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Fest ist seit 175 Jahren fast unverändert

Jubiläumsveranstaltung Fest ist seit 175 Jahren fast unverändert

Vor 175 Jahren richteten die Bürger Biedenkopfs das erste Grenzgangsfest aus. Dieses Jubiläumwurde von Freitag bis Sonntag auf dem Marktplatz mit zahlreichen Gästen gefeiert.

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Mit einem kurzen Festzug angeführt vom Spielmannszug, gefolgt vom „bleichen“ Mohr Martin Werner, dem Komitee und den Männern und Burschen zum Marktplatz, wurde das Jubelfest eröffnet und fand Anklang bei den zahlreichen Gästen.Fotos: Bernshausen

Quelle: Benedikt Bernshausen

Biedenkopf. Am Freitagabend prasselte Regen auf den Marktplatz nieder und verzögerte den Beginn der Veranstaltung. Denn die vereinigten Biedenkopfer Männergesellschaften, die das Fest zusammen mit den Burschenschaften organisiert hatten, feierten im Herzen der Stadt unter freiem Himmel. Und dort hatten sich trotz des zu Beginn trüben Wetters schon zahlreiche Gäste eingefunden, darunter auch Mitglieder der Grenzgangsvereine aus Buchenau, Wollmar und Münchhausen.

Als der Regen nachließ, formierte sich schließlich der kurze Festzug mit Grenzgangskomitee, Männer- und Burschenführern aus der Oberstadt hinaus auf den Marktplatz, angeführt vom Spielmannszug und den drei Repräsentanten, den Wettläufern Karsten Plitt und Christoph Strieder sowie dem - diesmal blassen - Mohr Martin Werner.

Musik, knallende Peitschen. Für einen Momente wehte, so Rainer Höhn, ein „Hauch von Grenzgang“ durch die Stadt. Dann, berichtete der Vorsitzende des Grenzgangsvereins, dass man in diesem Jahr eigentlich ein anderes Jubiläum habe feiern wollen - das der Ersterwähnung von acht Gesellschaften vor 150 Jahren. Doch hatte Grenzgrangs-Chronist Karl-Heinz Schneider festgestellt, dass die Bürger zu jener Zeit noch lose in den Farben ihrer Straßen mitliefen, die Gesellschaften erst später gegründet wurden. Zugleich wies Schneider aber auf das erste Grenzgangsfest im Jahr 1839 - vor 175 Jahren - hin und legte damit den Grundstein der dreitägigen Feier.

„Das war eine wunderschöne Idee“, betonte Höhn. In seinem anschließenden Festvortrag erinnerte Karl-Heinz Schneider an die Ursprünge der Tradition: Wie „Phönix aus der Asche“ sei die frühere amtliche Grenzbegehung im Jahr 1839 als Fest wieder „auferstanden“. Der erste amtlichen Grenzgang war von Landgräfin Elisabeth Dorothea von Hessen-Darmstadt 1682 angeordnet und 1693 durchgeführt worden. Schon damals begann die Runde - wie heute - oberhalb der Ludwigshütte, „gleich den Berg hinauf“.

Das Einsetzen von 275 großen Grenzsteinen in den Jahren 1777 und 1780 hatten die Begehungen eigentlich überflüssig werden lassen, trotzdem fand die letzte erst im Jahr 1821 statt. Fünfzehn Jahre später bildete sich auf der Bürgerschaft ein „Comité“, das die Fortsetzung der alten Tradition zum Ziel hatte. Kurzerhand wurde es mit den Feierlichkeiten zum Namenstag des Landesherren, dem „Ludwigstag“, am 25. August verbunden. Seit 1857 findet das Fest im siebenjährigen Turnus statt; nur in Kriegs- und Notzeiten sei von diesem Zeitraum abgewichen worden, so wurde zum Beispiel wegen „ungünstiger Ernteaussichten“ das Fest von 1871 auf 1872 verschoben. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste, noch heute über die Grenzen getragene Fahne: Gestiftet von den Bewohnern der Hain- und Mühlwegstraße. Überhaupt habe sich das Fest von Art und Ablauf in seiner Geschichte kaum verändert.

Und schließlich zitiert Karl-Heinz Schneider den 2002 gestorbenen Chronisten Günter Bäumner. Dieser hatte einst treffend formuliert: „Der Umgang um die Stadtgrenze war schon damals das, was er auch heute noch ist, nämlich ein Anlass, die Bürgerschaft von Biedenkopf zu einem dreitägigen Festen mit all seinen schönen Seiten und Reizen zu vereinigen.“ Und sicher im Geiste dieses Ausspruchs feierten die Bürger auch am Wochenende - mit viel Musik in guter Gesellschaft.

von Benedikt Bernshausen

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