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„Fliehkräfte“ bewegt die Zuhörer

Lesung „Fliehkräfte“ bewegt die Zuhörer

Der Autor Stephan Thome las in Bad Laasphe aus seinem kürzlich erschienenen Roman „Fliehkräfte“. Eingeladen hatten die Buchhandlung Blöcher, die Stadtbücherei und die Volkshochschule.

Bad Laasphe. Einige der rund 80 Besucher hatten Thomas zweiten Roman bereits gelesen und fieberten dem Gespräch mit dem Autor entgegen. Andere wussten nur grob über die Handlung Bescheid und waren gespannt, mehr zu erfahren.

„Fliehkräfte“ ist eine ganz alltägliche Geschichte. Und ein Beispiel dafür, wie nah Erfolg und persönliche Krisen häufig beieinander liegen. Hauptfigur ist der Endfünfziger Hartmut Hainbach, ein Aufsteiger und zudem „einer von hier“. Hartmut stammt aus dem mittelhessischen Arnau, das dem real existierenden Ort Wallau entspricht. Als Kind lebte er in einfachen Verhältnissen. Er studierte, zeitweise auch in den Vereinigten Staaten, und schaffte es bis zum Professor der Philosophie in Bonn. Nun, da er jedes berufliche Ziel erreicht hat, machen ihm persönliche Probleme zu schaffen.

Tochter Philippa ist aus dem Haus, Hartmuts Frau Maria hat eine Arbeit in Berlin angenommen. Sie ist sich sicher, dass ihr Umzug beiden guttut, Hartmut glaubt das nicht. Er zerbricht sich den Kopf darüber, was seine Frau wirklich nach Berlin zieht. Zusätzlich belastet ihn das Reform-Chaos an den Universitäten, das ihm die Freude am Arbeiten nimmt. Nach einem kurzen Abstecher in Berlin begibt sich Hartmut auf eine Reise nach Portugal, Marias Heimat. Auf dem Weg dorthin lässt er Stationen seines Lebens Revue passieren.

Stephan Thome las seinem Publikum den Beginn des Romans vor, als Hartmut seine Frau Maria am Marburger Bahnhof abholt, um mit ihr die Hochzeit seines Neffen in Bergenstadt zu besuchen - jener fiktiven Kleinstadt, die auch in Thomes erstem Roman „Grenzgang“ der Ort des Geschehens ist. Die Autofahrt gerät zu einem turbulenten Ereignis, in dem sich Hartmut als verständnisloser Ehemann erweist, der schnell über das Ziel hinaus schießt, und sogleich selbst von der Wucht seiner Worte und Gedanken überrascht ist. Wer den Weg von Marburg nach Biedenkopf kennt, konnte sich den Verlauf der Autofahrt bildlich vorstellen. So erging es den meisten Besuchern.

Thome hinterließ ein begeistertes Publikum und beantwortete zahlreiche Fragen.

„Sie haben Erfahrungen zu Papier gebracht, die vielleicht nur ein älterer Mann hat“, sagte eine Besucherin. Sie wollte wissen: „Haben Sie viel Leben in kurzer Zeit gehabt?“

Der 40-jährige Autor antwortete, dass aus seiner Sicht manchmal überschätzt werde, „inwiefern das, was man erzählt, durch Lebenserfahrung gedeckt sein sollte.“ Es sei wichtig, sich über die Lebensperspektive der Figuren Gedanken zu machen. Möglich sei dies durch Mitgefühl, Empathie und Sympathie.

Thome erklärte, dass er die im Roman beschriebene Reise selbst unternommen habe. Der Recherche-Aufwand für „Fliehkräfte“ sei höher gewesen als für „Grenzgang“, da es sich diesmal um einen Reiseroman handele, der sich nicht nur an einem Ort abspiele.

Es gebe aber eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen beiden Romanen, betonte Thome im Gespräch mit der OP: Die Frage: „Wie führt man sein Leben, wie schafft man es, glücklich zu sein?“

von Björn-Uwe Klein

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