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"Es ist alles gesagt - für heute"

Hauptversammlung "Es ist alles gesagt - für heute"

Der FSV Buchenau hat keinen gewählten Vorstand. Während der Hauptversammlung entfachte sich eine mehrstündige, hitzige Debatte. Letzte Chance ist die außerordentliche Hauptversammlung Mitte Februar.

Buchenau.. Als Lothar Dönges die Jahreshauptversammlung des Fußballsportvereins (FSV) Buchenau um 19.15 Uhr eröffnet, sitzen mehr als 100 von 466 Mitgliedern im großen Saal der Gaststätte Muth. An der bis dahin letzten Hauptversammlung im Grenzgangsjahr 2013 hatten nur rund 50 Mitglieder teilgenommen - die übliche Zahl. Der große Andrang diesmal ist Indiz für ein besonderes Ereignis, das bevorsteht. Schon seit Wochen war darüber im Dorf gesprochen worden: Lothar Dönges, seit mehr als vier Jahrzehnten Vorstandsmitglied, seit einem Vierteljahrhundert gar Vorsitzender des FSV, würde aus der Führungsriege ausscheiden - und ebenso der Co-Vorsitzende Frank Löber.

Bekannt war, dass sich der Vorstand entzweit, dass es Unstimmigkeiten über Entscheidungen gegeben hatte und im Laufe der Zeit bereits drei Vorstandsmitglieder, darunter der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Platt, ihre Ämter niedergelegt hatten. Doch die genauen Gründe, die diese schwierige Situation ausgelöst hatten, waren - zumindest der breiten Masse der Mitglieder - bis zuletzt unklar.

Im zweiten Teil seines Geschäftsberichtes und der anschließenden Aussprache bezog der amtierende Vorsitzende Stellung. Danach gilt die Freistellung des Trainerduos Steffen Schäfer und Jürgen Koch in der Winterpause 2013/2014 als Auslöser des Konfliktes. Damals sei das Gruppenliga-Team des FSV Buchenau mit dem fünften Platz in der Tabelle so erfolgreich wie noch zu keiner anderen Zeit in der langen Vereinsgeschichte gewesen, erinnert Lothar Dönges. Vom Spielausschuss war damals dennoch die Entlassung der Trainer gefordert worden.

„Ein Unding“, so der Vorsitzende rückblickend. Danach sei es außerdem zu einem Gerangel um Entscheidungskompetenzen gekommen. Dönges erklärt, dass der Spielausschuss im Rahmen seines Budgets mehr Eigenverantwortung in Personalfragen gefordert habe - und zwar mit Nachdruck, sprich unter Androhung des Rücktritts des vierköpfigen Gremiums. Nach Dönges Meinung seien solche Entscheidungen letztlich jedoch „ureigene Kompetenz des geschäftsführenden Vorstandes“.

Spielausschussvorsitzender Hubert Freund hat daran wenig Zweifel, bewertet die Situation aber anders: „Die Satzung überträgt die Verantwortung für die Senior-Mannschaften auf den Spielausschuss. Und der agiert nach Vorgabe des Haushaltsplanes. Wir haben immer Rücksprache mit dem geschäftsführenden Vorstand gehalten, aber es muss uns doch vorbehalten sein, im Rahmen der Kostenvorgabe eine Personalauswahl zu treffen und vorvertragliche Gespräche zu führen!“

Alles also schlichtweg eine Frage der Philosophie? Zur Freistellung des alten und Einstellung des neuen Trainergespanns hatte es dann einen richtungsweisenden Vorstandsbeschluss gegeben, in dem die Mehrheit im Sinne des Spielausschusses votierte - unter anderem entgegen der Stimmen von Lothar Dönges und Frank Löber.

„Ich habe für meine Person festgestellt, dass ich diesen Beschluss nicht nach außen hin vertreten kann“, erklärte Dönges seinen Rückzug aus der Führungsriege. Zwar glätteten sich im Laufe der Rückrunde die Wogen im Vorstand. Zu gewohnter Einheit und Stärke fand das Gremium aber nicht mehr zurück.

In der Hauptversammlung folgte eine erste kurze Aussprache, dann der nächste Tagesordnungspunkt: Neuwahl des Vorstandes. Zu Beginn verkündete dann auch Kassierer Karl-Heinz Veit seinen - allerdings planmäßigen - Rückzug. Er hatte bereits bei seiner Wiederwahl vor zwei Jahren angekündigt, nach zwölf Jahren im Amt nicht erneut kandidieren zu wollen. Fortan fehlten unter anderem zwei gleichberechtigte Vorsitzende, ein Stellvertreter, ein Kassierer. Wahlleiter Andreas Feußner bat um Vorschläge für die beiden Vorsitzenden-Posten. Es blieb still: keine Wortmeldung, kein Vorschlag.

Nach kaum fünf Minuten schloss Feußner die Wahlhandlung, kündigte eine Vertagung an. Lothar Dönges erklärt das weitere Procedere: Werde am Abend kein Vorstand gefunden, gebe es einen zweiten Versuch auf einer nächsten außerordentlichen Versammlung. Werde auch dort kein Vorstand gefunden, gebe es noch eine weitere außerordentliche Versammlung mit einem einzigen Tagesordnungspunkt: Auflösung des Vereins.

Daraufhin entbrannte eine zweite, diesmal mehrstündige Debatte im Saal mit Fragen zur grundsätzlichen Ausrichtung des Vereins, zur Klärung weiterer Hintergründe. Auch eine 30-minütige Sitzungsunterbrechung, die den Mitgliedern die Möglichkeit bieten sollte, sich untereinander abzusprechen, verfehlte ihr Ziel.

Zwar wurden danach Personalvorschläge gemacht. Doch sowohl Hubert Freund als auch Michael Frey und Michael Veit lehnten eine Wahl zum Vorsitzenden in jenem heiklen Moment ab.

Für Mitte Februar wird eine außerordentliche Hauptversammlung angekündigt, bis dahin führt der bisherige Vorstand die Geschäfte. Karl-Heinz Veit appellierte an die Mitglieder, signalisierte Gesprächsbereitschaft gegenüber allen, die ein „Fünkchen Willen“ zeigen, sich einbringen zu wollen. Er sagt: „Es wäre doch fatal, wenn dieser Verein mit seiner fast 100-jährigen Tradition den Bach runtergeht!“ Darüber sind sich alle einig. Schließlich beendet Lothar Dönges die Sitzung: „Es ist alles gesagt, zumindest für heute!“

Die Uhr im Saal zeigt 23.59 Uhr. Es ist sprichwörtlich kurz vor zwölf in Buchenau.

von Benedikt Bernshausen

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