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Feste Blitzer sollen Raser bremsen

Vier Standorte Feste Blitzer sollen Raser bremsen

Mit reichlich Verspätung, voraussichtlich Ende November, wird der erste von vier Blitzern in Betrieb gehen. Die übrigen sollen noch in diesem Jahr folgen.

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Die Bushaltestelle „Würtenberg“ an der B 255 ist einer von vier Standorten, wo die Stadt feste Blitzer installieren lässte. Da dort nur „50“ erlaubt sind, gilt sie als sichere Einnahmequelle.Foto: Berge

Glöadenbach. Die vier vorgesehenen Standorte befinden sich auf den am stärksten befahrenen Straßen in der Stadt Gladenbach: Der Landesstraße 3050 in Weidenhausen in Höhe des Westrings, Haus Nummer 17, auf der Bundesstraße 255 in Höhe Petersburg, Haus Nummer 25, in Höhe der Bushaltestelle am Neubaugebiet „Am Würtenberg“ und - ebenfalls auf der B 255 - auf der Marburger Straße, etwa in Höhe des Hauses Nummer 25.

Wer dort die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde überschreitet, bekommt Post von der Stadt, samt Überweisungsformular.

Nicht wenige werden Punkte in Flensburg kassieren, der eine oder andere sogar seinen Führerschein für eine Weile abgeben müssen. Zu diesem Schluss kommt man angesichts der während einer Probephase gemessenen Geschwindigkeiten. Am Westring war 133 Stunden lang - rund um die Uhr - ein Messgerät installiert. 1017 Fahrzeuge wurden registriert, gemessen wurde in beiden Fahrtrichtungen 207 Geschwindigkeitsüberschreitungen, das entspricht 20,3 Prozent aller gemessenen Fahrzeuge.

Auf der Petersburg waren während der 162-stündigen Messphase 5831 der insgesamt 29344 registrierten Fahrzeuge zu schnell, das entspricht 20 Prozent. Auf der B255 im Weidenhäuser Ortsteil Petersburg rollt sehr viel Verkehr, der größte Teil ist Richtung Herborn, der Rest in Richtung Weidenhausen oder weiter nach Bad Endbach unterwegs. Ein Dorado für Raser ist offenbar die Marburger Straße. 159 Stunden lang speicherte dort ein Messgerät insgesamt 19955 Fahrzeuge und registrierte 9285 Überschreitungen.

Damit waren 46 Prozent der motorisierten Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs, und das in einem Abschnitt, an dem zumindest tagsüber auch zahlreiche Fußgänger unterwegs sind. In der Nähe sind zwei Bushaltestellen, ein Wohnheim der Lebenshilfe, eine Gärtnerei sowie eine Tankstelle mit an- und abfahrenden Fahrzeugen. Zwei Raser waren mit 150 „Sachen“ unterwegs. Auch die anderen beiden Messpunkte wurden zu den „schutzwürdigen Bereichen“ eingeordnet.

Jede Menge Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt es laut der Dauermessung auch „Am Würtenberg“ in Höhe der 267000 Euro teuren Bushaltestelle - im Volksmund etwas spöttisch als „Blaue Lagune“ bezeichnet.

Gemessen wurde insgesamt an fünf Standorten. Neben den besagten, an denen bald Überwachungsanlagen installiert werden, auch „Auf der Bleiche (L 3288) in Runzhausen.

Die Stadt macht nun das, was zahlreiche Kommunen im Landkreis und auch deutschlandweit bereits praktizieren. Fachfirmen installieren hochmoderne Geschwindigkeitsmessanlagen und tragen zunächst die Investitionskosten.

Dafür erhält das betreffende Unternehmen eine sogenannte Fallpauschale pro Verwarnungsgeld. Beide Seiten verdienen daran, nicht nur für klamme Kommunen ist das verlockend. Würde die Stadt die Sache selbst in die Hand nehmen, dann müsste sie etwa 65000 Euro pro Anlage investieren.

Ex-Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim hatte bei Vorstellung des Konzepts vor fast genau einem Jahr betont, dass die Stadt Gladenbach keinesfalls Abzocke betreiben wolle. Bei der Auswahl der Standorte habe die Verkehrserziehung und Gefahrenabwehr im Vordergrund gestanden. Bei den gemessenen Geschwindigkeiten in der Marburger Straße könne man nicht von Kavaliersdelikten sprechen, sagte er damals. Während der sechseinhalb Tage registrierte das Gerät 487 Fahrzeuge, die mit „100“ unterwegs waren, 189 fuhren 110 km/h, 48 rasten mit 120 Sachen die Straße entlang, und zwei Verkehrsteilnehmer fuhren in der 50er-Zone mit einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern in der Stunde.

Dem immer mal wieder zu hörenden Vorwurf der Abzocke stehen die Beschwerden von Anliegern entgegen, seit Jahren zu hören auf Bürgerversammlungen in allen Stadtteilen, einschließlich der Kernstadt.

Daran erinnert auch Neu-Bürgermeister Peter Kremer und weist darauf hin, dass nach der Installation der festen Blitzer die mobilen Geräte des gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks vermehrt an anderen neuralgischen Punkten eingesetzt werden können.

Um einen möglichst großen Konsens unter den politischen Entscheidungsträgern zu erzielen, hatte Klaus-Dieter Knierim die städtischen Gremien in die Sache eingebunden. Im Grunde hätte er als Chef der Ortspolizeibehörde die Installation der Anlagen selbst anordnen können, zumal lediglich 5000 Euro an städtischem Anteil eingeplant waren. Bis zu diesem Ausgabenbetrag kann der Magistrat ohne Zustimmung des Parlaments agieren.

Die Stadtverordneten stimmten im November 2013 zu. Mit der Umsetzung ging es allerdings nicht gerade flott voran. Zunächst war die Rede davon, die zunächst vorgesehenen drei Blitzer würden Anfang dieses Jahres installiert, später hieß es, im Sommer, und später Anfang September.

Als Peter Kremer sein Amt als Bürgermeister antrat, wurde Ende Oktober als Starttermin angekündigt.

Über die erneute Verschiebung sei er alles andere als glücklich, sagte Kremer gestern. Während die Stadt beim Etat für den gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk - trotz vieler Geschwindigkeitsmessungen - regelmäßig drauflegt, sind im ­aktuellen Haushalt 25000 Euro an Überschuss für die ursprünglich geplanten drei Blitzer kalkuliert.

Obwohl Bürgermeister Kremer im Oktober zusätzlich den Würtenberg-Blitzer auf den Weg brachte, werden die Raser in den wenigen verbleibenden Wochen im Haushaltsjahr wohl nur noch wenig Geld in die Stadtkasse spülen.

von Hartmut Berge

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