Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Es gibt Vorbehalte gegen die Fusion

Dekanatszusammenlegung Es gibt Vorbehalte gegen die Fusion

Möglicherweise ist Gerhard Failing der letzte Biedenkopfer Dekanats­chef. In seine zweite Amtszeit soll die Fusion mit dem Dekanat Gladenbach fallen. Nachteile dadurch fürchten einige Randgemeinden auch im Hinterland.

Voriger Artikel
Etappensieg für Familie Heise
Nächster Artikel
„Auf keinen Fall dem Schicksal überlassen“

Blumen nimmt der Biedenkopfer Dekan Gerhard Failing nach seiner Wahl ebenso entgegen wie die Glückwünsche (von links) der stellvertretenden Präses Liesel Hallenberger, des Präses Frank Schmitt und von Pröpstin Annegret Puttkammer.

Quelle: Mark Adel

Allendorf/Eder. Gerhard Failing geht möglicherweise als letzter Biedenkopfer Dekan in die Regionalgeschichte ein. Die Synodalen wählten ihn am Samstag mit großer Mehrheit bei 41 Ja-Stimmen, 5 Enthaltungen und nur einem „Nein“. Damit verlängert sich seine zum 30.April 2014 dauernde erste Amtszeit um – theoretisch – weitere sechs Jahre. Kommt es jedoch zur Fusion mit dem Dekanat in Gladenbach, steht Failing aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung, kündigte er während der Frühjahrssynode im Allendorfer Gemeindehaus an.

Die Synodalen beschlossen einen Antrag der Kirchengemeinde Allendorf, nach der eine mögliche Fusion „ergebnisoffen“ beraten werden solle. Der Prozess solle nicht „auf halber Strecke“ abgebrochen werden. 27 Synodale waren dafür, 8 stimmten dagegen, 2 enthielten sich.

Beide Dekanate bilden seit 2006 eine Arbeitsgemeinschaft. Die soll 2016 – so schlagen es die Synodalvorstände vor – in eine Fusion münden. Beide Dekanate kämen damit einer Vorgabe der Landeskirche Hessen-Nassau nach, die die Zahl der Dekanate von 48 auf 25 bis 28 verringern will. In Nord-Nassau soll die Zahl der Dekanate von 8 auf 4 halbiert werden. Möglicherweise wird diese Fusion auch per Kirchengesetz verfügt. Zum Dekanat Biedenkopf gehören 25300 Kirchenglieder.

Gegner der Zusammenlegung gibt es vor allem im Edertal. Schon vor der Synode hatten bei einem Treffen von Kirchenvorständen sämtliche Vertreter der Kirchengemeinden des Oberen Edertals und Vertreter von zwei Gemeinden aus dem Lahntal gegen eine Fusion votiert. Die Vertreter aus dem Dekanat Gladenbach stimmten hingegen fast geschlossen für eine Zusammenlegung.

Der Einzugsbereich des Dekanats reicht bis Rennertehausen – dort endete bis 1933 der Landkreis Biedenkopf, der Bereich der Landeskirche Hessen-Nassau grenzt dort bis heute an Kurhessen-Waldeck. „Die Fusion ist nicht das erste Mittel der Wahl“, sagte Axel Marburg aus Reddighausen vom Synodalvorstand.

Er befürwortete eine weitere Zusammenarbeit als Arbeitsgemeinschaft mit dem Dekanat Gladenbach ohne Zusammenlegung. Ein fusioniertes Dekanat würde sich über vier Landkreise – Hochsauerlandkreis, Waldeck-Frankenberg, Lahn-Dill-Kreis und Marburg-Biedenkopf – erstrecken und von Hesborn im Sauerland bis kurz vor Wetzlar reichen.

„Das macht die ehrenamtliche Arbeit auf der Ebene eines Dekanats unattraktiver“, sagte Marburg. „Vieles bricht in den Dörfern weg. Die Kirche darf sich im ländlichen Raum nicht zurückziehen.“ Sollte es ein Gesetz zur Strukturreform, also zur Fusion, geben, „müssen wir uns damit auseinandersetzen“.

Der Battenberger Pfarrer Holger Balzer forderte eine Positionierung, um den Mitgliedern der Landessynode Klarheit zu verschaffen. „Um Modelle, die sich über Jahrzehnte bewährt haben, zu verändern, muss es gute Gründe geben“, sagte Balzer. „Und die sehe ich im Moment nicht.“

Sein Battenfelder Kollege Claus Becker sagte, die für eine Fusion mit Gladenbach vorgebrachten Argumente könnten auch dafür sprechen, dass gleich alle vier Dekanate in Nord-Nassau zusammengelegt werden. Einen solchen Vorschlag habe es in der Tat gegeben, entgegnete Failing. „Das ist aber nicht lange diskutiert worden.“ Doch auch im Edertal gab es Befürworter: Joachim Strauch, Leiter des Osterfelder Lebenshauses, erläuterte, dass eine Fusion die meisten Menschen in den Gemeinden gar nicht betreffe. Der Allendorfer Pfarrer Gerald Rohrmann sprach sich dafür aus, in jedem Fall mit Gladenbach weiter zu sprechen. Failing will im Falle einer Zusammenlegung der beiden Nachbardekanate vorher die „berechtigten Interessen“ aller Beteiligten vertreten und auch die Bedenken ernstnehmen, sagte er vor der von Pröpstin Annegret Puttkammer geleiteten Wahl. Er befürwortet die Fusion. „Die Arbeitsgemeinschaft kann nur eine Zwischenlösung sein.“

Die beteiligten Dekanate sollten auf Augenhöhe verhandeln und gewachsene Regionen im fusionierten großen Dekanat stärken. „Sollte die Neuordnung der Dekanate beschlossen werden, beginnt die eigentliche Arbeit erst“, betonte der Dekan. „Das Denken in Regionen über die eigenen Gemeindegrenzen hinaus ist eine Notwendigkeit, mit der wir uns beschäftigen müssen. Es kann nicht mehr alles in jeder Gemeinde geben“, sagte Failing.

„Ich kann mir ein vergrößertes Dekanat nur als Dekanat der Regionen vorstellen, das wir gemeinsam entwickeln müssen, um uns für die Zukunft aufzustellen.“ Zu den Herausforderung zählt auch der Wegfall von 2,5 Pfarrstellen bis zum Jahr 2015. Um die Seelsorge vor Ort sicherzustellen, sei die Zusammenarbeit in den Regionen und auch dekanatsübergreifend erforderlich.

Ob Fusion oder nicht: Das Problem der unbesetzten Pfarrstellen werde bleiben, prognostizierte Failing. Derzeit seien 4,5 Stellen unbesetzt, nämlich in Biedenkopf, Wallau, Wolzhausen und Bromskirchen. In den vergangenen Jahren seien 8 Pfarrer eingeführt oder ordiniert worden. Dem stünden elf Verabschiedungen gegenüber.

Verkleinert werden sollen laut Failing die Synoden – mit der Folge, dass nicht mehr jede Gemeinde Vertreter entsenden kann. Positiv bewertete er die Situation der Notfallseelsorge mit ihren ehrenamtlichen Helfern. Gespräche über eine Zusammenarbeit führten die Diakonischen Werke Biedenkopf-Gladenbach und Oberhessen.

Grußworte sprachen der Gladenbacher Dekan Matthias Ullrich, René Fünders von der Leitung der Regionalverwaltung und der Allendorfer Bürgermeister Claus Junghenn.

von Mark Adel

RÜCKZUG

Der Biedenkopfer Dr. Odo Rothenbächer verkündete am Samstag seinen Rückzug aus Altersgründen aus der Synode. Präses Frank Schmitt kündigte an, sein Amt zur Herbstsynode 2013 niederzulegen.

HINTERGRUND

Die Synode ist sozusagen das Parlament des Dekanats. Der Dekanatssynode Biedenkopf gehören 54 stimmberechtigte Mitglieder an, 47 waren anwesend. Besetzt ist eine Dekanatssynode mit gewählten Vertretern der Kirchengemeinden des Dekanats; ein Drittel der Mitglieder sind Pfarrerinnen und Pfarrer, zwei Drittel Gemeindeglieder.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr