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Flüchtlinge stecken Nasen in Bücher

Leibibliothek an der Europaschule Flüchtlinge stecken Nasen in Bücher

Freitagnachmittags 
öffnet eine Leihbibliothek für Flüchtlinge in der Europaschule in Gladenbach. Das Angebot ist ein Projekt der Flüchtlings­hilfe Gladenbach in Koopera­tion mit der Schule.

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Nazar Mohammed Raufi (links) und Aryan Sarwari waren am Freitag in der Leihbücherei für Flüchtlinge an der Europaschule, weil sie die deutsche Sprache mit Hilfe von Übersetzungsbüchern lernen.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Gladenbach. Renate Ewald wartet bereits im einladenden Ambiente des Schülerzentrums an der Europaschule auf „Kundschaft“. Lange bleibt sie nicht allein. Nazar Mohammed Raufi und Aryan Sarwari betreten das Lesezentrum und gehen auf Ewald zu. Sie suchen nach Übersetzungsbüchern. Ewald greift zielsicher ins noch spärlich gefüllte Regal und übergibt den Lernwilligen die Bücher zum Nachschlagen.

Raufi und Sarwari stammen aus Afghanistan und leben seit fünf Monaten in Deutschland. Raufi hat immer ein Notizbuch mit, in das er alle Übersetzungen für ein Wort einträgt. Bei der Suche nach einem deutschen Wort haben sich Raufi und Ewald auch kennengelernt. „Er ging durch die Stadt und sprach mich einfach an“, sagt Ewald. Sie engagiert sich in der Gladenbacher Flüchtlingshilfe und ist ein fester Ansprechpartner in der Leihbücherei für Flüchtlinge.

Zur Eröffnung in der vergangenen Woche kamen zwar nur drei Flüchtlinge, Siegfried Seyler ist dennoch zufrieden. „Das ist noch steigerungsfähig“, ist er sich sicher. Der Ex-Schulleiter der Europaschule ist überzeugt, dass das Angebot gut angenommen wird. Es sei nun wichtig, die Werbetrommel zu rühren. In den Flüchtlingsunterkünften sind bereits Aushänge angebracht, die auch in englischer Sprache über das Angebot informieren. Für eine Woche können Flüchtlinge die Bücher aus einem Bestand von 40 bis 50 ­Titeln auswählen.

Wörterbücher sollen Lernprozess erleichtern

Während der Öffnungszeit, freitags von 13.30 bis 15.30 Uhr, können die Flüchtlinge auch im Lesesaal die Bücher aus dem Bestand der Europaschule lesen. Dort gebe es eine Sitzecke und Tische, die zum Verweilen einladen, sagt Seyler, der auch hofft, dass an diesem Ort Kontakte geknüpft werden können.

Im Bestand sind Wörterbücher zum Lernen der deutschen Sprache, die als Unterstützung im Lernprozess eingesetzt werden können. Zudem verfügt die Bibliothek über diverse Lernmaterialien, also Übungshelfer für Jugendliche und junge Erwachsene, wie zum Beispiel Grammatikbücher.

Es befinden sich aber auch Bücher über die deutsche Gesellschaft im Bestand. „Allerdings sind diese Bücher für Deutsch-Anfänger etwas zu kompliziert“, gibt Seyler zu bedenken. Dafür verfüge die Schulbibliothek aber über „haufenweise Bildbände“ im Präsenzbestand. In der Bibliothek für Flüchtlinge gibt es auch Märchenbücher. „Das ist zum Lernen der Sprache sicherlich hilfreich“, sagt Seyler, weil es in einer einfachen Sprache geschrieben sei.

Erweiterung der
 Öffnungszeiten ist möglich

In der nächsten Zeit soll das Angebot an Büchern noch weiter ausgebaut werden. Zunächst wollen die Organisatoren Erfahrungen sammeln und sich dann darüber austauschen, was noch gebraucht wird. Eines scheint aber schon ziemlich sicher festzustehen: Die Exemplare der Bücher Arabisch-Deutsch sind nicht ausreichend. „Da müssen noch weitere angeschafft werden“, sagt Seyler.

Eine Möglichkeit, um den Bestand zu erweitern, ist, auf Bücherspenden der Bevölkerung zurückzugreifen. Auch denkt die Flüchtlingshilfe darüber nach, die Öffnungszeiten noch zu erweitern, da der Termin nicht für alle Flüchtlinge, die zum Teil an diesem Tag an Deutschkursen teilnehmen, optimal ist. Die Organisatoren warten noch auf ­eine steigende Nachfrage unter den Flüchtlingen.

Raufi und Sarwari nutzen bereits die Zeit in der Bibliothek und helfen sich gegenseitig beim Deutschlernen. Unterstützung erhalten sie von Ewald. Weil sein Status noch unklar ist, kann Raufi keinen Deutschkurs für Fortgeschrittene besuchen. „Das macht mich traurig“, sagt er. Deshalb ist er bemüht, sich selbst zu helfen. Denn nur in der Flüchtlingsunterkunft zu sitzen, ist ihm zu langweilig.

Weitere Informationen unter der E-Mail-Adresse: info@fluechtlingshilfe-gladenbach.de, Bücherspenden nimmt Siegfried Seyler entgegen: Telefon 06462 / 913443.

von Silke Pfeifer-Sternke

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