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Feuerwehr hofft auf frühe Bescherung

Neues Fahrzeug Feuerwehr hofft auf frühe Bescherung

Hans Georg Hoch ist sauer, weil er seinerzeit nicht über die laufende Ausschreibung für die Anschaffung eines Feuerwehr-Einsatzleitwagens informiert wurde.

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Deutlich größer als dieser Einsatzleitwagen fällt das neue Fahrzeug der Gladenbacher Feuerwehr aus. Das gut 96 000 Euro teure Auto soll noch vor Weihnachten ausgeliefert werden. Archivfoto

Gladenbach. Gladenbachs Feuerwehr bekommt einen neues Fahrzeug. Voraussichtlich wird es in der Woche vor Weihnachten geliefert. Das Auto wird von der Einsatzabteilung sehnlichst erwartet. Beim ehemals aktiven Mitglied der Gladenbacher Wehr, Hans Georg Hoch, ist die Freude über die Neuanschaffung freilich getrübt.

Hoch ist Seniorchef des gleichnamigen Autohauses in Gladenbach. Seit 53 Jahren sei er Mitglied der Feuerwehr und habe sich früher als Aktiver mit anderen Mitstreitern für deren Aufbau eingesetzt. „In unserer Werkstatt haben wir damals manches Auto kostenlos geschweißt und lackiert, die Feuerwehr hatte ja kein Geld“ erinnert Hoch.

„Nun hatten wir zum ersten Mal die Chance, ein Fahrzeug an die Wehr zu verkaufen und fallen hinten runter“, kritisiert er und erklärt, dass VW bei den üblichen Einsatzfahrzeugen keine Fahrgestelle anbiete.

Beim Ausschreibungsverfahren fühlte er sich ungerecht behandelt: Nachdem er von der bevorstehenden Neuanschaffung erfahren habe, seien Gespräche geführt worden. „Wir haben erste Angebote abgegeben und gebeten, dass man uns benachrichtigt, wenn die offizielle Ausschreibung läuft.“ Auf mehrmalige Nachfragen habe man stets die Antwort erhalten, dass es noch nicht so weit sei, „bis es dann zu spät war“, berichtet Hans Georg Hoch. „Selbst wenn wir nichts daran verdient hätten, als Gladenbacher Autohaus hätten wir zusammen mit VW alles daran gesetzt, um den Auftrag zu erhalten“, versichert er. Von VW wäre dann nur das Fahrgestell gekommen, „für die Aufbauten hätten wir uns einen Partner gesucht“, berichtet Hoch.

Abgabefrist für Angebote endete am 15. Mai

Er erklärt, dass bei VW nicht größere Niederlassungen sondern die Händler vor Ort für die Angebote zuständig sind.

Zur Kritik von Hans-Georg Hoch nahm gestern die Stadtverwaltung Stellung. Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim erklärte, dass die Ausschreibung öffentlich über die hessische Ausschreibungsdatenbank erfolgt sei, in die jeder, der sich angemeldet habe, Einblick habe, also auch jedes Autohaus. Wenn wir das vorgegebene offizielle Vergabeverfahren nicht anwenden, verlieren wir den Anspruch auf die Zuschüsse.

26000 Euro hatte das Land Hessen mit Bescheid vom 9. November 2011 in Aussicht gestellt. 100000 Euro sind im Haushalt für die Anschaffung eingestellt.

Rüdiger Götze, im Fachbereich 2 der Stadtverwaltung zuständig für die Feuerwehren, erklärte die Abläufe - von der Ausschreibung bis zur Vergabe des Auftrages. Mit der bevorstehenden Anschaffung habe sich eine Arbeitsgruppe befasst, der unter anderem der Stadtbrandinspektor, Gladenbachs Wehrführer, dessen Stellvertreter sowie der Fachgebietsleiter Funk angehörten.

Von Januar bis März sei die Ausschreibung vorbereitet worden, berichtet er. Die Arbeitsgruppe schaute sich neu angeschaffte Einsatzleitwagen anderer Wehren an und informierte sich bei anderen Kommunen über bereits abgeschlossene Ausschreibungsverfahren.

Im Zuwendungsbescheid sei beschrieben, wie auszuschreiben sei, nämlich in „freihändiger Vergabe“ und in einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren, erklärte Götze. Die Ausschreibung sei vom 11. bis 21. April in der hessischen Ausschreibungsdatenbank erfolgt. Neben Aufbau-Herstellern hätten sich drei Anbieter für Fahrgestelle gemeldet, Niederlassungen beziehungsweise Autohäuser der Marken Ford, Mercedes und VW. Bei VW handelte es sich um einen Händler in Karlsruhe. Bis zum Stichtag 15. Mai gingen drei Angebote in der Verwaltung ein, zwei von Ford-Handlern, eins von Mercedes. „Feuerwehr und Verwaltung haben die Angebote geprüft und dem Magistrat vorgestellt“, berichtete Rüdiger Götze.

Das wirtschaftlichste Angebot - eine Bietergemeinschaft der Daimler AG und der Firma Hartmann aus Alsfeld - habe den Zuschlag erhalten, sagte Bürgermeister Knierim. Gut 96000 Euro wird das Fahrzeug kosten.

In den Genuss der Zuwendung des Landes Hessen kommen die Gladenbacher, weil sie bereits vor Jahren die Neuanschaffung beim Landkreis angemeldet hatten und schließlich in der Prioritätenliste an vordere Stelle gelangten. Ursprünglich sollte das Gladenbacher Fahrzeug über eine Sammelbestellung geordert werden.

Für die Sicherung des Brandschutzes sind in Hessen die Städte und Gemeinden zuständig. Sie finanzieren die Gerätehäuser, die Fahrzeugparks und die übrige Ausrüstung. Und wie die Mindestausstattung der Feuerwehren auszusehen hat, schreibt das Land Hessen per Gesetz vor. Mittlerweile gehört auch ein sogenannter Einsatzleitwagen zur Grundausstattung jeder Stadt und Gemeinde. Er dient der Führung der Feuerwehreinheiten bei Einsätzen. Und da es sich um eine Pflichtaufgabe handelt, die als Investition im Haushalt 2011 Niederschlag finden sollte, gingen im Dezember vergangenen Jahres sowohl im Hauptausschuss, als auch im Parlament alle Hände hoch. Die Anschaffung könne - etwa wegen leerer Kassen - nicht auf die lange Bank geschoben werden. Kreisbrandinspektor Lars Schäfer habe unmissverständlich gesagt, dass er dann die Anschaffung anweisen müsse, berichtete damals Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, dann hätte das neue Auto 80000 Euro gekostet. Diese Summe sollte die Stadt - laut Beschluss - für die Anschaffung bereitstellen.

Gemeinsame Ausschreibungkam nicht zustande

Soviel hätte der Wagen gekostet, wenn eine geplante Sammelbestellung von ursprünglich kalkulierten neun Einsatzleitfahrzeugen zustande gekommen wäre. Das Parlament schloss sich in seiner Sitzung vor fast zwei Jahren einstimmig der Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses an.

Weil auch mehrere Kommunen aus dem Lahn-Dill-Kreis solche Autos anschaffen müssen, hatte sich eine Arbeitsgruppe gebildet, der neben Vertretern der Landkreise die betroffenen Stadt- und Gemeinde­brandinspektoren angehörten. Ziel war es, mithilfe einer gemeinsamen Ausschreibung Geld zu sparen. Für eine Einzelanschaffung wurde damals ein Preis von 90 153 Euro ermittelt. Hätte man neun Fahrzeuge des gleichen Typs geordert, läge der Preis pro Stück bei rund 78344 Euro. Gladenbach, Amöneburg, Kirchhain, Stadtallendorf, Steffenberg, Frohnhausen, Dillenburg, Braunfels und Waldsolms müssen solche Fahrzeuge anschaffen. Steffenberg hatte sich schon sehr früh aus dem Pool verabschiedet, das Parlament wollte maximal 50000 Euro für ein gebrauchtes Fahrzeug ausgeben. Kirchhain und Waldsolms sprangen ebenfalls ab. Zusagen gab es lediglich aus Gladenbach, Amöneburg, Frohnhausen, Stadtallendorf und Dillenburg.

Das reichte nicht für eine Sammelbestellung. Gladenbachs Wehrführer Markus Baumann hatte den Stadtverordneten seinerzeit die Neuanschaffung schmackhaft gemacht. Seit drei Jahren muss Gladenbachs Wehr mit einem Notbehelf zurechtkommen. Ein kurzfristig angeschaffter, acht Jahre alter, viel zu kleiner Kommandowagen, dient zurzeit noch als Einsatzleitfahrzeug. Von ihrem ­Citroën Diesel, Baujahr 1995, musste sich die Wehr im Mai 2009 trennen. Beim Tüv war Endstation. Angesichts des Allgemeinzustandes des Autos hätte sich eine nötige Reparatur in Höhe von 8000 Euro nicht gelohnt, sagte der Bürgermeister damals.

Bei diversen Einsätzen hätte ein modernes Fahrzeug schon gute Dienste leisten können, erklärte Markus Baumann. Im Einsatzfall müssten die Führungskräfte in dem Auto mit Funkgeräten, einem Laptop und nötigenfalls auch mit Karten arbeiten. Dafür biete der derzeitige Kommandowagen nicht ausreichend Platz. Der Einsatzleitwagen steht den Lösch- und Rettungstrupps als Führungsfahrzeug zur Verfügung. Stationiert wird das Auto - wie bisher - bei der Feuerwehr in Gladenbach.

von Hartmut Berge

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