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Ex-Klinik-Chef droht Bewährungsstrafe

Landgericht Ex-Klinik-Chef droht Bewährungsstrafe

Das Verfahren vor dem Siegener Landgericht ­wegen Veruntreuung wurde im Fall der Frau des Ex-Klinik-Chefs ein­gestellt. Der Prozess gegen den Ehemann wird am 3. Februar fortgesetzt.

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Die Laaspher Kliniken – im Bild die Emmaburg-Klinik – gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. ­Gegen einen der beiden Ex-Geschäftsführer läuft noch ein Prozess.Foto: Bernshausen

Quelle: Benedikt Bernshausen

Bad Laasphe . Wirtschaftsstrafverfahren sind komplex und schwierig, ziehen sich meist lang hin. Oder sie werden mit einer Verständigung abgeschlossen. Eine solche gibt es jetzt im Bad Laaspher „Klinikprozess“.

In dem Prozess steht ein Ehepaar wegen Untreue im Zusammenhang mit der Insolvenz zweier Kliniken in Bad Laasphe im Jahr 2009 vor Gericht. Das Paar soll insgesamt 285000 Euro veruntreut haben. Dem Ehemann als ehemaligem Geschäftsführer wird schwere Veruntreuung in 15 Fällen vorgeworfen, der Frau, die ebenfalls in der Klinik arbeitete, Beihilfe dazu. Das Verfahren gegen sie wurde gestern eingestellt.

Nach längeren Beratungen und Gesprächen stellte die vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach am Dienstagmittag fest, dass die Beweislage gegen die 49-Jährige sehr problematisch sei.

3800 Euro mehr Gehalt

Laut Anklage hatte ihr Mann und sein früherer Geschäftspartner für sie ein Gehalt von 2000 Euro im Monat vereinbart. Tatsächlich waren aber bald 5500 und dann sogar 5800 Euro gezahlt worden. Für Staatsanwältin Tanja Sotelsek stand danach fest, dass die Angeklagte von der ursprünglichen Vereinbarung wusste und ihrem Mann Beihilfe zur Untreue geleistet hatte.

Die Staatsanwältin bestand auch am Dienstag zunächst darauf, den Steuerberater der Familie noch zu hören. Sie ließ sich aber im Laufe des Vormittags offenbar überzeugen, dass ein Beweis nur sehr schwer zu führen sei. Jedenfalls gab es am Ende Einvernehmen über die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße von sechs Mal 250 Euro an einen „noch näher zu bestimmenden Bußgeldempfänger“. Dies kam der Angeklagten und ihrem Verteidiger auch aus anderen Gründen recht, sitzt der Anwalt doch künftig noch in einem anderen größeren Verfahren und hätte ansonsten Terminschwierigkeiten bekommen. Der endgültige Beschluss konnte am Dienstag noch nicht gefasst werden, da die Angeklagte noch einige Gehaltsnachweise einreichen muss.

Auf Zeuge verzichtet

Der Versuch ihres Ehemannes, die Auszüge direkt mit seinem Laptop vorzulegen, scheiterte am Gerät („Eine alte Kiste, die braucht mindestens drei Minuten, bis sie hochfährt“) und dem mangelnden WLAN im Gerichtsgebäude. Es ist aber nur noch eine Formsache.

Der angeklagte Ex-Geschäftsführer muss am nächsten Verhandlungstag noch einmal erscheinen, kann diesem 3. Februar aber recht gelassen entgegensehen. Auch für ihn wurde eine Vereinbarung getroffen. Bei ihm soll es nur noch um die möglicherweise eigenmächtige Gehaltszahlung an seine Frau gehen. Legt er ein Geständnis ab, „droht“ ihm nach dieser Verständigung eine Bewährungsstrafe von maximal einem Jahr. Der eigentlich noch als Zeuge vorgesehene Steuerberater wird wieder ausgeladen.

von Michael Kunz

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