in Gladenbach ein.

Der überwachte die Tätigkeit der örtlichen Förster und Holzknechte und leitete sie an. Das Amt hieß Forstamt. Von 1824 bis 1853 standen den Forstrevieren Revierförster vor, ab 1853 verwalteten Oberförster ihre Oberförstereien.

In den 1930er-Jahren wurde aus der Oberförsterei wieder ein Forstamt. Laut Hofmann beschränkte sich die Forstverwaltung zu gewissen Zeiten auf das Amt Blankenstein, teilweise gehörten auch das Amt Königsberg und Teile der Ämter Biedenkopf und Breidenbacher Grund dazu.

Gladenbachs bekannteste Forstleute sind die beiden Hartigs, insbesondere Georg-Ludwig, der wohl als der bedeutendste Forstmann aller Zeiten angesehen werden kann. Er gilt als Begründer der modernen, nachhaltigen Forstwirtschaft. Ihm zu Ehren ließ die Stadt ein Ehrenmal errichten und benannte den Hainpark nach seinem Namen. Eine Gedenktafel hing auch am 1907 in der Marktstraße erbauten Forstamtsgebäude, das Anfang 1971 abgerissen wurde. Die Verwaltung zog ins neue Gebäude in die Karl-Waldschmidt-Straße um, das verkauft wurde.

Zentrum derStadt verlagert sich

Mit dem Forstamt verschwand auch das 1923 erbaute Ehrenmal. Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde auf dem Friedhof wieder aufgebaut. Abgerissen wurde auch der Brunnen, der sich - vor allem in der warmen Jahreszeit - großer Beliebtheit erfreute.

Ursula Müller, langjährige Vorsitzende des Heimatvereins Gladenbach wohnte schon damals gegenüber und kann sich noch erinnern: „Es muss in den 1960er-Jahren gewesen sein, da habe ich in einem sehr trockenen Sommern noch Wasser aus dem Brunnen für unseren Garten geholt.“

War bis dahin die Marktstraße das Herz Gladenbachs, so verschob sich dies allmählich in Richtung des neuen Marktplatzes. Mit der Neugestaltung der sogenannten Innenstadt-Insel, den Flächen zwischen Marktstraße und Marktplatz, soll deren heute trennende Wirkung aufgehoben werden.

von Hartmut Berge

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